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	<title>Unendlicher Spass &#187; Elmar Krekeler</title>
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		<title>Finale! 28. November ff.</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Dec 2009 09:37:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[28. November
2.50. Auf einer Welle von Adrenalin am Wasser. Gerade noch die Westerwelles gesehen und die Röttgens. Sogar den Arbeitgeberpräsidenten gibt’s tatsächlich. Ist doch ziemlich klein. Hab ich da eben tatsächlich eine umfangreiche Dame im großen Roten derart ihre Glieder schlenkern sehen, dass keiner vorbei kommt. Und BAP, die furchtbar vor den Menschen in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>28. November<br />
2.50. Auf einer Welle von Adrenalin am Wasser. Gerade noch die Westerwelles gesehen und die Röttgens. Sogar den Arbeitgeberpräsidenten gibt’s tatsächlich. Ist doch ziemlich klein. Hab ich da eben tatsächlich eine umfangreiche Dame im großen Roten derart ihre Glieder schlenkern sehen, dass keiner vorbei kommt. Und BAP, die furchtbar vor den Menschen in den Smokings. BiFüs, die ihre Arme so hoch werfen, wie es ihre zu engen Smokings zulassen, als sie „Verdamp lang her“ spielen. Interessant, was die Realität hergibt.<br />
Gately träumt sich weiter durch sein Leben und einen Plot, der einen B-Coen-Streifen abgäbe, aber wer will das schon drehen. Es wird immer enger. Und Gately lässt sich immer tiefer in das Dilaudid seines Kumpels Fax Fackelmann fallen. Getreu dem gerade selbst entdeckten Motto: „Grundsätzlich bewältigte jeder Drogensüchtige seine Probleme, indem er sie mithilfe der guten alten Droge ausblendete.“ Der Drogensüchtige, geht die Entdeckung weiter, ist „im Grunde ein feiges und jämmerliches Wesen, ein Wesen, das sich prinzipiell versteckt“. Und schön ist es in seinem Versteck nun wirklich nicht. Wir dürfen dank DFW hineinschleichen. Fax und Gunny knallen sich so zu, dass kein Boden trocken bleibt dank ihrer doppelseitigen Inkontinenz. Und Gunny erinnert sich dessen in einer Klarheit, dass einem schlecht wird. Drogen sind eine ganz beschissene Idee. „Sein Fieber ist weit schlimmer, und die kleinen Traumfetzen haben etwas Kubistisches.“ Gunnys Geist löst sich auf. DFW hat verdamp lang Anlauf genommen, um hierher hoch zu klettern. Tolles Finale.<br />
Joelle taucht wieder auf und läuft Steeply in die Arme. Der/die will sie warnen, sie sei in irrsinniger Gefahr. Kennt sie schon, ist sie längst.<br />
Die beiden Drugster drücken weiter. Eine finale Spritztour. Nicht zu retten. Sie sabbern Schokolade, weil sie bloß noch Erdnuss-M&amp;Ms einwerfen. Sie nässen vorne, sie nässen hinten. Sie eiern herum wie Kleinkinder, deren Eltern vor drei Wochen das Weite gesucht haben. „Der Boden wich aus und schnellte zu ihm hoch.“ Das ist eigentlich zu viel für viertel vor drei. DFW hat ein Einsehen und schickt zur Entspannung ein Interview dazwischen. Ein Incandenza-Filius wird befragt. Die Masterbänder (sagt man bei Patronen noch so?) sind im Grab des großen Storchs. Und dann rettet sich der Incandenza – Orin, es muss Orin sein – in Ironie. Sei ein Witz gewesen mit dem Spaß, mit der vollkommenen Unterhaltung, ein schlitzohriger Seitenhieb. Wollen wir ja gern glauben, dazu sind aber ein bisschen zu viele Leute an dem Witz gestorben.<br />
So schlechte Witze kriegt noch nicht mal Mario Barth hin. Und der kriegt ganz schreckliche Witze hin. Der ist sogar potenziell tödlich. Der unendliche Spaß.<br />
In der E.T. A. ist noch immer kein Rolli angekommen. Dafür wurde Ortho „der Schatten“ Stice, nachdem man ihn am Frostfenster Vorderkopfskalpiert hat, in eine Mumie verwandelt. Und sein Bett hängt unter der Decke. Wie das kommt? Keine Ahnung.<br />
Werden wir das jäh erfahren? Viel Zeit bleibt nicht mehr. Gute Nacht. </p>
<p>29. November</p>
<p>22.15. Köln-Konzert von Keith Jarrett (ich muss es mir noch mal so richtig geben). Reste vom GanzgutBarolo von gestern. Komm über die dicke Dame nicht weg. Und die HansOlafHenkelTwins. Und die Merkwürdigkeit, dass eine seltsame DIE-Zeitungshalbschönheit ausgerechnet mit diesem Schlimm-Halbseid von der Linken herumläuft, wie heißt er noch gleich? Nicht Barth, das ist der schlimme Witze macht. Habs gleich. Bartsch. Genau.<br />
Ewige Welträtsel. Muss ein ziemlich besoffener Amor gewesen sein. Apropos Welträtsel. Ob wir hier noch wenigstens ein paar dieser Myriarden von losen Fäden verknotet kriegen, bezweifel ich immer stärker. Jetzt geht’s wieder in die Filmtheorie. Ein schlechter Schauspieler tritt auf, der deswegen schlecht sein muss, damit man beim Zuschauen der Filme Seiner Selbst nicht vom theoretischen Skelett abgelenkt wird. Hat keine Zuschauer. So ist das eben. Deswegen wendet SS sich vom Antikonfuentialismus ab, das müsste man auch mal nachschlagen, wenn man Zeit hat. Der schlechte Schauspieler feierte übrigens seinen größten Erfolg als Tanzdrüse in Spots für eine Kette von Endokrinologiekliniken. Er hat ein knollenförmiges weißes Kostümchen an. Und tritt als Vorher- oder Nachherdrüse auf. Schade eigentlich, dass so etwas bei uns nicht möglich ist. Wär im Kino ein Brüller.  Wir erfahren den ziemlich splatterigen Plott von „Komplizen!“, in dem ein Kondom des Grauens, ein Rasiermesser eine Rolle spielen und ein schwuler Akt in einem See aus Blut ertrinkt, aus dem dann schließlich einer minutenlang Mörder schreit. Die Leute denken in Sprechblasen, was metafiktiv sein soll und wahnsinnig unterhaltsam. Hamwajelacht. War SS ein Genie oder bloß ein gottverdammtbeschissener Cutter? Wir wissen es nicht. Jedenfalls erntet das Werk des großen Storchen beinahe so viele Doktorarbeiten wie das seines Erfinders. Und der macht sich über die wissenschaftliche Anstrengerei ordentlich lustig. Eine Dame erhält eine Festanstellung an einer Uni für einen Essay, in dem sie die Sinn-vs.-Unsinn-Debatte entlarvt. Sie zeige „die zentralen Mysteria der millenialen Apresgardisten, die sich in der Teleputer-Ära ausschließlich privater Unterhaltungen meist um die Frage drehten, warum so viele ästhetisch ehrgeizige Filme so langweilig waren und warum so viele beschissen reduktive kommerzielle Unterhaltungen so viel Spaß machten“. Tja.<br />
An der E. T. A. schneits weiter. Mir fällt die Winterreise ein. Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. Das geht mir wahrscheinlich mit dem Spaß auch so. Momente wieder: Ein Mann im Schnee, auf der Straße, am Auto , „hatte das unheimlich geschäftige Gesicht eines Menschen, der Glasssplitter von der Straße sammelt, nachdem seine Frau bei einem Verkehrsunfall geköpft und von der Lenksäule aufgespießt worden ist“. Er muss immer eines drauf geben. Geköpft und aufgespiest. Unmaß ist der Welten Lohn. Oder: Wintersportarten laufen darauf hinaus, niederzuknien und Verletzungen zu erflehen. Sport ist Mord. Wir erleben den 98er Blizzard mit, der auch ganz schön unmäßig war. Hals Fantasie metastasiert, während er bräsig auf dem Teppich liegt, durch die Wohnsitze der Familie, zu einem Teppich mit byzantinischem Knüpfwerk und versteckter Pornografie. Und zum Großen Storch, der auf meine alten Tage noch so etwas wie sympatisch wird. Hal wird vergesslich. An eine Kirche steht die heutige Losung für Medienberufe: „Leben ist wie Tennis, wer das Knie beugt, kommt weiter“.  DFW wirft uns wieder einen Brocken Bildung hin, dass wir uns doof fühlen. Unter der Decke verlaufen guillochierte Zierleisten. Wenn der jetzt glaubt, ich schlag das nach, hat er sich geschnitten. Oder was Vollsprektrumlichtvouten sind. Oder wie eine unheimlich kyphotische Krümmung aussieht. Hal hält wg. der Schimmelesserei seiner Jugend den Ball flach. Ist das hier zielgerichtet oder wallewallet das nur so durchs Halsche Gedächtnis? Das Wallewalle endet bei einer zumindest angedachten Selbstverstümmelung und bei einer rührenden (rührend gemeinten) Szene mit Orin und dem großen Storch. Der ist eine Art Godfather of allesmögliche und rät Orin vom Genuss einer Pornokassette ab, was Hal den Schweiß des Neids auf die Stirne bringt. So hat SS nie mit ihm geredet. John Wayne schlendert herein und es wird enthüllt, dass er was mit den Moms hat.<br />
Es wird ordentlich Sex nachgeholt. Noch 35 Seiten und kein einziger Rolli unterwegs. Was ist hier eigentlich los?</p>
<p>29. November</p>
