<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Unendlicher Spass &#187; Annett Gröschner</title>
	<atom:link href="http://www.unendlicherspass.de/author/annett-groeschner/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.unendlicherspass.de</link>
	<description>100 Tage unendlicherspass.de</description>
	<lastBuildDate>Fri, 26 Aug 2011 07:03:23 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.4</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Eschaton in Vorpommern</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/28/eschaton-in-vorpommern/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/28/eschaton-in-vorpommern/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 22:24:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/09/28/eschaton-in-vorpommern/</guid>
		<description><![CDATA[An allen Laternen hängt die Direktkandidatin der CDU, die hier Angela Merkel heißt und zurechtgephotoshopt wurde, als würde sie die Wahl im Second Life gewinnen wollen. Mehr Kandidaten scheint es nicht zu geben an der Küste Nordvorpommerns, an die ich die eineinhalb Kilo Unendlichen Spaß mitgenommen habe, um endlich die magische 500 zu überschreiten. 14 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An allen Laternen hängt die Direktkandidatin der CDU, die hier Angela Merkel heißt und zurechtgephotoshopt wurde, als würde sie die Wahl im Second Life gewinnen wollen. Mehr Kandidaten scheint es nicht zu geben an der Küste Nordvorpommerns, an die ich die eineinhalb Kilo Unendlichen Spaß mitgenommen habe, um endlich die magische 500 zu überschreiten. 14 Tage bin ich nicht zum Lesen gekommen, sieht man mal von der Seite vor dem Einschlafen ab. Dann aber packte mich das Eschaton-Spiel und ich las es gleich zweimal, um bei den Regeln durchzusteigen, komplizierter als jede Seitenabseitsregelung im Fußball, während zur selben Zeit kleine Staaten in der UNO-Vollversammlung Chrustschows Schuhperformance toppen wollten.<br />
Drei Tage später stehe ich am frühen Nachmittag mit R. und G. am verrosteten Geländer des Fußballplatzes von Wustrow und schaue dem Spiel Wustrow/Darss Kickers gegen SV Stoltenhagen zu. Ich muss googeln, wo Stoltenhagen liegt (68,1 km, 13 Stunden Fußweg vom Fischland entfernt bei Grimmen). Die Stoltenhagener sehen in ihren orangen Trikots sexier aus als die Wustrower Fischköppe in Blau-Weiß, dabei haben letztere wegen ihrer Küstenlage doch dreißigmal höhere Grundstückspreise als die vorpommerschen Landeier. Deren Sponsor allerdings ist Opel, weswegen mich auch angesichts der Farbe des Trikots die leise Ahnung beschleicht, sie könnten von der Partei der Direktkandidatin gesponsert sein. (Naja, bei näherem Hinsehen ist es nur das örtliche Opel-Autohaus, dank Abwrackprämie hats wohl für neue Trikots gereicht.) Die Blau-Weißen müssen mit dem Textildiscounter Kik vorliebnehmen, denen man Stasimethoden und Ausbeutung der Mitarbeiter nachsagt.<br />
Der Schiedsrichter schiebt einen mächtigen Bauch (umgerechnet 8. Monat) vor sich her, weswegen es mit dem Bewegen nicht gut klappt und er von den 90 Minuten vielleicht sieben wirklich rennt und meistens hinterher. Deshalb rufen ihm die Zuschauer (so viele wie Spieler) immer zu, wenn vorne ein Stürmer der gegnerischen Mannschaft im Abseits steht.<br />
Der Trainer der Heimmannschaft ist 60 von 90 Minuten damit beschäftigt, die teuren Fußbälle aus den Brombeer- und Brennesselbüschen zu holen, die zahlreich ins Aus geschlagen werden, wahrscheinlich, um in der Zeit zu verpusten.<br />
Für echte Fischköppe sind die Spieler sehr gesprächig, jedenfalls die orangenen. Ihre Spieler heißen Mutti, Auge und Ossi. Auge ist immer Mode bei dem etwas untersetzten Spieler der Nr. 6, der in der Verteidigung rumkrepelt und Kapitän und Trainer in einem zu sein scheint. Anders als der Schiedsrichter versucht er, das Spiel im Griff zu behalten und erinnert damit ein wenig an Otis P. Lord, nur ohne Servierwagen und Computeranalyse. „Leute, Leute“, ruft er unablässig über den Platz, stets mit einem leichten Nölen in der Stimme.<br />
In der ersten Halbzeit geht es gesittet zu wie bei einem normalen Eschaton-Spiel. Einige schlagen ganz gute Lobs auf die Torraumlinie, aber erst nach 20 Minuten geht der erste Schuss aufs orange Tor, wo der Torwart von der Sonne geblendet wird. Zwei Orange deuten eine Händelei mit einem der Blau-Weißen an. Der Torwart schreit: „Kommt doch mal runter.“ – „Ossi raus“, schreit einer laut und die Zuschauer brüllen: „Du bist ja ne Pfeife.“ Es ist nicht ganz klar, ob sie den Schiedsrichter meinen, dessen Bauch gerade heranwabbelt. Er verwarnt, ohne eine der berühmten Karten zu zeigen, die hier nicht umdekoriert werden.<br />
Ein Schuss der Orangen donnert mit großer Wucht auf den Parkplatz hinter dem Tor und um ein Haar hätte der Sponsor einen neuen Opel rausrücken müssen.<br />
Man könnte sich das Spielfeld gut als Eschaton-Feld vorstellen, hier war ja die Erde auch 100 Jahre länger eine Scheibe als anderswo. Ein Wunder überhaupt, dass der Sportplatz noch nicht verkauft, parzelliert und mit mecklenburgischen Reetdachhäusern aus Vollplaste zugeschissen ist.<br />
Hinter dem gegnerischen Tor sitzt seit Spielbeginn ein Mann im Trainingsanzug und trinkt unter direkter Sonneneinstrahlung ein Bier nach dem anderen. Er scheint mir ein Direktkandidat für die AA zu sein. Seine Biographie wird sich nicht besonders von der im Gaudeamus-Igitur-2-Kapitel unterscheiden, einschließlich der körperlichen Auswirkungen, von der das häufige Wasserabschlagen in den Brombeerbüschen noch das harmloseste ist. Es ist ja auch erst halb drei. Die Schmerzen kommen später, wenn Lidl zu ist.<br />
Auch in der zweiten Halbzeit bleibt der blau-weiße Torwart ist sehr langsam. „Ist ja auch Wochenende“, sagt R. und spielt ein übertrieben langsam mit dem Ball, der ihm zugeflogen ist, ehe er ihn den Spielern zurückgibt. In Berlin hätte er dafür wenigstens verbal etwas in die Fresse gekriegt.<br />
Der nächste geht wieder ins Brombeergebüsch und der Trainer spricht im Vorbeigehen leise, so dass es niemand der Spieler hören kann: „Nicht nachlassen, Leute.“ Da steht es 1:0 für die Hiesigen. Michi von den Orangen schießt drei Ecken, die dreimal vom Kickers-Torwart gehalten werden. Der Trainer von Blau-Weiß muss danach über einen Zaun steigen, um den Ball zu holen, was der Grundstücksbesitzer nicht so gut findet„Hör auf zu heulen“, meckert der Trainer.“ &#8211; “Ich kann auf meinem Grundstück soviel heulen, wie ich will.“ Aber weil es Vorpommern ist, eskaliert hier keine Situation und keiner muss ein rotes Käppi aufsetzen und den Ausnahmezustand ausrufen. Die Blau-Weißen geraten immer mehr in die Defensive und versuchen es mit Foulen. „Ihr könnt doch nicht alle wegrennen“, schreit der Kapitän der Kickers, aber Einsdreifix sind sie im Rückstand. „Spielen, spielen, spielen“, ruft die orange 6. Kaum hat man das notiert, geht sie schon kaputt und liegt auf dem Rasen, der hier noch echt und voller Gänseblümchen ist. „Haltet die Klappe, meine Fresse“, „Müller nach vorn“, Auge kriegt eine gelbe Karte fürs Meckern. „Der hat doch gar nichts gesagt“, brüllen die Zuschauer. Die Blau-Weiße 8 humpelt nur noch. Der Trainer ist schon wieder in den Brombeeren. Orange schießt Tor um Tor.<br />
Am Ende verliert die Heimmannschaft 1:4, die Netze werden von den Toren entfernt, der Trinker torkelt in Richtung Lidl. Zuletzt trägt der Trainer fast feierlich einen weißen Plastestuhl, der die ganze Zeit hinter dem Südtor gestanden hat (so einen, der überall auf der Welt und bei allem mitspielen muss, ganz sicher gibt es die auch in der E.T.A.), quer übers Spielfeld auf die andere Seite. Es scheint irgendwie ein Ritual zu sein. Dann versinkt der Sportplatz in Stille, nur das Meer ist ganz leise zu hören.</p>
<p>PS: Einen Tag später: Vor dem Wahllokal in Ahrenshoop:<br />
„Na haste Guido gewählt?“ – „Bin ich blöde? Und du?“ – „Na hallo, für wen hältst du mich?“<br />
Schöner 27. September (Thomas Brasch) im Jahr des flüsterleisen Elektro-Opel</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/28/eschaton-in-vorpommern/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Meer am 9.9.9</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/20/meer-am-9-9-9/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/20/meer-am-9-9-9/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 07:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/09/20/meer-am-9-9-9/</guid>
		<description><![CDATA[Keiner am Strand macht den Eindruck, jemanden enthaupten zu wollen. Scandlines ist auf dem Weg übers Binnenmeer: Die Heckklappen sind noch offen. Der Strandkorb kostet drei Euro in der Stunde und muss nach Benutzung in die Ausgangsposition geschoben werden. Die Sonne gähnt schon früh am Nachmittag. Die Familie vor mir stellt sich zu einer dreistufigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Keiner am Strand macht den Eindruck, jemanden enthaupten zu wollen. Scandlines ist auf dem Weg übers Binnenmeer: Die Heckklappen sind noch offen. Der Strandkorb kostet drei Euro in der Stunde und muss nach Benutzung in die Ausgangsposition geschoben werden. Die Sonne gähnt schon früh am Nachmittag. Die Familie vor mir stellt sich zu einer dreistufigen Pyramide auf, außer der Mutter, die alles im Bild festhält. Das twittert dann durchs All für alle.<br />
Ich habe die Vorstellung, es könnten gleich Blutfontänen aus der Lachmöwe spritzen, die zwischen der Familie und mir im Sand stolziert und eklig groß ist. Poor Rony Krause auf Entzug zwingt mich zu solchen Gedanken.<br />
Ich dachte auf dem Weg nach Warnemünde, im Standkorb gelänge es mir, einsdreifix auf S. 500 zuzuschreiten, aber dann kommt Anmerkung 110 und ich bleibe auf S. 448 kleben.<br />
Während Hal seinem verliebten Bruder Orin Nachhilfe in Separatismus gibt, fällt mir das Gespräch mit T. vom Vortag ein, in dem es auch um nationale Eigenständigkeit ging. T., aus den baltischen Wäldern angereist, ist einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne. Das Nachwendepersonal an den ostdeutschen Unis konnte das nicht ertragen, das Baltikum schon.<br />
T. kennt sich aus mit dem Selbstbewusstsein kleiner Völker, vor allem im Ostseeraum, die jahrhundertelang von großen Nationen beherrscht wurden und mühsam ihre Sprache wiederfinden mussten. Mündlich überlieferte Volksdichtungen wurden gesammelt und zu Nationalepen zusammengesetzt, interessanterweise arbeiteten mehrere dieser Textsammler als Landärzte, vielleicht weil sie soviel herumkamen auf den Dörfern. Die finnische Kalevala hat Elias Lönnrot aus Tausenden vor allem in Karelien gesammelten Liedern, Sagen und Zaubersprüchen zu epischer Einheit zusammengekittet. Um zum Epos geadelt zu werden, bedurfte es aber des Zuspruchs von Jacob Grimm, der durch die Sammlung der Kinder und Hausmärchen als Experte galt, weit über die deutschen Grenzen hinaus. Auch das estnische Epos Kalevipoeg und das lettische Lacplesis mit seinen bärenstarken Haupthelden haben eine ähnliche Entstehungsgeschichte. Haben die Separatisten von Quebec nicht wenigstens eine Hymne?<br />