<p>14.30. Die wahrscheinlich undysfunktionalste Familie im ganzen Haus (die heilige Familie der Bibel mal ausgenommen) schläft. SchwarzTeemitMilch. Zitronenkeks. Piwarm ist es. Und ich hab eine Sexszene unterschlagen. Die Sexszene (abgesehen von der Schwulsexperversaktion von eben). Die ein und einzige. John Wayne und die Moms. Sie lehnt sich an vier Kissen, halb sitzt sie also, halb liegt sie auf dem Rücken, und starrt reglos und blass nach oben. Wayne, schlank, mit braunen Gliedern und weichen Muskeln, liegt ebenfalls völlig reglos auf ihr, den ungebräunten Hintern in der Luft, das leere, schmale Gesicht zwischen ihren Brüsten, blinzelt nicht und hat wie eine betäubte Echse die Zunge rausgestreckt. So verharren sie.“ Das hat schon Größe als Bild.<br />
Joelle kommt nach Hause. Mikey erzählt noch einmal die Geschichte vor den AAs, wie er seinen Sohn abholen will und seine WUT nicht in den Griff bekommt (zum zweiten oder dritten Mal?) Der größte Gately-Feind von allen, der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt für den 4. Bezirk von Suffolk, will sich als therapeutischen Akt bei Gately entschuldigen. Er muss Wiedergutmachung üben. Er hat es immer fast geschafft, da bricht ihm der Hass aus allen Zungenknospen. Seine Frau putzt sich nach der Großreinlege mit den Zahnbürsten aus den Anussen (Ani?), die wir ganz am Anfang hatte, solange die Zähne bis sie blutrot sind. Er beschwichtigt, dann bricht sich der Hass, der HASS wieder Bahn. Er spricht sich mit dem Betroffenheitsgebet die Mundwinkel blutig. Es nutzt nix. Er will. Er kann nicht.<br />
Noch 25 Seiten und nix ist geschürzt. Wette mit mir um eine Flasche Bordeaux, dass sich daran auch nichts mehr ändert. Bleibt eigentlich nur die Frage, hatten wir das eigentliche Finale schon, weil der Zettelkasten, der dieser so genannte Roman ist, auf dem Weg zum Verlag durcheinandergeraten ist, oder gibt es schlicht keins, weil das konventionelle Scheiße wäre.<br />
Das Fundraising-Show-Fest der E. T. A. wird eröffnet. Die Damen sehen aus wie auf dem Presseball nur älter, sehr viel älter. Derweil machen sich die E. T. A.-Tisten warm. Das dauert. Wir kennen ja schon ziemlich viele. Das dauert, als hätte der unendliche Spaß noch unendlich Zeit. Hal macht den Kollegen Sorgen ob seiner schwarzwolkigen, am Boden liegenden Verfassung.<br />
Einmal werden wir noch wach. Heißa dann ist US-Ende-Tag. </p>
<p>30. November</p>
<p>13.30. Dementor-Day im Großraum. GehtgarnichtKaffee. Man soll halt übermüdet keine Maschine bedienen, sonst ist man bedient. Schmeckt grauslig. Muss einen Zimtstern einwerfen, auch wenn ich demächst wie Garfield ausseh. Reine Geschmacksknospenhygiene.<br />
Gott, sieht der Spaß mitgenommen aus. Fleckig. Der Rücken gerissen. Eselsohren. Zerfleddert. So wie der Spaß außen, sehen die etliche Autoren und ganz bestimmt Don „The Gunner“ Gately aus.<br />
Soll ich mal eine Liste machen mit Figuren, die nicht ordentlich versorgt sind, mit Geschichten, die mitten in irgendwelchen Gängen stecken und nicht weiterkommen? Soviel Zeit hab ich heut nicht. Muss das hier schnell zu Ende bringen. Dementoralarm.<br />
Statt endlich wieder mal einen Rollifahrer radebrechen zu hören, erfahren wir die religiös grundierte Geschichte des E. T. A.tistischen Cheftrainers Barry Loach und dessen, na?, genau dysfunktionalen, spirituell und auch sonst ziemlich seitwärtsabhängenden Familie. Ein Bruder fällt vom Glauben ab, der jüngere muss darob beinahe seine Tenniskarriere aufgeben, weil es einen Priester in der reichlich sockenschüssigen Familie halt geben muss. DFW verschwendet wieder Formulierungen wie andere Leute im Großraum ultraanstrengende Schnupfentröpfchen. To make a long and winding story short, Loach wird „durch eine verwickelte, aber herzerfreuende und glaubensreanimierende Verkettung von Zufällen“ Trainer bei der E. T. A.<br />
Orin, jetzt wird wenigstens der Folterfaden der Rollifahrer wieder aufgenommen, wird auf eine magische Art unter einem gigantischen Zahnputzbecher gefoltert. Und Gately liegt mit einer Stirn so heiß alpträumend in der Traumaabteilung. So heiß, dass man ein Ei drauf aufschlagen könnte. Er kann sich unmöglich eine Welt ohne sich vorstellen. Kann ich mir schon. Muss aber nicht sein. Und schon ist er wieder im ollen Luxusappartement, das er und Freund Fackelmann beschissen und bepisst habe im Drogendrückerrausch. Eine ganze Bande schräger Schläger und Drogisten. Gatelys ständig besoffene Beischläferin Pamela Hoffman-Jeep wird zerschrotet hereingetragen, merkt die erst in zwei Tagen, wenn sie wieder halbwegs nüchtern ist. Es wird gesoffen, es wird gespritztgedrückt. Bobby C, der Anführer des Ruinkommandos, lässt, was ja schlimm genug wäre, Paul McCartney und die Wings laufen. Allerdings mit ohne die anderen Instrumente. Man hört nur das Tambourin und Mdme. Linda McCartneys glockenfalsche Stimme. Das ist die wahre Folter. Den schaurig trockenen und nüchternen Abstieg in die Drogenhölle begleitet von dieser Schrägschraubsopranistin. Ich würde auch alles gestehen. Nur brauch Gately nichts zu gestehen. Sieht eher nach einem Menschenversuch aus, wer kann mehr vertragen. Faxe Fackelmann ist auf jeden Fall der arme Arsch dieser Episode. Ihm werden die Augenlider unterhalb der Brauen mit der Haut vernäht. Brüllendes Geschrei. Die Schläger drücken Gately zu Lindas Gekreisch ganz was Feines in die Adern. Gately schmiert ab. Gately wacht auf. Am Strand. Friede seiner Seele. Friede dem Spaß. Aus. Vorbei. </p>
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		<title>26. November f.</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Nov 2009 21:59:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[26. November
5.30. Gehtsokaffee. Zehnkiloaugenlider. Im Großraum Richtung Berlin. Wenns hier gleich ein bisschen kracht, bin ich auf den Lepptopp gefallen. Noch sechs Stunden bis Axel. München verschwimmt im Grau des Gedächtnisses, in das es gehört.
Gately versucht sein Leben zu retten, in dem er sich erinnert. Oder ist das Ganze hier eine verlängerte Schussfahrt in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>26. November</p>
<p>5.30. Gehtsokaffee. Zehnkiloaugenlider. Im Großraum Richtung Berlin. Wenns hier gleich ein bisschen kracht, bin ich auf den Lepptopp gefallen. Noch sechs Stunden bis Axel. München verschwimmt im Grau des Gedächtnisses, in das es gehört.<br />
Gately versucht sein Leben zu retten, in dem er sich erinnert. Oder ist das Ganze hier eine verlängerte Schussfahrt in den Tod. Man soll sich ja an alles erinnern, bevor man im Hades ersäuft. Gately hieß Gunny, damals in der Schule „Großer Unzerstörbarer Nullchecker“ (hießen die tatsächlich schon Checker in der Schule der frühen Siebziger? Kerl, hingen wir dann aber hinterher!). Einen riesigen Schädel hat er, das wussten wir ja schon, auch dass er seinen Schädel gegen alles mögliche gebumst hat, wussten wir. Dass er’s für Geld und gute Wetten tat, wussten wir noch nicht. Ein netter Kerl war er wohl nie. Dabei hatten wir ihn allmählich doch so ins Herz geschlossen. Kurzabriss seiner Drogistenkarriere: 1. Joint mit 9, 1. Rausch mit 9 und dann gings weiter. Dass ADS diagnostiziert wurde bei ihm, überrascht nicht sehr. Mit 13 die ersten Quaaludes, von dem ich mir gar nicht vorstellen mag, was es ist. Einen ganzen Lebensabschnitt nennt er, wenn ich das richtig mitbekomme, Ära des Angriffs der Killer-Gehwege, wahrscheinlich wg. drogenbedingter Fallsucht nach mnemonischem Brownout. Gately ist hammerbegabt für Football, das tut er tagsüber, nach 18 Uhr tut er drogen. Irgendwann wird er sich sagen, irgendwo in der Welt sei immer 18 Uhr und dann ist Feierabend. Die Drogenbeichte geht weiter und schleppt sich relativ berechenbar durch die Jugend. Als Gunnys Mutter, die in einem Jahr auch mehr Alkohol zu sich genommen hat, als meine Leber bis zu ihrer Berentung braucht, mit zirrhotischer Hämorrhagie in die Klinik kommt, ists vorbei mit der Footballkarriere.<br />
Schnitt.  Hal in der E. T. A. Bin ich müde, verschwimmen meine Augen. Das ist doch fast derselbe Ton, in dem Gunny durch seine Jugend stolpert. Postpubertäre Mutwilligkeit. Immer wieder halten Schüler ihre Köpfe herein. Pemulis zum Beispiel, der zu der einzigen Sache im Zimmer wird, die sich als grundlegend vertikal begriff. Ich langweilte mich. Ich wusste nicht, wann er mich je gelangweilt hätte. „Und ich habs grad nicht nötig, dass du Verführungsrhetorik gegen mich in Stellung bringst.“ Hal redet mit Pemulis, ich mit DFW. Es wird ein Streifen Fleisch am Fenster gefunden. Stirn des Schattens. Hal erinnert sich an die Beerdigung des Storchs und wie C. T. von einer Möwe beschissen wird, und referiert den Inhalt einer der beliebten Storchenpatronen.<br />
Schnitt. Gatelys Hadesfahrt geht weiter. Seine kriminelle Truppe rottet sich zusammen mit Gene Fackelmann für Whitey Sorkin. Die Twin Towers. Erst jetzt, steht da, sei er mit echter Sucht in Kontakt gekommen. Ja, was war das den bisher. Gottogott. Fackelmann könnte sich auch prima bei den Rollis für technische Vernehmungen bewerben (was machen die eigentlich im Moment, die wollten doch die Incandenzas überfallen, statt dessen sind wir hier in der Traumaabteilung).  Fax Fackelmann und Gunny Gately sind so was wie Schutzgeldengel und Raubvögel von Mr. Sorkin. Nicht wahnsinnig interessant. Gately erzählt von Dilaudid, von dem Fax abhängig ist, und das eine „schreckliche, fünf Sekunden andauernde mnemonische Halluzination erzeugte, in der er ein gargantueskes Kleinkind in einem Fisher-Price-Gitterbett im XXL-Format au feinem sandigen Feld unter einem Sturmwolkenhimmel war, der sich wie eine große graue Lunge wölbte und schrumpfte“. Wieder mal alles drin in einem Satz und alles zuviel. Das ist das große Buch der Verschwendung.<br />
Krach. Es reicht für heute Vormittag. Muss noch Juli Blesken lesen. Darf Julia Blesken lesen. Ein Zehntel vom Spaß. Dorfgeschichte. Ausgesprochen großartig.</p>
<p>27. November</p>
<p>13.30. Großraum über der Dutschkestraße. Feuerwerksmusik. Irgendwas Leuchtendes muss dieser Tag haben. Das heißt, so trüb ists auch wieder nicht: Gerade erklärt dieser Minister Wiehießernochgleich, dass seine Leute Mist gebaut haben, seine Leute, tja, da kann man halt nix machen, wenn die eigenen Leute Mist bauen, und deswegen geht er jetzt vonwoauchimmerergerade gearbeitet hat (was war er nochmal). Das dürfte neuer Rekord sein. Manchmal möchte man sich schon an die Gegenwart nicht mehr erinnern.<br />
Gately schlendert weiter durch sein Leben Richtung Hades. Gerade ist er dabei gefälschte Führerscheine für Massachussetts zu laminieren. Was man im Leben so alles tut.  Und von einem Punter ist die Rede, der wahnsinnig begabt sei (Orin?) und der was werden könne, wenn er bloß „die Karotte im Auge“ behalten würde. Trennt der tatsächlich Tonfälle oder geht das munter durcheinander. Müsste man noch mal, wenn man Zeit hätte. Gunny Gately kommt in den Knast. Michael Pemulis sucht verzweifelt nach einem Schuh. Fax Fackelmann bescheißt Whitey Sorkin. Und ich frag mich, wo das hin gehen soll. Von Schlusssteigerung kann jedenfalls gegenwärtig keine Rede sein. Bobby C taucht auf, den wir, wenn meine nebulöse Erinnerung nicht täuscht als einen hipphoppenden Erzähler mal hatten. Gately gerät in eine moralische Klemme und unter die pflegenden Hände einer sehr kurvoiden Schwester, die allerdings,  das tötet tatsächlich alle erotische Fantasie, ihm gerade einen Einlauf gemacht hat. So was von erniedrigend. Und er gesteht, dass er noch nie mit einer wirklich gesunden, nie mit einer irgendwie nüchternen Frau… Was für eine Bilanz. Bei der Visite parliert der AiPler tolles „Schauderwelsch“. Schauderwelsch! Danke, Ulrich Blumenbach. Die sexuelle  Spannung nimmt zu. Und der Schmerz bleibt: „Es ist, als hätte seine Schulter eigene Hoden bekommen, denen ein winziger Kerl bei jedem Herzschlag einen Tritt versetzt.“ Auweia.<br />
Tote gemüsifiziert zu nennen, ist immer noch sehr lustig. Auch eine Sportsbar als „Katerschmiede für Schlechterverdienende“ ist nachgerade genial. Sonst geht alles seinen Gang, wankt zwischen Gestern und Gegenwart hin und her. Pamela Hoffman-Jeep schemt auf. Auch so eine Hochgrad-Alkoholikerin, entweder sie ist hackedicht oder sie ist hackepassiv, was beides auf das Gleiche hinausläuft. Dann geht es noch um einen fatalen Verhörer bei einem Wetteinsatz und alles geht drunter und drüber.<br />
14.30. Gehtsokaffee. Das SchMaZ hat nach den jüngsten Ereignissen fünf Chefs in einem Jahr. Das hab ja bis jetzt ich nicht geschafft. Drunter und drüber. Ein ruhiges Jahr wär auch mal schön. Frohe Weihnachten.</p>
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		<title>22. November ff.</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Nov 2009 22:47:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[22. November
7.30. Dunst hängt an den Hängen der Sackpfeife (so heißt der höchste Berg hier tatsächlich). Hell wird’s hier heute nicht mehr. In den lakritzigen Straßen ist kein Mensch zu sehen. Wahrscheinlich bin ich der einzig Überlebende einer Katastrophe. Wie Will Smith. Aber der war in Kalifornien (Kalifornien? New York?), ich bin in Biedenkopf. Welche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>22. November</p>
<p>7.30. Dunst hängt an den Hängen der Sackpfeife (so heißt der höchste Berg hier tatsächlich). Hell wird’s hier heute nicht mehr. In den lakritzigen Straßen ist kein Mensch zu sehen. Wahrscheinlich bin ich der einzig Überlebende einer Katastrophe. Wie Will Smith. Aber der war in Kalifornien (Kalifornien? New York?), ich bin in Biedenkopf. Welche Herde heiliger Rinder hab ich in meinem früheren Leben eigentlich überfahren? Apropos. Nachher fahr ich über die Sackpfeife nach Hause. Sackpfeife, die höchste Erhebung der Umgebung.<br />
Falls sich wer gefragt hat, wo denn die Rollis hin sind. Hier sind sie wieder. Sie foltern einen Ohneheimmann (vulgo: Penner), bei dem sich augenscheinlich um Poor Tony handelt. Und sie wollen die E. T. A. überfallen. Die Incandenzas entführen. Beim Tennisturnier. Oder vorher. Gately träumt derweil von Joelle van D. Ein ziemlich feuchter Traum, der allerdings in der gruseligen Vorstellung endet am oberen Ende des ziemlich astraligen Körpers von Madame Psychosis befinde sich hinter dem Schleier das Antlitz von Bullogge Churchill. Dann irrt die Erinnerung zur alten Nachbarin Frau Waite, die alle als Hexe bezeichneten. Auch das trägt alle Anzeichen eines Alptraums. Dann vermischen sich die Alpe und Joelle steht in Mrs. Waites Küche, splitterfasernackig, unbeschleiert und mit dem Gesicht eines Engels. Ist aber der Tod. Und die Mutter. „Der Tod erklätr, dass der Tod einem immer wieder passiert“, was mich jetzt sehr beruhigt. Und die Todbringer sind die Lebensspender, die Moms, weswegen sie einen dann im andern Leben geradezu zwanghaft lieben. Und Joelle sagt: Warte.<br />
Hal erzählt zur Abwechslung mal in der Ich-Form. Hatten wir auch lange nicht. Und ob ich das so gelungen finde, naja. Es geht aufs Spiel gegen die Kanadier zu. Und schneit vom Himmel hoch. Draußen geht nichts mehr. Die Anrufbeantworter von Hal und Pemulis konnektieren. Schnitt. „Als das empyreische Gesicht dem Kochweiß der Traumaabteilung weicht“, verwirrt Don, dass Joelle schon wieder da ist, hinter einem himmlischen Hellviolett. Sie kümmert sich rührend und erzählt dafür noch ein paar Döntjes über das Leben in Ennet House und isst Küchlein, die eigentlich für Don gedacht waren, und erzählt von einem Treffen in der St. Columbkill und wie da ein Kerl namens Wayne (John W.?) von seinem blutbrutalen Papa und dem Grund für eine Gesichtsschrunde. Joelle erzählt von ihrem Ausstieg, Gately kontrapunktiert das mit Erinnerungen an seine kalten Entzüge.<br />
Gibt’s hier Drogen? Garantiert. Die weichen (Bierbierbier, wenn Biedenköpfer im Kreis stehen, kolportiert Thome, ist im Zentrum keine Frau, sondern ein Fass) und die harten. Anders hält mans hier… Stille Tage im Klischee.</p>
<p>23. November</p>
<p>21.30. Zurück am Wasser. Nochmal Traminer. Wenns weiter so warm bleibt, kann ich bald die Primeln im Garten wieder von oben besichtigen, vier Monate vor der Zeit. Ich muss allmählich mal wieder ein  Buch lesen, in dem keiner auf der Intensivstation liegt, keiner in die Bewusstlosigkeit hinein- oder aus ihr herausdämmert. Hab gerade nochmal Kathrin Schmidt absolviert, parallel dämmert Don weiter vor sich hin. Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Schmidts Helene wacht auf, Don taucht ab.<br />
Er entzieht, er schiebt den Affen. Den Vogel. Er musste um jede Sekunde eine Mauer bauen, um sie ertragen zu können. Muss ich nicht haben. Halbtrockene Traminerabhängigkeit reicht völlig. Der Vogelschmerz ist schlimmer als der Angeschossenschmerz. Er ist geschult also im Schmerzen. Er stillt ihn mit Verweilen. Er sitzt ihn aus. Weil er sich nicht wehren kann, muss er Joelles Familienalbum aushalten. Don will sich immer wieder einmischen, will verweilen, schafft es aber nicht. Er fantasiert schmutzelnd vor sich hin, verliert sich in Selbsttäuschung, verdreht die Augen und lässt sie so. Szenische Verdichtung sieht auch anders aus. Reine Verschwendung dieses Buch.<br />