Als ich gegen Abend den Strand verlasse, steht die fette Lachmöwe auf dem Dach von Strandkorb 117, unblutig, aber unbeweglich, als sei sie aus einem dieser Kunstgewerbeläden, die es hier überall auf den Strandpromenaden gibt.</p>
<p>Danach bin ich nicht mehr dazu gekommen, weiterzulesen, sieht man mal von den zwei Seiten vor dem Einschlafen ab, die ich am nächsten Abend noch einmal lesen muss, weil ich alles vergessen habe. Ein ewiges Verweilen auf Seite 468.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/20/meer-am-9-9-9/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>12</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Doofe Sportarten</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/07/doofe-sportarten/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/07/doofe-sportarten/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 01:12:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/09/07/doofe-sportarten/</guid>
		<description><![CDATA[Ich mag amerikanische Autoren, seitdem ich lesen kann, aber ich habe ihrer Vorliebe für Baseball nie irgendetwas abgewinnen können und mir auch nie die Mühe gemacht, die Regeln zu verstehen. Mit Football und Tennis geht es mir ähnlich. In der Hochzeit der deutschen Tennisleidenschaften der Achtziger mit ganzen Nächten voller Grand-Slam-Turniere und Wimbledon-Wettbewerbe im Fernsehen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag amerikanische Autoren, seitdem ich lesen kann, aber ich habe ihrer Vorliebe für Baseball nie irgendetwas abgewinnen können und mir auch nie die Mühe gemacht, die Regeln zu verstehen. Mit Football und Tennis geht es mir ähnlich. In der Hochzeit der deutschen Tennisleidenschaften der Achtziger mit ganzen Nächten voller Grand-Slam-Turniere und Wimbledon-Wettbewerbe im Fernsehen, bin ich lieber zum Fußball gegangen. Tennis ist immer irgendwie mit Boris Becker verbunden und das spricht nicht gerade für diesen Sport.<br />
Ich schwächele etwas mit meinem Spaß, weil das Tennisturnier im Roman nicht aufhören will. Ich habe vor lauter Langeweile vorgeblättert, das geht noch 40 Seiten so weiter und dann kommt Orin mit Football. Auch nicht gerade meine Lieblingssportart. Ich sehne mich nach einem blutigen Boxkampf oder einer grundsoliden 100-m-Freistil-Staffel, aber leider wäre Hal sowohl als Boxer als auch als Schwimmer eher unglaubhaft. O.K., ich muss da jetzt durch.<br />
Heute habe ich in M. auf dem Bahnhof jede Menge dieser Roy-Tony-Typen gesehen und einige Wardines (als ich Kind war in M., wurden die nicht mit dem Bügel, sondern mit dem Feuerhaken verprügelt, was meistens in der Umkleidekabine vor dem Sportunterricht herauskam). Wo sind die eigentlich im Roman geblieben?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/07/doofe-sportarten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Viertes Seestück</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/03/viertes-seestuck/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/03/viertes-seestuck/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 23:49:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/09/03/viertes-seestuck/</guid>
		<description><![CDATA[2. September
Wenn Sie dank einer Anzeige des Kiepenheuer &#38; Witsch-Verlages auf dem Internetportal Perlentaucher je genötigt wurden, „Unendlicher Spaß“ zu lesen, werden Sie viele exotische neue Kenntnisse gewinnen, egal, wo Sie sich gerade befinden.
Sie werden entdecken:
Dass man über dem Buch auch wunderbar einschlafen kann auf dem Liegestuhl auf dem Steg auf dem See und dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2. September<br />
Wenn Sie dank einer Anzeige des Kiepenheuer &amp; Witsch-Verlages auf dem Internetportal Perlentaucher je genötigt wurden, „Unendlicher Spaß“ zu lesen, werden Sie viele exotische neue Kenntnisse gewinnen, egal, wo Sie sich gerade befinden.<br />
Sie werden entdecken:<br />
Dass man über dem Buch auch wunderbar einschlafen kann auf dem Liegestuhl auf dem Steg auf dem See und dann eventuell von Madame Psychosis träumt, die einen nötigt, zweimal den Satz: „Ich glaube“ zu sagen, obwohl man ja eigentlich nicht gläubig ist.<br />
Dass sich hinter den all den Informationen, Erwähnungen, Rückblenden und Assoziationen , den Neologismen, dem Coolsein, der ausgestellten Drogensucht hochmoralisches Zeug verbirgt.<br />
Dass man geordnet in den Tag hineinleben kann.<br />
Dass man mit dem Buch auf dem Kopf aufrecht gehen üben kann.<br />
Dass man dank der Lektüre diskutiert, ob man eines Tages vielleicht Apps bei iTunes kaufen kann, die einem sagen, ob der Pilz giftig ist, wenn man das iPhone dagegenhält. Schlimmer noch, dass man eines Tages keine einzige Regung mehr ohne die Apps von iPhone hinkriegt. Orientierung zum Beispiel oder Menschenkenntnis oder Sprachen oder überhaupt jede Form von Wissen. Und dass Filmpatronen mit was auch immer drauf gar nichts dagegen sind.<br />
Dass man sich minutenlang freuen kann, wenn man ein Wort wie Piesepampel liest, das man zum letzten Mal in der Kindheit von seiner Mutter gehört hat. (Weitere bemerkenswerte Begriffe: IQ einer Salatschüssel, die Karte umdekorieren, abschilfern, erkiesen, Akustische Persönlichkeit, blonde Wohlstandsflegel, aber letzteres wahrscheinlich nur, weil ich einen Begriff für die unsäglichen Menschen brauchte, die inzwischen mein Viertel bevölkern.)<br />
Dass man sich in dem Buch wie in einer Endlosschleife verirren, ergo „Unendlichen Spaß“ im Wallaceschen Sinne haben würde, wenn man der Versuchung nachgäbe und wieder von vorn anfinge, wenn einem irgendwas bekannt vorkäme, man also zum Beispiel überprüfen würde, ob das Ich am Anfang des Buches, das auf den Dealer wartet, nicht vielleicht Madame Psychosis ist. Und man käme nie nie nie wieder aus dem Buch heraus.<br />
Dass sich unter einem Schleier wider Erwarten ein überirdisch schönes Gesicht verbirgt.<br />
Dass ein Übersetzer verrät, wo er herkommt, nämlich nicht aus Berlin und Umgebung, weil er das Wort Krapfen benutzt, wo er doch Pfannkuchen sagen müsste, denn ein Berliner ist in Berlin weder ein Berliner, noch ein Krapfen, sondern immer ein Pfannkuchen, ob nun mit Senf oder Marmelade.<br />
Dass jeder vor diesem Buch stehenbleibt und entweder sagt: Was ist denn das für ein dickes Buch oder So ein dickes Buch habe ich noch nie gelesen oder Woher nimmst du denn die Zeit für ein so dickes Buch oder Kann man den Umschlag auch abwaschen? (JAAAAA, kann man.)<br />
Dass man dank der Lektüre Arzneimittel in Tropfenform wie Bärentraubenblätterfluidextrakt viel cooler herunterschluckt als unter Einwirkung von, sagen wir, Juri Trifonow. Würde mich nicht wundern, wenn der im Buch auftaucht, selbst Tarkowski ist ja erwähnt, überhaupt, das ganze Erwähnungsgeschäft allein bis Seite 345, man könnte glatt eine Konkordanz anfertigen, in zehnjähriger ehrenamtlicher Arbeit, gesponsert vom Jobcenter Berlin.<br />
(Fortsetzung folgt.)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/09/03/viertes-seestuck/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kleiner Ausflug nach M.</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/31/kleiner-ausflug-nach-m/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/31/kleiner-ausflug-nach-m/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 00:49:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/08/31/kleiner-ausflug-nach-m/</guid>
		<description><![CDATA[29./30. August 2009
Der Laptop fliegt wieder aus der Tasche, stattdessen darf der weiße Klotz mit, laut Küchenwaage 1501 Gramm, die nicht in eine Damenhandtasche passen. Das weiße Hardcover (wer diese Unfarbe ausgewählt hat, reist nicht mit Büchern) weist inzwischen einige Flecken auf, irgendwas in Rot, das nicht Blut ist, leicht grünliche Schlieren, anderes, das wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>29./30. August 2009<br />
Der Laptop fliegt wieder aus der Tasche, stattdessen darf der weiße Klotz mit, laut Küchenwaage 1501 Gramm, die nicht in eine Damenhandtasche passen. Das weiße Hardcover (wer diese Unfarbe ausgewählt hat, reist nicht mit Büchern) weist inzwischen einige Flecken auf, irgendwas in Rot, das nicht Blut ist, leicht grünliche Schlieren, anderes, das wie getrockneter Popel aussieht, es gibt auch einen Bleistiftstrich quer über die Spiegelschrift, ganz abgesehen von den unsichtbaren Hautpartikeln, Fingerabdrücken und Bazillen, die das Buch inzwischen bevölkern müssen. Ich hätte mir den Fleckentfernerstift, der an einen dicken Edding erinnerte, borgen sollen, mit dem die beiden Grazien, von Beruf Hotelfachangestellte, die mir auf dem Hinweg im Oberstock des RE 1 gegenübersaßen, gegenseitig die Flecken aus ihren weißen, knackeengen Oberteilen rieben, bevor sie in Potsdam ausstiegen, um zu einem Empfang einer Hotelvereinigung zu gehen. Sie hatten beide völlig starre Wimpern, die auf den exzessiven Gebrauch von Mascara schließen ließen und tauschten sich gegenseitig neuerworbene Teebeutel aus, die einen zum Einschlafen, die anderen zum Aufwachen, wobei der Einschlaftee grässlich nach Baldrian roch. Das war aber nichts gegen die Gerüche des Regionalzuges, der nach exzessivem Gebrauch, es war Samstagabend, nach altem Schweiß, Stinkerkäse, Alkohol und Pisse roch, denn das Klo war ausgelaufen. Während ich die Anmerkung 304 las, die vom mörderischen Gleisspiel handelt, gegen das das inzwischen aus der Mode gekommene S-Bahn-Surfen nur ein Freizeitspaß war, stritten sich die vier besoffenen Sachsen hinter mir, ob die Eisenbahnstrecke von Oberweißbach nach Unterweißbach noch in Betrieb war, nur stillgelegt oder gar schon entwidmet, aber sie konnten sich nicht einigen. Es waren etwas wunderliche Gesellen, die um 5 Uhr in der tiefsten Provinz und drei Stunden nach Ende eines Erntedankfestes aufgestanden waren, um mit Wochenendticket nach Berlin zu reisen, weil sie Berliner Kindl trinken wollten. Ausgerechnet Berliner Kindl! Als der eine laut rülpste, las ich gerade die Stelle mit dem am Faden baumelnden Auge, das dem mit von Drogen und Gewalt Geschädigten „so an der Seite vom Gesicht herumeierte“.<br />
Was die mobile Kommunikation angeht, war Wallace, im Gegensatz zur Einschätzung der Video-Telefonie, wenig vorausschauend. Der Handyterror in Regionalexpresszügen war vielleicht auch 1996 nicht vorhersehbar. Das Handy der blonden Grazie z.B. hatte einen Gummientchen-Ton, der mit jedem als Quietschen getarnten Klingeln lauter wurde. Sie starrte erst eine Weile auf das Display, das Handy machte schon Geräusche wie eine lebendig gebratene Ente, bis sie entschied, den Anrufer wegzudrücken. </p>