Hal verschwendet auch sein Talent. Tennisnachwuchsstar möchte man, Lehre 459 aus dem Spaß, nicht werden, niemals nicht und auch nicht die Kinder werden lassen: „Viele Spitzenspieler steigen morgens mit einem kurzen Weinanfall ein und sind für den restlichen Tag dann frisch und munter.“ Er katzenwäsch sich und findet Orth „den Schatten“ Stice am Fenster. Draußen ist es scheißekalt, der Schnee fällt. Orth erzählt einen Witz, die Seiten verfliegen. Wir sehen draußen einen Typen im Schnee. Hal und Orth verzällen sisch was. Da fragt Hal Orth dann endlich was mit dessen Stirn los sei. Irgendwas ist faul. Er klebt am Fenster fest. Mit der Stirn. Seit Stunden. Er reißt. Das macht ein hässliches Geräusch. Hal reißt mit. Ich würds ja mit warmem Wasser versuchen. Dafür ist Hal aber zu intelligent. Fällt mir gerade eine schwedische Geschichte ein. Mikael Niemi hieß der Autor, „Populärmusik aus Vittula“ das Buch. Von einem Finnschweden, der im Himalaya am Joch eines Passes einen Stein küsst und mit den Lippen festfriert. Er verzweifelt fast, dann macht er eine ganz besondere Urinprobe. Hat Hal nicht gelesen. Sag ja immer: Romane helfen Leben retten. Troeltsch schon. Der sagt abtauen. Und faselt weiter im Radioreporterton. Wir befinden uns in der Mitte der Zielgerade dieses Dickleibers und der faselt hier von festgefrorenen Stirnen, als hätte er noch alle Zeit der Welt für den Showdown. Es gibt doch einen Showdown. Der kann uns doch nicht mit diesem Fadenknäuel allein lassen. Kann er doch. Kann er doch.</p>
<p>24. November</p>
<p>16.25. Großraum, der keiner sein will, wie jemand ganz wichtiges mal gesagt hat. Stünden zu viele Regale drin. Und Bücher. Tja, diese Bücher. Sind schon ein ernstes Problem. In einer Literaturredaktion. Gehtsobeutelkaffee. Relative Geräuschlosigkeit dank Gummistopfen in den Ohren. Sonst kann man hier ja…<br />
Wir sind wieder in einem anderen Großraum. Mit Ich-Hal in der Nasszelle der E. T. A. (warum Hal jetzt selbst erzählt, hatte ich mich schon mal gefragt, muss das hinterher mal nachlesen). Herr Kenkle taucht auf. „Technisch schwarz, m. a. W. negroid, aber genau genommen eher vom gebrannten Sienaton eines verdorbenen Kürbisses.“ Möchte man auch nicht in der Dusche begegnen. Er hat auch sonst ein paar Fehler und hätte in den ungeschriebenen Annalen der E. T. A. bleiben können (vielleicht wird er ja noch gebraucht, aber ich fange an alles unsinnige Zeug ähnlich aufs Ende zu projizieren, wie das die Harry-Potter-Abhängigen mit den ebenfalls viel zu vielen Figuren der J. K. Rowling taten). Obwohl, jetzt zum Ende hin, wird’s wieder gut. Stice schreit vom Eise befreit. Kenkle will fröhlich sein. Hal sagt: „Meine Güte.“ Geht zum Fenster, will sein Spiegelbild überprüfen. Draußen ist es hell. „Ich kam mir silhouettenhaft und blass vor, tastend und geisterhaft vor all dem gleißenden Weiß.“<br />
Schnitt. Wir hören einen Mitschnitt eines Meetings diverser bedeutender Freakfiguren um Mr. Rodney Tine sr., Chef der unspezifizierten Dienste &amp; Berater des Weißen Hauses in Sachen interdependente Beziehungen. Man mmmpft, man niest, man findet Boston scheiße, man begrüßt sich. Und man diskutiert über einen Spot, der verhindern soll, dass die tödliche Patrone allzu viel Schaden anrichtet. „Wollen Sie vielleicht, dass das Jahr des Glad-Müllsacks das Jahr ist, in dem die halbe Nation nur noch mit Glupschaugen mit kleinen Spiralen drin eine üble Patrone anstarrt, bis sie irgendwann verhungern mitten in den eigenen Exkr-?“ Es wird geklopft, es wird Schleim hochgezogen, es wird geniest, es wird vom tänzelnden Esel erzählt, der Hauptfigur des Spots, der voll funktionsfähige Phil, der tänzelnde Esel. Ein erschreckender Spot. Ein aufwühlender Spot. Ein Spot, der Albträume schafft. Mr. Yee (der auch dabei ist, Direktor für Marketing und Produktwahrnehmung, Glad Flaccid Receptable Corp.): „Örgel. Örgel örgel. Splarg. Kaa. (Fällt vom Stuhl.)“<br />
Kann Gately nicht. Der liegt noch in der Traumaabteilung. Erinnert sich an „Cheers!“ Wenn ich mich bloß daran erinnern könnte. Bin glaube ich zu alt dafür. Das kam mir nach Dt. Zu Besuch ist jetzt Ferocious Francis. Gately macht sich mit Notizen verständlich. Nochmal wird die Geschichte vom Überfall und von Lenz aufgebrüht (geh mal Kaffe holen). Der Doc kommt. „Inder oder Pakistani, von dunklem Glanz, aber mit so einem eigenartigen klassischen Weißengesicht, das man sich ohne Probleme im Profil auf einer Münze vorstellen kann, plus Zähnen, bei deren Strahlen man lesen könnte“. Gemein, aber gut.<br />
Mit einer gewissen Grausamkeit pult er in Gatelys entgifteten Wunden. Schmerz ist schlimmer als gestern, gell? Arschloch. Und dann hält er ihm wie dem Kaninchen die Möhre vor die Nase Schmerzmittel vors Gehirn. Titriertes Hydromorphonhydrochlorid zum Beispiel Gately erschauert. Dilaudid. Fackelmanns Untergang. Der Ritz-Cracker des Todes. Doktor Hölle schwafelt weiter, dass er Muslim sei und keine Medikamente und so weiter, dass er aber, wenn er und so weiter, dann auf jeden Fall. Gately ist zu bedauern. Dass Don alles durch hat, was immer er ihm vorschlägt, und hinter sich, dass er auf keinen Fall wieder das Zeug haben will, das kommt durch seien perlweißen Zähne nicht in seinem Hirn an. Für jedes Giftzeug ein anderer Spitzname. Lauter tödliche Schätzchen.<br />
Die Klingel geht. Muss das gruselige Spiel unterbrechen. Ein andres gruseliges Spiel beginnt. Konferenz.</p>
<p>25. November</p>
<p>18.15. An der Isar. Gleich geht’s los zu Kathrin Schmidt. Soll spröde sein. Schien mir nicht so in Frankfurt. Wird schon. Wasser. Müsste noch was essen. Hab aber keine Zeit. Und morgen früh geht’s um viertel sechs wieder zurück. Schadet nichts.<br />
Der Paki, Mefistofeles der Traumaabteilung, versucht Don Gately zur Vernunft zu bringen und seine „couragierte Angst vor der Sucht“ aufzugeben. Bei der Vorstellung allerdings an Talwin zum Beispiel „bringt Körperteile zum Sabbern, deren Sabberfähigkeit Gatley unbekannt war“. Warum soll er widerstehen? Weil er dann wieder in die hinterste, heißeste Hölle fällt, die er gerade erst verlassen hat. Der Paki faselt weiter. Gately verliert die Fassung, greift durch die Gitter prägnant in die Cojones des Pharmakologen. Tut weh. Der Paki zeigt „alle 112 Zähne“. Draussen geht herrlich die Sonne auf.<br />
Demerol. Don erinnert sich an Demerol. An den gebärmutterwarmen Kick. An den ästhetischen Kick. Den glatten, geordneten, den köstlich symmetrischen Kick: „Der Geist schwebt leicht im exakten Mittelpunkt eines Hirns, das gepolstert in einem warmen Schädel schwebt, der seinerseits perfekt zentriert auf einem Kissen weicher Luft in halslosem Abstand über den Schultern ruht, und drinnen herrscht nichts als schläfriges Summen.“ Das ist immer das Problem beim Beschreiben von Drogenerfahrungen. Sie haben so ein gefährliches Glitzern. Wer könnte nicht manchmal genau so einen Kick gebrauchen? Hin und wieder. Gately träumt von Ipswich und einer Krankenschwester, die er beschläft, ohne dass sie irgendwie auch, weil sie um den Höhepunkt zu erklettern, mit einer Zigarette verbrannt werden muss, weswegen Gately versucht, das Rauchen sein zu lassen. Wir durchleben die Demerol-Karriere des Don Gately, bis Don Besuch bekommt, der ihm die Neuigkeiten von XY-ungelöst in Ennet House erzählt. Gately erlebt eine negative Epiphanie. Die Krankenschwester bringt eine Pfanne, eine Bettpfanne. Und Gately zitiert das Gelassenheitsgebet. Und Gately drückt. Und Hal bekommt Panik. Es überfällt ihn. „Alles hatte zu viele zu viele Aspekte… Die Welt wirkte plötzlich fast essbar, wartete auf den Verzehr. Die dünne Lichthaut über dem Firnis der Scheuerleisten… Eine Art Schatten flankierte die lebhafte Klarheit der Welt“. Depression? Epiphanie? Er sieht das ganze lange Elend seines Lebens vor sich. Er legt sich hin. Großartige Passage. Ein Hirn, eine Seele wird erschüttert, wankt, bröckelt. Und versucht sich mühevoll, aber randirre der Realität zu versichern. Immer wieder steckt jemand seinen Kopf ins Zimmer. Irgendwie geht’s draußen weiter und bei Hal zu Ende. Bewusstseinsverlust. Kollaps. Das Hirn faselt herum. Wundert sich, dass manche sich jahrelang für ein einziges Thema interessieren kann. Die Moms, wie sie Hal beschreibt, erinnert fatal an die fatale französische Halbriesin auf Harry Potter. Hal liegt auf dem Boden. „Die Horizontalität stapelte sich um Mich. Ich war das Fleisch im Sandwich des Zimmers… ich fühlte mich dichter zusammengesetzt, jetzt wo ich horizontal war. Nichts konnte mich umhauen.“<br />
Jetzt muss ich aber los. Noch 115 Seiten. Noch fünf Tage. Und was mach ich dann? Weiterlesen. Einfach weiterlesen.</p>
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		<title>21. November</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 12:04:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[18.30. Biedenkopf. Richtig. Biedenkopf. Besser bekannt als Bergenstadt aus Stephan Thomes Roman. Deutsche Literaturhauptstadt. 32 Kilometer nirgendwowärts von Marburg. Umstellt von Hügeln. Kaffigstes Kaff. Wobei… Im November und im Nieselregen auch New York durchaus sehrsehr hässlich sein kann. Von Berlin mal ganz zu schweigen.