<p>Dank des mitgeschleppten Gepäcks weiß ich nun, dass die über fünfzehnjährigen Tenniswunder der E.T.A. ihren Urin für die Dopingkontrollen so Katrin-Krabbe-mäßig reinigen und es überhaupt dort zugeht, wie unter den 16-jährigen Olympiakadern meiner Jugend, die, bevor sie überhaupt bei der Olympiade starten konnten (die dann sowieso wegen Boykotts ausfiel), körperliche Wracks waren, die vom Konkurrenzkampf, chemischen Wundermitteln und vom vielen Training abgenutzten Gelenken zermürbt waren und sie anfingen, Drogen zu nehmen, was damals hieß, bis zur Besinnungslosigkeit zu trinken.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/31/kleiner-ausflug-nach-m/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Treueherzen</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/29/treueherzen/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/29/treueherzen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 15:11:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/08/29/treueherzen/</guid>
		<description><![CDATA[29. August 2009, 3.44 Uhr
„Was, du bist erst auf Seite 150 und liest schon eine ganze Woche?“, fragt W., als ich wieder in Berlin bin und wir nachts um halb vier auf meinem Balkon sitzen, wo ich bis eben den Herren Marathe und Steeply dabei folgte, wie sie mit abendländischem Wissen nur so herumprotzten. W. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>29. August 2009, 3.44 Uhr<br />
„Was, du bist erst auf Seite 150 und liest schon eine ganze Woche?“, fragt W., als ich wieder in Berlin bin und wir nachts um halb vier auf meinem Balkon sitzen, wo ich bis eben den Herren Marathe und Steeply dabei folgte, wie sie mit abendländischem Wissen nur so herumprotzten. W. sagt das natürlich, weil er schon darauf wartet, den Unendlichen Spaß selbst lesen zu können*, wir teilen uns die Lektüren. Diesmal war ich zuerst dran.<br />
Unendlicher Spaß führt dazu, auch die wirkliche Welt genauer zu betrachten. Die beiden Russen z.B., mit den Türsteherfiguren (nicht vier-, sondern fünfschrötig), kurz vor Mitternacht im Eingang der Kaisers-Kaufhalle, die sich laut in ihrer Muttersprache über ihre Arbeit unterhalten, weil sie wohl annehmen, hier wohne eh niemand mehr, der sie versteht. Leider spezifizieren sie nicht, worin diese Arbeit besteht, es könnte aber auch sein, dass sie in der nächsten Sekunde aus ihren Einkauftaschen, auch sie haben kurz vor Mitternacht bei Kaisers eingekauft, schallgedämpfte Pistolen holen und die beiden türkischen Securitytypen am Eingang übern den Haufen knallen. Aber alles bleibt friedlich und ich bewundere die Tätowierung auf dem kräftigen rechten Oberarm der Grufti-Frau vor mir, die gerade fünf Dosen Hundefutter bezahlt: Ein nackter weiblicher Säugling wird von einem Totenkopf gekrallt, beide sehr kunstvoll in die Haut der barocken Frau gestochen, deren hänflinghafter Freund doch wirklich die Kaisers-Treueherzen von der Verkäuferin nimmt.<br />
Jetzt aber, kurz vor vier, prescht eine silbergraue Limousine mit hoher Geschwindigkeit durch die schlafende Straße und bremst zwei Etagen unter uns, der Fahrer öffnet die Tür, lässt lässig die Beine aus dem Fenster heraushängen, irgendeiner schnarrt über Funk Unverständliches, der Beifahrer antwortet kryptisch. W. flüstert, das seien Terrorismusbekämpfer auf der Suche nach Brandstiftern, die mit Kohleanzünder und Feuerzeug bewaffnet, große Autos anzünden, die es hier reichlich gibt, aber ich, ganz in Unendlichem Spaß gefangen, halte sie für Drogenfahnder. Ehe wir herausbekommen haben, wer recht hat, kommt ein neuer Befehl und das silberne Auto verschwindet.</p>
<p>*Im Gegensatz zu mir hat W. das Buch zwar noch nicht gelesen, aber den Blog studiert und mir ist aufgefallen, dass ein Homonym ein Schnippchen geschlagen haben muss. Bei dem Bändchen ist nicht ein einzelnes Büchlein gemeint, in diesem Fall zwei, sondern es handelt sich um den schwarzen Gewebestreifen, der aus dem Buch hängt und zwar gleich zweimal, für den Text und für die Anmerkungen. Und dabei fällt mir auch ein, dass ich endlich mal sagen muss, wie anregend ich die Übersetzung finde. Soviele unterschiedliche, oft unbekannte und lange nicht oder noch nie gelesene Worte in einem Buch, das macht (unendlichen) Spaß. Thorakalsonne oder Lemon Pledge zum Beispiel. Bei letzterem hätte ich nicht mit Möbelpolitur gerechnet, sondern eher mit so etwas wie Lemon Curb. Süß und zitronig.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/29/treueherzen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stinkende Tennissocken</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/28/stinkende-tennissocken/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/28/stinkende-tennissocken/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 00:54:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/08/28/stinkende-tennissocken/</guid>
		<description><![CDATA[27. August 2009
In der Nacht schlich Don Gately ums Sommerhaus. Ich sah mich schon geknebelt auf dem unbequemen Kirchenstuhl, den G.s Mutter vor einem halben Jahrhundert beim Trödler gekauft hat, als sie dieses Haus einrichtete und auf denen man nicht länger als die Dauer eines protestantischen Gottesdienstes sitzen kann, während Don Gately unsere Computer klaut, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>27. August 2009<br />
In der Nacht schlich Don Gately ums Sommerhaus. Ich sah mich schon geknebelt auf dem unbequemen Kirchenstuhl, den G.s Mutter vor einem halben Jahrhundert beim Trödler gekauft hat, als sie dieses Haus einrichtete und auf denen man nicht länger als die Dauer eines protestantischen Gottesdienstes sitzen kann, während Don Gately unsere Computer klaut, und ich wegen dem Klebeband, das sein Kompagnon in der zweiten Küchenschublade gefunden hat, nicht schreien kann: „Lass uns wenigstens die Datei mit den Ufa-Filmrecherchen und den Berichten der Hauptluftschutzstelle, damit wir diese Scheiß-Arbeit nicht noch mal machen müssen“, wir haben natürlich versäumt, die Dateien auf irgendwelchen USB-Sticks abzuspeichern. Es stellte sich dann aber heraus, dass die Taschenlampe, mit der er die Lage erkundete, nur ein Blinklicht des Laptops war, das anzeigte, dass der Akku lädt.<br />