So allmählich gehört mein Spaß auch auf die Traumaabteilung. Ganz schön verschrundet. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>18.30. Biedenkopf. Richtig. Biedenkopf. Besser bekannt als Bergenstadt aus Stephan Thomes Roman. Deutsche Literaturhauptstadt. 32 Kilometer nirgendwowärts von Marburg. Umstellt von Hügeln. Kaffigstes Kaff. Wobei… Im November und im Nieselregen auch New York durchaus sehrsehr hässlich sein kann. Von Berlin mal ganz zu schweigen.<br />
So allmählich gehört mein Spaß auch auf die Traumaabteilung. Ganz schön verschrundet. Eine Schusswunde hat er nicht. Kann ja noch kommen. Überfall, ein Mann schießt und die Kugel bleibt im Spaß hängen. Das wärs noch.<br />
Zurück zur Freakshow. Calvin Thurst, der unpsychologische Psychologe faselt immer noch hinter den Ereignissen her: Dass eine gigantische Ladung Patronen in Ennet-House angelangt ist, dass Tiny Ewell irgendwie anders aussieht, dass wer Küchlein für Gately gebacken hat, dass man hinter ihm stehen würde, dass die fehlende Wumme ein Problem wäre. Gately will wissen, ob er denn nun jemanden umgebracht hätte, kann sich aber nicht artikulieren. Das liest sich ein bisschen wie Kathrin Schmidts „Du stirbst nicht“ auf Speed, diese kranke Krankenhauspassage. Dann geht die Sonne unter. Blutrot. „Die Heizungsventile klingen wie das leise „Pst!“ von Eltern in weiter Ferne. Wenn es draußen dunkel wird, fängt die Decke an zu atmen. Und so weiter.“<br />
Gately schläft ein. Gately wacht wieder auf. Und ein anderer Ennet-Häusler sitzt da, wo der unpsychologische Püschologe eben noch saß.  Geoffrey Day (hatten wir den schon? Hab ich Alzheimer?). Und auch der verzällt jetzt Döntjes aus seiner Jugend. Ein Gespenst entnebulösiert sich allmählich. Gatelys Lieblingsalptraum sagt kurz Hallo. Gately schläft und wacht auf und Day ist weg. Der Tag auch (blöder Scherz). Gately erinnert sich auch an seine Jugend. Ein Geist stellt sich vor, „ein schlichter, alter Geist, ohne Groll oder Hintergedanken, ein ganz normaler Feld-Wald-und-Wiesen-Geist“. Das muss ganz schön anstrengend sein, so Geist. Unser jedenfalls ächzt, dass er verdammt lange ausharren musste, um Gately zu konnektieren. Die Träume verschachteln sich. Gately möchte schreien, kann aber nicht, weil da dieser Schlauch ist. Der Geist erzählt so ein bisschen wie das Geistsein so ist und geht. Im Grunde, sacht er, existieren Geister in einer ganz anderen heisenbergschen Dimension der Kursänderungen und Zeitverläufe. Tja, das hätten wir uns, hm, auch so gedacht. Plötzlich knallen Gately Worte durchs Hirn, Worte, die er „so nötig hat wie ein Beinamputierter ein Paar Schuhe“. Acciaccatura (meint der evtl. Accacciatura?) oder Kataleptiker oder Armer Yorick (Shakespeares Hamlet im US wird wohl die meistgeschriebene Seminararbeit im amerikanischen Universtiätswesen werden). Die Worte versirren, Gately wird fast wahnsinnig. Der Geist ist wieder da. Eine Art epiphanierte Heimsuchung von Gatelys missverstandenem Gott. Solche Beschreibungen werde ich dann doch vermissen. Der Geist erklärt, wie sich Geistsein anfühlt und hat schreckliche Nasenhaare. Man fachsimpelt über die Figuranten in der in Deutschland nicht ganz so berühmt gewordenen Serie „Cheers!“ und philosophiert herum. Und irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, bei dem nasenhaarigen Geist handelt es sich um Jim „der große Storch“ Incandenza. Der erzählt von seinem verstummenden genialen Sohn. Den er versuchte durch Unterhaltung zum Reden zu bringen. War das die Geburtsstunde der tödlichen Patrone? Und dafür sei er dann 89 Tage trocken geblieben. Die 89 letzten Tage seines Lebens.<br />
Merkwürdig, wieviel Gately von seinem Bett aus sehen kann, obwohl er seine Stirn kaum über das Niveau seiner haarigen Beine kriegt. Muss ein seltsames Bett sein.<br />
Gately taumelt wieder ab zu Mum und Psycho-Stief-Dad, der Listen führt über die Heinekens, die er am Tag so trinkt. Zwischen Heineken8 und Heineken10 nimmt er sich Gatelys Mum vor. Psycho-Stief foltert dann auch Fliegen und DG macht sich Vorwürfe, die nicht gerettet zu haben. Und er hat Schmerzen. „Es ist, als würde ein großer Holzlöffel ihn ständig unter die Oberfläche des Schlafs drücken und wieder hochlöffeln, damit etwas Riesiges ihn probieren könne, wieder und wieder.“<br />
Widerlich. Geh jetzt essen. Kartoffelbrodd heißt hier das herbstliche Hauptgericht. Der Chinese am Ort heißt „Reich der Mitte“. Ab durch dieselbe.</p>
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		<title>20. November</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 22:01:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[22.30. Am Wasser. Soviel Apfelsinen kann man gar nicht essen, dass einen der Winterschlaf nicht einholt. Novembrigster November. Alles still, vorneheraus. Hintenheraus tritt von einem kahlen Mond und einer milchigen alten DDR-Laterne beschienen ein komplett bekiffter Hagermann auf eine wehrlose Humana-Box ein. Manchmal weiß man nicht, ob man nicht doch irgendwann ins Fernsehen gefallen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>22.30. Am Wasser. Soviel Apfelsinen kann man gar nicht essen, dass einen der Winterschlaf nicht einholt. Novembrigster November. Alles still, vorneheraus. Hintenheraus tritt von einem kahlen Mond und einer milchigen alten DDR-Laterne beschienen ein komplett bekiffter Hagermann auf eine wehrlose Humana-Box ein. Manchmal weiß man nicht, ob man nicht doch irgendwann ins Fernsehen gefallen und in einem schlechten schwedischen Krimi gelandet ist.<br />
Don Gately ist tatsächlich in etwas gänzlich Unschönen gelandet. Wir erinnern uns vor urdenklichen Zeiten ist der vor Ennet-House von marodierenden (warens Kanadier?) Menschen zusammengeschlagen und angeschossen worden, die eigentlich Herrn Lenz jagten, der wiederum versucht hatte, ihre Hunde zu schlitzen. Don liegt also jetzt da und die Decke in der Traumaabteilung atmet. „Sie wölbt sich und schrumpft. Sie schwillt an und ab.“ Na das kann ja interessant werden. Ein trockener Drogist liegt in der Traumaabteilung und hat Schmerzen. Was werden sie dem wohl geben. Gately erinnert sich an seine Kindheit, als er im Strandhäuschen auch unter einer offenen, nur mit einer Plane geschlossenen Decke schlafen musste, die ständig zu atmen schien. Er hat Schmerzen, in der Kehle, in der Schulter, er sieht gespenstische Gestalten. Das tut alles so weh. Er träumt alp über alp. Und wenn er wach ist, kann er sich nicht wehren, gegen Schwätzer wie Tiny Ewell, die ihm ihre Geschichte erzählen. Ewell erzählt und erzählt. Wie er in seiner Jugend einen Geldstehlerclub gegründet hat, warum das schief ging und warum damit sein ganzes Leben schief ging. Ein AA-Treffen mit andern Mitteln, nur dass Poor Don Gately halt nicht weglaufen kann. Armes Schwein. Aus der Geschichte hätten andere mindestens eine Novelle gemacht. Eine magische. Geht hier im Schmerzensdunst von Gately aber ein bisschen unter. Ist doch eine gigantische Stoffsammlung, dieser Roman.<br />
Gately wird von Demerol bedroht. Das hatten wir garantiert schon mal. Das wars wohl an dem hing, von dem er mühevoll loskam. Gately ist schlimmer dran, als wir uns das vorstellen und am Ende wird er wohl doch… Warten wirs ab.<br />
Ewell erzählt weiter. Gately träumt wieder von seiner Kindheit. Auch so ein Diamant der Dysfunktionalität. Mutter wird verprügelt. Kind interessierts irgendwann nicht mehr. Eigentlich gehört Don schon längst in die Traumaabteilung. Der ganze Roman.<br />
Die Leute vom Ennet House traumtänzeln durch die Intensivstation. Joelle van D. / Mdme. Psychosis sitzt an seinem Bett. Und tupft wie eine andere Veronika. Der Ennet-Hauspsychologe kommt vorbei und sagt, Gately sähe aus „wie ein Haufen Scheiße, auf den was Schweres draufgefallen“ sei. Sehr aufbauend. Dann wird die Geschichte von der chaotischen Erste-Hilfe-Katastrophe nachgeholt, die sich im Anschluss an den Shoot-out bei Ennet-House ereignet hat. Manchmal kann einen dieses marihuanaschleifenschreiben schon auf den Wecker gehen. Kann der sich nicht mal auf Gately im Bett konzentrieren. Immer wieder lässt er ihn los, immer wieder zerfasert die Geschichte und Menschen erzählen und erzählen, was sonst noch so alles passiert ist, was die anderen in Ennet-House jetzt machen. Das interessiert Gately nicht, das interessiert mich nicht. Das ist Folter. Wenn man sich zuviele Figuren ans Bein bindet, muss man sich nicht wundern, wenn die Geschichte irgendwann gewaltig hinkt.<br />