Ich hasse diese entsetzliche Stille in der Nacht hier.<br />
Die Frage ist ja an dieser Stelle des Buches (und ich vermeide alles, was mir erzählen könnte, wie es weitergeht, lese keine Rezensionen, keine Lektüreerlebnisse der anderen, kenne die amerikanischen Fanseiten nicht und ich kann mich auch nicht selbst belügen, weil ich hier nur ein analoges Modem mit 45 Bit Übertragungsrate habe), wie James O. Incandenza seinen Film „Unendlicher Spaß“ I-V überhaupt fertig stellen konnte. Eigentlich hätte seine Todesart doch sein müssen, beim Directors Cut von seinem eigenen Film überwältigt zu werden, anstatt Selbstmord zu begehen.<br />
In der schlaflosen Nacht bin ich gefangen in der Szene mit den Konsumenten von Unendlichem Spaß, die am mittleren Nachmittag des 2. April im J.d.I.-U. gefunden werden – in der Unendlichkeit einer Filmschleife. Die Geschichte ist ja nicht neu: Es ist die von dem Bauern, der den Jockel bittet, Hafer zu schneiden, der aber lieber zu Hause bleiben will und also der Herr den Knecht schickt, den Jockel zu holen und weil der nicht wiederkommt erst den Hund, dann den Knüppel, das Feuer, das Wasser, den Ochsen, den Fleischer, den Geier, die Hexe und den Henker. Und am Ende geht der Bauer selbst und findet allesamt vor dem Teleputer und wenn der Bauer schlau ist, kappt er den Strom, bevor er selbst einen Blick geworfen hat, sonst ließe sich die Geschichte ja auch gar nicht erzählen, weil keiner mehr da wäre, der Zeugnis ablegen könnte.<br />
Heute habe ich nicht mehr geschafft als das Morgentraining der Enfield Tennis Academy. Es riecht nach alten Tennissocken.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/28/stinkende-tennissocken/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Lesekater</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/27/lesekater/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/27/lesekater/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 22:48:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/08/27/lesekater/</guid>
		<description><![CDATA[26. August 2009
Müssen Leser den Drogen grundsätzlich zusprechen, um &#8220;Unendlichen Spaß&#8221; zu haben mit dem Roman? Muss ich vor dem Lesen erst die vor Jahren angebrochene und nicht zur geordneten Entsorgung in die Apotheke zurückgebrachte Ritalin-Packung leeren, die Faustan, die ich für Panikattacken vorrätig habe und deren Ablaufdatum längst überschritten sein muss, einpfeifen, die Codeinfilmtabletten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>26. August 2009<br />
Müssen Leser den Drogen grundsätzlich zusprechen, um &#8220;Unendlichen Spaß&#8221; zu haben mit dem Roman? Muss ich vor dem Lesen erst die vor Jahren angebrochene und nicht zur geordneten Entsorgung in die Apotheke zurückgebrachte Ritalin-Packung leeren, die Faustan, die ich für Panikattacken vorrätig habe und deren Ablaufdatum längst überschritten sein muss, einpfeifen, die Codeinfilmtabletten, verschrieben gegen Hustenanfälle vor Lesungen und inzwischen aus dem Verkehr gezogen, alle auf einmal nehmen, Mitbewohner bitten, mir Hasch, Ecstasy oder Koks aus diversen Klubs mitzubringen? Oder soll ich Hanf wieder selbst anbauen und so lange mit der Lektüre warten, bis die Pflanzen erntereif sind? Mich mit Wodka, Gin oder Kleinem Feigling zulöten, bis mein Gesicht so gelb ist wie das von dem Mitpatienten von Tiny Ewell? Oder wenigstens drei Tafeln Schokolade hintereinander essen, um richtig angefixt zu sein von der Lektüre? Angefixtsein hieße bei mir: alles stehen- und liegenlassen und lesenlesenlesen, stattdessen studiere ich diszipliniert Kapitel für Kapitel, unterbreche die Lektüre für die Arbeit an Manuskripten, koche, schwimme, höre G. zu, rede über ganz Abseitiges wie den „Vogelhändler“, fahre mit dem Fahrrad in den Ort und lasse den Unendlichen Spaß im Sommerhaus. Den größten Spaß hat mir bisher die Beschreibung des Überfalls von Don Gately und Kumpel auf Guillaume DuPlessis gemacht (S.80-87), ähnlich dem literarischen Vergnügen, das ich hatte, als ich durch Zufall an &#8220;In aller Vertrautheit&#8221; geriet und dort als erstes die Erzählung &#8220;Die Seele ist kein Hammerwerk&#8221; las, die der Hammer war, von der ersten bis zur letzten Zeile, während die anderen vier Geschichten mich langweilten (R., der das Exemplar gehört,  sagt am Telefon: Ich ertrage so viele innerlich hässliche Menschen nicht) und ich lieber weiter Juri Trifonows &#8220;Moskauer Novellen&#8221; las und dann gleich noch &#8220;Zeit und Ort&#8221;, und ich hätte sicher auch noch &#8220;Das Haus an der Uferstraße&#8221; gelesen, wenn mir nicht &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; dazwischengekommen wäre, was mir gerade nicht soviel Spaß macht. Die Aufzählung der diversen Drogen und ihrer chemischen Zusammensetzung langweilt mich, das habe ich heute morgen schon in der Zeitung gelesen: die tödliche Dosis des King of Pop ähnelte den Anmerkungen 5 und 6.<br />
Interessant ist, dass die Lektüre meine Aufmerksamkeit für anderes schärft, denn plötzlich fällt mir auf, dass die junge Frau, der ich seit Wochen hinterherrecherchiere, eine Art apokalyptische Reiterin ist, allerdings ohne Pferd, sie fuhr mit der U-Bahn oder mit der Straßenbahn Nr. 60. Denn jeder Ort, den sie zwischen November 1943 und April 1945 betrat, meist Kinos, Theater, Luftschutzkeller oder Kaufhäuser, wurde wenige Tage nach ihrem Besuch durch Spreng-, Minen- oder Brandbomben vollständig zerstört. Ihr selbst ist es nicht aufgefallen und nach Mai 1945 ist sie diese Gabe auch losgeworden.<br />