Bevor ich jetzt endgültig miesepetrig werde – möge Gately traumlos ruhen. Ich versuchs jetzt auch.</p>
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		<title>19. November</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 12:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[12.30. Sonne. Oben im bekifften Bus. Auf dem Weg zu Lew Tolstoi und seiner durchgeknallten Gattin Sofia ins Kino. Sind dem Storch und den Moms eigentlich nicht so unähnlich, die beiden, dysfunktional war diese Ehe nun auch. Nur dass der KriegundFriedensFürst in der wahren Wirklichkeit doch ein deutlicher alptraumhaftigerer Ehegatte war, als Jay Parini das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>12.30. Sonne. Oben im bekifften Bus. Auf dem Weg zu Lew Tolstoi und seiner durchgeknallten Gattin Sofia ins Kino. Sind dem Storch und den Moms eigentlich nicht so unähnlich, die beiden, dysfunktional war diese Ehe nun auch. Nur dass der KriegundFriedensFürst in der wahren Wirklichkeit doch ein deutlicher alptraumhaftigerer Ehegatte war, als Jay Parini das in seinem Roman ausgepinselt hat, den Michael Hofman jetzt verfilmt hat. Angeblich die beste Literaturverfilmung des Jahres, was immer das wieder heißen mag. Der Spaß wird das nicht werden. Der ist unverfilmbar.<br />
Molly gesteht weiter. Dass die Medusa eigentlich Lucille Duquette hieß, was fast so schlimm ist wie Jacqueline Schwotzow aus Marzahn. Dass sie entstellt ist, weil ihre später zerhäkselte Mutter mit einem Säurekolben nach ihrem Chemikergatten warf, aber leider ihre Tochter im allerschönsten Gesicht traf, woraufhin sich Mum den Kopf abhäkseln ließ.<br />
Absatz. Pause. Fußnote. Und wieder werden wir zum Sprung dreihundert Seiten weiter nach hinten gezwungen. Soll das eigentlich lustig sein? Fußnote 332 ist die Fortsetzung von Fußnote 324 und wird nun der Welt bekannt geben, was der augenscheinlich unwillentlich unter Drogen gesetzte John Wayne von sich gegeben hat. D. h. erstmal geschieht nichts. Es wird herum schwadroniert. Dann werden die Beleidigungen vorgelesen. Pemulis kann sich als entlarvt betrachten. Wird zermanscht vom Scherbengericht. Und fliegt, was er nicht ganz begreift.<br />
Wir hüpfen wieder zurück, fragen uns, was aus den eben noch sehr dringlichen Rollifahrer eigentlich geworden ist. Außer Atem kommen wir wieder an auf Seite 1142. Und DFW hat das Tempo rausgenommen. Hal ist unterwegs zu seinem ersten AA/NA-Treffen. Er fährt und fährt. Er hört Radio, was ein alter Trick ist, ein paar Informationen einzuschleusen. Er fährt und fährt. Und räsonniert über die ethymologische Geschichte des Wortes anonym. Und fährt und fährt. Und nennt sich Mike. Und fährt und fährt. Und kommt an und guckt sich um. Die langsamste Ortsbeschreibung im ganzen Spaß. Beschreibung von „optischer Fahrstuhlmusik“, ein Begriff, den man sich unbedingt merken sollte. Hal schleicht sich ins Treffen und findet sich unter lauter aus dem Ruder gelaufenen Mittelschichtsmännern wieder, die Bären umarmen und mit ihrem Inneren Säugling debattieren. Allein das muss einen dazu bringen, den Drogen fürderhin abzuschwören. „Ich fühle die Verlassenheit und den Liebesverlust meines inneren Säuglings.“ Mein Gott. Diese Szene lässt DFW geradezu genüsslich weiter eskalieren. Wobei sich der dicke, große äußere Säugling als Bruder von Orins ehemaligem Doppelpartner Marlon Bain entpuppt. Was es auch nicht interessanter macht. Hal schweift ab. Wir schweifen mit. Hal flaniert im Geist über die Via Appia (womit wir nach 1158 Seiten zum ersten Mal irgendwo außerhalb des nordamerikanischen Kontinents wären. Die Amerikazentriertheit kann einem schon gewaltig auf den Wecker gehen. Ist bei Haslett allerdings noch schlümmer). Hal ist wieder zurück. Und sieht einen dicken Ex-Säugling, der auf Knien über den Teppich krabbelt, behindert, Spuren in Teppich schleifend, kopfwackelnd, mit unbeschreiblichem Gesicht herumstarrend.<br />
Wahrscheinlich fährt und fährt er jetzt zurück. Mein Bus fährt und fährt jetzt auch weiter. Ohne mich. Tolstoi’s calling. </p>
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		<title>18. November</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 08:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[10.15. Großraum über St. Trübsalblasien. Lady-Grey-Tee. Muss langsam mal rechnen. Bin jetzt auf 1122. Macht bis Adam Hase bis 1410 noch 388 Seiten plus 36 Seiten verbliebener Anhang sind also, mal scharf nachdenken 424 Seiten geteilt durch 13 macht 32undeinpaargequetschtehinterm Komma. Muss mich ein bisschen sputen.
Hal und Mario begeben sich weiter in den innigen Infight [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>10.15. Großraum über St. Trübsalblasien. Lady-Grey-Tee. Muss langsam mal rechnen. Bin jetzt auf 1122. Macht bis Adam Hase bis 1410 noch 388 Seiten plus 36 Seiten verbliebener Anhang sind also, mal scharf nachdenken 424 Seiten geteilt durch 13 macht 32undeinpaargequetschtehinterm Komma. Muss mich ein bisschen sputen.<br />
Hal und Mario begeben sich weiter in den innigen Infight ihres Bettgesprächs. Mario versucht herauszufisseln, was Hals Seele trüben könnte. Es geht wieder mal um Drogen, der Gebläsekiffer hat Angst erwischt zu werden. Und dass alles auffliegt. Und dass dann die Moms auffliegen. Dass alles in die Luft geht. Und Angst vorm kalten Entzug, weil er jetzt 30 Tage enthaltsam bleiben muss. Mario, der vertrollte Jesus, ist groß im Zuhören, aber göttergleich schlecht im Antworten geben. In Ennet House läuft einer der E.T.A.tisten auf und sucht Rat. Relativ reizlos, das Ganze bisher. Irgendwie hat der Junge gefrorene Haare und irgendwie blickt DFW von der Zukunft aus rückwärts. Soll Folgen gehabt haben, das Gespräch. Absatz. Punkt 324. Weiter geht’s auf Seite1527. Eigentlich eine Frechheit. Wobei die eigentliche Frechheit die weitgehend inhaltsfreien folgenden neun Seiten sind. Bin ich gewittrig heute, novembrig, umnebelt oder warum geht mir das Aufgespreizte dieses Besuch in pubertären Duschräumen so auf die Nerven. Nasszonen in der E. T. A. mit Freund Pemulis und Freund Possenzeit, der heulend auf der Bank liegt. Nichts ist wahr, heult er. Hat er recht. Darf auch nicht wahr sein. Neun Seiten. Dass der pubertärste Blödsinn mit den genau selben Mitteln aufgeplustert wird, wie der psychologisch interessanteste zeugt nicht gerade von ausgepägter literarischer Geschmackssicherheit. Wieder Fußnoten in Fußnoten. Und dann ists irgendwie aus. Und weiter geht’s ganz woanders. Mit der technischen Vernehmung der Molly Notkin (hatten wir die schon?).<br />
Geblendet erzählt Molly den Agenten vom U. S. B. U. D. alles Mögliche. Über zwölf Seiten. Liest sich leider abgearbeitet. Musste jetzt wegerzählt werden. Sind ja schon bei Seite 1131. Wollen ja mal zum Ende kommen. Deswegen im Schnelldurchlauf. Madame Psychosis ist in der tödlichen Patrone nackt und schwanger zu sehen. Sie erklärt darin kindgerecht und jedem Trottel verständlich, der Tod sei immer weiblich, das Weibliche immer mütterlich, was erklärt, warum die Mütter in diesem Buch immer tödlich sind, und bedingt, dass „die Frau, die einen umbringe, im nächsten Leben immer die Mutter“ sei, was mich dazu bringt, doch lieber von der Wiedergeburtsidee Abstand zu nehmen. Wir erfahren, warum auch Küchengeräte im US eine Dissertation wert sind, weil nicht nur der James „der große Storch“ Incandenza in einer Mikrowelle den Kopf verlor, sondern auch die Mutter von Mdme. Psychosis sich das Leben in einem marktüblichen Küchenmüllhächsler zerschrotet hat. Molly erzählt und erzählt. Vom Storch und seiner Abstinenz und den Moms und ihrer Eifersucht und davon, wie Mdme. Psychosis vor lauter Schuldgefühlen wg. des Storchensuizid genau die Drogen einzuwerfen begonnen habe, derer sich der Storch enthalten habe vor der tödlichen KopfinkaputtgemachteMikrowelleLege, und wie sie ein fürchterbares Gesichtstrauma erlitten habe am Tag als sich ihre Mutter selbstzerhäckselte. Das geht noch sechs Seiten so weiter. Ich geh jetzt erstmal feuchte Luft schnappen.</p>