Als ich beim Entzug des Tiny Ewell bin, läuft ein Baby-Tausenfüßler über das Buch, an der Wand klebt eine fette Kreuzspinne neben diversen Schnaken und Weberknechten und ich krieg irgendwie das schlechte Gefühl, selbst auf Entzug zu sein, also schließe ich das Buch bei S. 127 und schau mich nach anderem um.<br />
Draußen riecht es nach Herbst.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/27/lesekater/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kopfklinikum</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/26/kopfklinikum/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/26/kopfklinikum/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 00:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/2009/08/26/kopfklinikum/</guid>
		<description><![CDATA[25. August, zweiter Tag am See
1943 ist auf dem See die Titanic gegen einen vom örtlichen Tischlermeister gezimmerten Eisberg gestoßen und gesunken. Goebbels hat den Film dann aber noch vor der Uraufführung verschwinden lassen, kollidierendes Schiff und Eisberg erinnerten zu sehr an die Niederlage von Stalingrad. Ich habe nicht herausbekommen, ob die Titanic immer noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>25. August, zweiter Tag am See<br />
1943 ist auf dem See die Titanic gegen einen vom örtlichen Tischlermeister gezimmerten Eisberg gestoßen und gesunken. Goebbels hat den Film dann aber noch vor der Uraufführung verschwinden lassen, kollidierendes Schiff und Eisberg erinnerten zu sehr an die Niederlage von Stalingrad. Ich habe nicht herausbekommen, ob die Titanic immer noch auf dem Grund des Sees liegt. Ich weiß noch nicht einmal, wie tief er ist.<br />
Ich liege auf dem Rücken im Wasser und am Himmel fliegt mir der Rettungshubschrauber des Klinikums entgegen. Er hat wahrscheinlich einen Halbtoten von der Autobahn gekratzt, der an seiner Trage fixiert ist wie Hal, aber da oben wegen der Flugsicherheit und nicht, weil er grunzende Geräusche von sich gegeben hat. Heute morgen lief im Deutschlandfunk eine Livesendung aus dem Heidelberger Kopfklinikum, gerade als ich das mit dem widerlichen Schimmelklumpen las, den der kleine Hal anknabberte. Seitdem weiß ich, dass das Gehirn schmerzunempfindlich ist. Der Arzt kann mit dem Skalpell daran herumschneiden, ohne dass der Patient etwas spürt. Seltsam war auch, dass kurz vorher und als hätte er gerade das erste Haschkapitel gelesen, der Vertreter des Vereins katholischer Männer mit trauriger Stimme erzählte, dass die Drogenberatung nicht alle Süchtigen erreiche.<br />
Der Hubschrauber hat die Aufschrift ARZT an der Unterseite, die wie die Oberfläche eines Bauches aussieht. Man kann das Wort nur lesen, wenn man im See auf dem Rücken liegt und über die Hauptfigur nachdenkt, die heute morgen nach meinem Frühstück auf die Drogenkurierin wartete. Hal ist so schlau wie der gleichnamige Computer in „2001: Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick, allerdings ein größeres emotionales Wrack, ähnlich Hamlet, nur dass ihm Buchstaben abhandengekommen sind. Vielleicht hat er m, e und t für einen verhassten Rausch verkauft.<br />
Ich bin eine halbe Stunde über den See bis zum verlassenen Haus geschwommen. Es ist das einzige weit und breit, das nicht von zuviel Geld und zuwenig Geschmack verschandelt ist. Seit einigen Jahren steht es leer. Eine schnurgerade Apfelbaumallee, deren Früchte in diesem Jahr wieder niemand ernten wird, führt zum Haus. Auf dem Steg haben sich Enten angesiedelt. Ich habe mir gedacht, Hal und all die anderen aus dem „Unendlichen Spaß“ in diesem Geisterhaus zu verorten, wie jedes mir wichtige Buch in meinem Kopf einen Ort hat, den ich oft auch nicht erklären kann, denn was haben z.B. Hereros aus Pynchons „V“ im Park des Schlosses Reinhardsbrunn zu suchen? Die Figuren von Pynchons „Enden der Parabel“ sind in einem Schacht in Nordhausen-Dora geblieben, wo wir, A. und ich, 1993 hinfuhren, da schrieb Wallace schon an „Infinite Jest“. Ausgerechnet in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, wo die V2 hergestellt worden war, fand eine Pynchon–Konferenz statt. Wir waren eher durch Zufall da reingeraten. Am letzten Tag krabbelten wir mit Bergarbeiterausrüstung durch halbeingestürzte Schächte, immer vorneweg der Professor, dem während des Vortrags die Schuppen aus den Haaren gefallen waren, ein echter Nerd, auch wenn das Wort, glaube ich, damals noch gar nicht existierte. A. hatte gemeint, weil der Professor zuviel vor dem Computer säße, wäre die Kopfhaut so trocken. Ich hatte damals gerade meinen ersten Laptop &#8211; ohne Festplatte, das Betriebssystem war auf einer Diskette &#8211; abgeschafft, weil zuviel Text verlorenging. Ich habe die „Enden der Parabel“ erst danach gelesen, ich hatte ihn mit „V“ verwechselt, weil ich dachte, ein Roman, der mit der V2 spielt, muss V heißen.<br />
Wie würde eine deutsche David-Foster-Wallace-Konferenz aussehen, wer würde kommen und vor allem, wo würde sie stattfinden?<br />