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		<title>17. November</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 22:12:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[13.30. Teetütenkaffee mit Mülch. Vivaldis Vier Jahreszeiten. Das kann man tatsächlich so spielen, dass es sich nicht so anhört, wie eine gewöhnliche Tiefkühlquattrostaggioni schmeckt. Außerdem wird einem dabei etwas warm. Was nicht schadet in Trübzonesien. Und bei so gar nicht lustiger Lektüre wie Adam Haslett (ein von der Zukunft überholter Zukunftsroman) und Katharina Hacker (ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>13.30. Teetütenkaffee mit Mülch. Vivaldis Vier Jahreszeiten. Das kann man tatsächlich so spielen, dass es sich nicht so anhört, wie eine gewöhnliche Tiefkühlquattrostaggioni schmeckt. Außerdem wird einem dabei etwas warm. Was nicht schadet in Trübzonesien. Und bei so gar nicht lustiger Lektüre wie Adam Haslett (ein von der Zukunft überholter Zukunftsroman) und Katharina Hacker (ein verspaltener Roman in zwei Spalten). Dabei hatte ich eigentlich nicht vor, mich in diesem Jahr noch zu ärgern. Aber wird man gefragt?<br />
Werde ich gefragt, ob ich die Fußnoten lesen will? Nee. Muss aber, weil ich sonst nie fertig werde, bevor ich das erste Türchen am noch nicht bestückten Adventskalender aufkartätsche.<br />
Madam/Mr. Steeply interviewt immer noch Orin. Und der berichtet Neues aus dem versponnenen Nervenbündel, das die Moms heißt. „Sie ist eine solche Zwangsneurotikerin, dass sie auch die Zwänge selbst so effizient arrangiert hat, dass sie alle auslebn kann und trotzdem noch jede Menge Zeit für ihre Kinder hat.“ Der Versöhnungskurs geht weiter? Es taucht eine Verschwörungstheorie auf, dass der große Storch vor seiner großen KopfindiekaputteMikrowelleLege reingelegt worden sein könnte. Und es wird das Geheimnis der wahren Genialität verraten, das jeder Zeitungsredakteur kennt (oder kennen sollte): Die wahre Genialität bösartig durchgeknallter Menschen „besteht darin, den Leuten, mit denen sie zu tun haben, das Gefühl zu geben, sie wären durchgenknallt“. Und dann erzählt er die wahrscheinlich wahre und unendlich traurige Geschichte von Hal, der in Glückpuschen in den Garten läuft und seiner verrückten Mutter, bei der man ständig das Gefühl hatte, sagt Hal, „der ganze Kosmos stünde kurz davor, zu siedenden Gaswolken zu explodieren, und würde nur durch schier übermenschliche Willens- und Genialitätsanstrengungen seitens der Moms zusammengehalten, einen angeknabberten Schimmelpilz aus dem dunklen Keller hinhält. Schauerliche Geschichte. Aber immerhin hierfür haben sich die Fußnotenärgereien doch gelohnt. DFW treibt Geometrie und erfindet „Das Frösteln der Inspiration“ von Prof. Dr. Günther Sperber, in dem es um „Spontane Erinnerungen von siebzehn Pionieren der DT-zyklischen lithiumisierten Annularfusion“ geht. Saprogene Hallöchen erzählt von seiner Beziehung zu Orin. Hallöchen hat todernste Halluzinogene eingeworfen und Behinderungen davon getragen, deswegen musste er weg von der E.T.A., jetzt führt er die Verschwörungstheorie um den Seppukku des großen Storchs aus: Auf den beschlagenen Scheiben des Volvos der Moms soll vorher ein Wort aufgetaucht sein. Man weiß aber nicht welches. Es soll sich aber „in alle Richtungen der Windrose ein eheliches Leichentuch ausgebreitet“ haben. Eheliches Leichentuch. Toll.<br />
Es kommt zu Fußnoten in Fußnoten, die aber immerhin das Marihuana-Denken erklären, das wir von Herrn Erdedy ganz zu Anfang mitbekommen haben. S. Johnson kommt mittels der Moms Volvo zu Tode. Und Hallöchen stellt eine Kardinalfrage: „Warum bringen so viele Eltern, die unnachgiebig darauf erpicht scheinen, Kinder hervorzubringen, die sich für gute Menschen halten, die Liebe verdient haben, Kinder hervor, die sich für scheußliche Menschen halten, die keinerlei Liebe verdienen.“<br />
Kann man also nur immer alles falsch machen in der Kindererziehung? Sollte man das mit den Kindern nicht gleich lassen? Zu spät.</p>
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		<title>16. November</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 08:53:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[11.30. Großraum über Trübzonesien. Graugesichtiger Kaffee. Händels Wassermusik. Wetthusten von Arbeitswabe zu Arbeitswabe. Hab Sehnsucht nach der Matratzengruft. Traurigtraurig.
Dissoziation?  Da ist man nicht ganz man selbst, sagt die Moms. Das sind Menschen, die eine tief sitzende Angst vor ihren eigenen Gefühlen haben. Hab ich nicht. Die Moms erzählt von Grandpa der Geld genug hatte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>11.30. Großraum über Trübzonesien. Graugesichtiger Kaffee. Händels Wassermusik. Wetthusten von Arbeitswabe zu Arbeitswabe. Hab Sehnsucht nach der Matratzengruft. Traurigtraurig.<br />
Dissoziation?  Da ist man nicht ganz man selbst, sagt die Moms. Das sind Menschen, die eine tief sitzende Angst vor ihren eigenen Gefühlen haben. Hab ich nicht. Die Moms erzählt von Grandpa der Geld genug hatte zu investieren, in einen Punsch aus Delaware oder einen obskuren süßen Kaffeeersatz mit Kohlensäure. Grandpa entschied sich… Genau. Dumm jeloofen. Und wenn dann der Vater sich nicht totgesoffen hätte, wäre sie nie zur Uni gekommen. Und nie Mutter des totalvertrollten Mario, der die Mittfünfzigerin anhimmelt als wäre sie Angelina Jolie. Die redet von Suppression, von Menschen, die eingesperrt auf die Welt kommen. Wir streifen weiter durchs Minenfeld zwischen Mutter und Sohn. Großartig verschlingendes, leicht angekrängtes Gespräch. Dass die Moms es mit dem Windeln einfach nicht hingekriegt hat. Und verzweifelt darob. Im Innern der metallischen Moms schlägt ein Herz. Ist das hier jetzt eine Familienzusammenführung?<br />
Ab in die Nacht. Hal und Trollo. „Die Dunkelheit hatte Form ohne Weite.“ Großartiger  Satz. Noch so ein Gespräch. Umschlingender Dialog. Aneinandervorbeizueinanderhinreden. Hal träumt von Zahnbehandlung. Das ist jetzt auch schon mindestens der zweite. Über Zähne im Spaß könnte man auch dissertieren, wenn man wollte. Die beiden tauschen Dönekes aus über die Moms und ihren Hund S. Johnson (Samuel?) aus. Den sie überall hin mitnimmt. Notfalls als Blindenhund getarnt. Mit dem sie telefoniert. Dem sie esoterisches Futter kauft (makrobiotischer Pansen?). Das Gespräch kreiselt weiter, um Pemulis, um das schöne Geräusch des Gebläses. Und dann Trollo: „Hal, so ziemlich das Wichtigste für mich ist, dass ich dich lieb habe und froh bin, einen in jeder Beziehung so wunderbaren  Bruder zu haben, Hal.“ Wen hat der denn als Drehbuchautor? Das ist ja furchtbar.<br />
Weiter krängen zum nächsten Dialog. Kate Gompert und Marathe. Der entdeckt eine Ähnlichkeit Kates mit seiner komatösen Gattin und lässt folgenden Satz aus Blumenbachs Schrägstilmanufaktur aufblühen: „Ich verbringe einen Tag, um zu finden jemanden, der, ich glaube, meine Freunde werden ihn töten, die ganze Zeit erwarte ich die Gelegenheit, meine Freunde zu verraten, und ich komme hier und telefoniere, um sie zu verraten, und ich sehe diese verbeulte Frau, die stark meiner Frau ähnelt.“ Sehr hübsch. Eine Seelenverwandtschaft bauscht sich auf. Beide mit Schmerz im Selbst, „unfähig, etwas zu engagieren oder zu wählen von draußen“. Und Marathe erzählt die vollkommen beknallte Geschichte, wie er sich in seine Gattin verliebte: Er rettet ihr, klein, buckelig, Metallhut aufm Kopp, das Leben, er kehrt sie mit dem Rollstuhl gerade noch rechtzeitig vor einem Laster von der Straße. Und ein Blick von ihr – schon sind die Depressionen wech. Sie hatte nur leider keinen Schädel wg. Intoxikation der gesamten Südwestschweiz. Sie heiraten geradezu zwangsläufig, von der klinischen Depression als Schrotflinte zum Traualtar gestoßen. Kate reichts: „Sie spionieren und verraten die Schweiz, um jemanden vielleicht am Leben zu erhalten, der einen Haken, Spinalflüssigkeit und keinen Schädel hat und in einem irreversiblen Koma liegt? Und ich dachte, ich wäre gestört. Ich glaube, ich muss meinen Begriff von gestört ganz neu überdenken, Mister.“<br />