Auf dem See ist ein Drachenboot mit Galeerensklaven zugange. Ich habe den Krach, den sie machen, für eine von Muskelkraft getriebene Ramme auf dem Grundstück von Genosse Mauser gehalten (wenn es hier eine Fußnotenfunktion á là Wallace gäbe, würde ich diesen Namen erklären, gibt’s aber nicht), aber dann kommen sie um die Landzunge mit ihrem roten Boot und dem Feldwebel mit Trommel als Kühlerpuppe. Ihnen folgt ein Gewitter. Als es vorbeizieht, ist der erste Protagonist dem Unendlichen Spaß vor dem Teleputer mit eingelegter Filmpatrone erlegen. Ich bewege mich immer noch im Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche. Was für ein herrlicher Einfall und dank der kaufkräftigen alten Leute des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts und dem Bedürfnis des Staates, alles zu verkaufen, was sich zu Geld machen lässt, nicht so weit hergeholt. Morgen ist der Ackermann-Tag. Er hat als Dank dafür, dass er so eine schöne Geburtstagsfeier von der Kanzlerin geschenkt bekommen hat und um die Opposition ruhigzustellen, der Regierung einen ganzen Tag abgekauft.<br />
G. beendet sein Telefonat und referiert drei Minuten über die Mandysierung der Welt. Mandy könnte unter anderen Umständen auch Wardine heißen, was ihr wahrscheinlich im Deutschen den Spitznamen Gardine einbringen würde.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/26/kopfklinikum/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Klotz</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/25/klotz/</link>
		<comments>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/25/klotz/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 07:37:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annett Gröschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.unendlicherspass.de/?p=137</guid>
		<description><![CDATA[22. August 09
Komisch, dass es immer diese holzklotzartigen Bücher sind, die ich aus der Büchner-Buchhandlung mitnehme, die eigentlich gar nicht meine Hausbuchhandlung ist. Letztes Jahr war es Havemann, im Augenblick des Verbots, dieses Jahr ein ähnlich schweres, wenn auch weitaus besser ausgestattetes und sündhaft teures Buch, von weitem einem weißen Holzkasten ähnlich. Ich erwarte, an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>22. August 09<br />
Komisch, dass es immer diese holzklotzartigen Bücher sind, die ich aus der Büchner-Buchhandlung mitnehme, die eigentlich gar nicht meine Hausbuchhandlung ist. Letztes Jahr war es Havemann, im Augenblick des Verbots, dieses Jahr ein ähnlich schweres, wenn auch weitaus besser ausgestattetes und sündhaft teures Buch, von weitem einem weißen Holzkasten ähnlich. Ich erwarte, an der Kasse einen Schlüssel dafür zu bekommen. Stattdessen steckt der Verkäufer ein Beiheft mit in die Tüte, Ich liebe Beihefte, das erste, an das ich mich erinnere, lag in der Ulysses-Ausgabe von James Joyce, ein Begriffserklärungsbändchen, leider habe ich es bei einem der vielen Umzüge verloren.<br />
Auch bin ich fasziniert von den zwei schwarzen Lesebändchen.</p>
<p>24. August 09<br />
Vorerst packe ich das Buch ins Gepäck und fahre mit G. raus in sein Sommerhaus. Als wir am versifften Bahnhof Gesundbrunnen vorbeikommen, sagt G.: „David Foster Wallace ist auch ein Amherst-Absolvent.“ Er sagt das, als spräche er von einem Kollegen. G. hat nicht ganz unrecht, er hatte vor drei Jahren ein Stipendium dort. Geblieben ist eine e-mail-Adresse. Wir leben drei Häuser voneinander entfernt, aber G.s Post kommt immer aus Amherst (und wird dort wahrscheinlich nach terroristischen oder päderastischen Gedanken abgescannt). Und übrigens, sagt G., da sind wir schon an der Osloer Straße, hat auch Dan Brown in Amherst studiert.</p>
<p>Zwei Stunden und fünf Staus später<br />
Auf den alten Sommermöbeln, Blick auf den See. Sie knarzen, es wird ihr letzter Sommer sein. Erhöhter Schwierigkeitsgrad für mich ist, dass sich das Buch nur im Ruhepool lesen lässt, es ist zu schwer, um mit ihm mobil zu sein, es sei denn, ich benutze einen Rollkoffer. Aus diesem Grund ist der letzte Pynchon noch nicht ausgelesen. Wie schwer wird eigentlich so ein Lesegerät sein, wie immer es auch heißen mag?<br />
Von hinten werfen die hohen Kiefern bizarre Schatten auf die Seiten des ersten Kapitels. Ich hatte im Beiheft etwas über Möbiussche Sätze gelesen und auf der Fahrt hierher, es war in der Bernauer, versucht, sie G. mit meinen Worten zu erklären. Auf den ersten Seiten gibt es diese Sätze nicht. Es fängt an wie ein Entwicklungsroman, ein hochbegabtes Jüngelchen droht an der Mittelmäßigkeit des Unipersonals zu scheitern. Ich denke über die Wortverbindung digestiver Geruch nach. Das Lesebändchen bleibt zwischen S. 14 und 15 hängen, weil K., der Gast des Tages, gerade Schwimmen war, vom See heraufkommt und G. und ich mit K. darüber diskutieren, ob es nicht an der Zeit wäre, mal eine Genealogie des DDR-Adels aufzuzeichnen, ähnlich wie die des Herzogs Ernst I. von Coburg-Gotha, dem Schwiegervater Europas, der mit seiner feudalen Heiratspolitik seine Hausmacht aufrechterhielt. An der Genealogie könnte man so einiges erklären, aber K. kann der Idee nichts abgewinnen, vielleicht weil er sich irgendwo auf der Ahnentafel wiederfinden würde.</p>
<blockquote><p><strong>Annett Gröschner</strong> wurde 1964 in Magdeburg geboren. Sie veröffentlichte Gedichte, Romane, Reportagen, Dokumentarliteratur sowie Rundfunkfeatures und lebt als freie Autorin in Berlin. Sie wurde unter anderem ausgezeichnet mit dem Anna-Seghers-Stipendium der Akademie der Künste Berlin und dem Erwin-Strittmatter-Preis des Landes Brandenburg. 2000 erschien der Roman &#8220;Moskauer Eis&#8221;, zuletzt &#8211; zusammen mit Arwed Messmer der Band &#8220;Verlorene Wege&#8221; (Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2009).</p></blockquote>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.unendlicherspass.de/2009/08/25/klotz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