Meine Begriffe von gestört hatte ich nach 25 Berufsjahren auch für ziemlich gefestigt gehalten. Und dann kam dieses Buch.</p>
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		<title>15. November</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 14:09:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[14.30. Resthusten. Und jetzt hör ich auf, bevor noch ich den Hypochonderpreis des Jahres kriege. Marquis Poser trotzt dem Terror, sagt DIE Zeitung. Immerhin hat er sich schneller aus der Deckung gewagt als manch einer vom Rest der Truppe. Was macht eigentlich der Arbeitsminister Wiehießerdochgleich? Der Ablehnungstsunami ist wie erwartet tatsächlich über den Trauertsunami hergefallen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>14.30. Resthusten. Und jetzt hör ich auf, bevor noch ich den Hypochonderpreis des Jahres kriege. Marquis Poser trotzt dem Terror, sagt DIE Zeitung. Immerhin hat er sich schneller aus der Deckung gewagt als manch einer vom Rest der Truppe. Was macht eigentlich der Arbeitsminister Wiehießerdochgleich? Der Ablehnungstsunami ist wie erwartet tatsächlich über den Trauertsunami hergefallen. Was vielleicht nicht unbedingt zur Annäherung der Intellektuellen ans Volk führt, aber vielleicht immerhin dazu, dass man überhaupt Tsunami auf die Liste der mit publizistischer Todesstrafe belegten Sündenfälle aufnimmt. DFW ist fein raus. Sein Tsunami (der Haartsunami der Moms) steht auf Seite 1093.<br />
Gott bin ich schon weit. Noch 300 Seiten. Was mach ich bloß danach. Länger schlafen. Wenn der Gnom es zulässt.<br />
Dass die alle genauso verrückt sind, wie sie scheinen, sagt Orin „der Punter“ Incandenza über die Seinen. Joelle „die Kiffmedusa“ van Dyne findet das gar nicht. Und behauptet: „Die Familien unserer Geliebten verstehen wir alle intuitiv besser als unsere eigenen.“ Hm? Gloob ick nich.<br />
Marathe geht in Gedanken fremd. Und scheint, wie das in Querdeutsch abgefasste Teil äußert, nicht mehr „abgegart“ genug. So sitzt er in Ennet House. Und bewundert die Geister, die da herum wuseln. Immer neue Körper krängen mit Plötzlichkeit ins Büro. Marathe wird ganz wuschig. Es knotet sich aber auch das Geschichtennetz enger, die Patronenspendis (vulgo von heute aus: DVDspenden) der E. T. A. kommen an, was Marathe doch sehr interessiert.<br />
Wir rollen weiter mit Mario, der mit seiner Dogma-Kamera durch die E.T.A. fährt. Und keiner weiß, warum eigentlich jetzt. Überwiegend pudelnasse Tennisspieler. Fliegen drüber. Bleiben hängen an einem Wort. Kaopectate. Was immer das sein mag, es hat die Farbe von Hals Gesicht. Respektive umgekehrt (die Auskunft von Wiki, dass es sich bei Kaopectate um ein Bismutsubsalicylat, das gegen Diarrhö verabreicht wird, handelt, bringt meine Farbvorstellung auch nicht weiter, bei Diarrhö weiß ich ja näherungsweise, wie die… ). Jedenfalls ist Hal wohl mit einem falschen Urinbeutel, möglicherweise. Interessant wird als Mario jetzt dem Haartsunami von April „die Moms“ Incandenza in ihrem Bureau an ihrem Schreibtisch gegenüber tritt. Seiner Mutter sozusagen. Bin ich schon ausgehustet oder versucht DFW gerade in Sachen Mutterschutz zurückzurudern? So nett kam die schönste Schreckschraube aller dysfunktionalen Muttertiere nie weg als gerade hier. Die schleimt sich an ihr Monster von Sohn geradezu an. Was ist denn hier los? „Wunder Sonder Zahl“ Oder will er sich nur von der anderen Seite entlarven. Jetzt sitzt sie tycoonmäßig da, in einer gebieterischen Haltung, die Stuhllehnen gepackt, Stift zwischen den Zähnen wie die Zigarre eines Geschäftsmanns. Von oben herab. Von unten herauf robbt sich Mario an die Frage aller Fragen heran: „Wie weiß man, wenn jemand traurig ist.“ Schon sind wir wieder im Enkefeld. Sie fieseln im Allgemeinen herum. Bis die Moms nach Hal fragt. Der hat sich als Nachtisch voller Verwirrung Apfel mit Senf bestrichen.<br />
Schlimm. Muss erst mal einen Spekulatius essen auf die Vorstellung. </p>
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		<title>14. November</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 20:41:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[22.45. Am Wasser. Auf der gelben Wolke. Husten der Stärke zwölf auf der nach oben offenen Hirnerschütterungsskala. Trocken wie ein Wind über der Wüste. Andre Agassi hatte Depressionen, sagt er. Das ist die kahle Spitze des Eisbergs.  Morgen werden die ersten Intellektuellen ihr schütteres Haupt schütteln darob, dass die Massen trauernd durch die Straßen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>22.45. Am Wasser. Auf der gelben Wolke. Husten der Stärke zwölf auf der nach oben offenen Hirnerschütterungsskala. Trocken wie ein Wind über der Wüste. Andre Agassi hatte Depressionen, sagt er. Das ist die kahle Spitze des Eisbergs.  Morgen werden die ersten Intellektuellen ihr schütteres Haupt schütteln darob, dass die Massen trauernd durch die Straßen ziehen und ins Hannoversche Stadion. Vielleicht weil die was haben, was ihnen fehlt. Herz. Menschen sind was wunderbares.<br />
Um das Herz grinst, lächelt, witzelt sich DFW auch immer rum traut er sich nicht. Gibt’s nicht mehr im Spaß. Ausgeräuchert, aufgeräumt, von gefühligen Sentisimatenten gereinigt, als hätte Joelle sich mit der Wurzelbürste dran versucht. Die putzt immt noch. Und erinnert sich daran, wie es anfing mit dem verrückten Storch. Die ersten Konnexionen. Wie er Selbst sie einfangen wollte. Wie Orin sie missbrauchen wollte als schönster Brückenkopf zum Verrückten Storch. Auch son Intelleller. Brillant, aber kalt, eisekalt. Versteinert. Wie vom Basiliskenblick der Joelle gestreift. Was für ein verstörter Haufen. Und jetzt gehen sie auch noch essen. Das kann ja nicht… Da möchte man nicht… Muss man ja auch nicht. Verspannter geht’s nicht. Und gleich das nächste Essen. Thanksgiving mit April und Orin und dem ganzen seelisch verwachsenen Incandenzahaushalt. Der Storch säuft. Joelle lässt sich über die  „Personalistes“ aus, eine Gruppe von Ästhetikern, die von 1930 bis 40 die katholischen Intellektuellen in Frankreich beeinflussten. Unnützes Wissen?  Das Essen endet in einer Art Explosion des guten Willens. Marathe rollt und radebrecht weiter, erfindet die Geschichte seiner Sucht und seiner Behinderung. Und befindet sich ganz in der Nähe des SCH.M.A.Z. Ich mich auch. Nutzt aber nix. Das Resthirn bekommt Schleudertrauma vom Husten. Scheusslich. Dann lieber Schweinegrippe.</p>
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		<title>13. November</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 10:21:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[11.15. Fortgesetzte Matratzengruft. Totensonntagwetter. Wenigstens keine Schweinegrippe. Husten schüttelt die Hirnmasse durch. Deutschland trägt Trauer wie zuletzt bei Lady Diana. Und das für einen sechsmaligen Nationalspieler, den vor einer Woche keiner kannte. Da hat sich einer, der alles erreicht hat, weggeworfen. Einfach so. Einer von uns. So ein ganz Normaler. Kein Kuranyikahnkotzbrocken. Und es ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>11.15. Fortgesetzte Matratzengruft. Totensonntagwetter. Wenigstens keine Schweinegrippe. Husten schüttelt die Hirnmasse durch. Deutschland trägt Trauer wie zuletzt bei Lady Diana. Und das für einen sechsmaligen Nationalspieler, den vor einer Woche keiner kannte. Da hat sich einer, der alles erreicht hat, weggeworfen. Einfach so. Einer von uns. So ein ganz Normaler. Kein Kuranyikahnkotzbrocken. Und es ist November. Wäre das an einem Sommerabend anders?<br />
Die rollenden Attentäter aus Kanada sind endlich am Ziel. Ein paar Mutige haben sie zwar ans Unterhaltungskoma verloren. Aber sie haben die Patrone. Wenigstens eine Kopie. Im AFR-Sprech wollen sie jetzt die Verwandten des auteur (der verrückte Storch, er selbst uswetcpp) technischen Vernehmungen unterziehen. Worunter man wohl Folter zu verstehen hat. Orin in Gefahr. Und sie haben überall ihre Spitzel. In der ETA, im Rundfunk. Überall. Auch in Ennet House? Schön die Formulierung, ein Gespräch abzubrechen, „bevor die Vernehmung ein mit der Existenzfortsetzung inkmpatibles Niveau erreichte“.  Und wieder ein Wort fastbeinahe erlernt: Sybaritisch. Schlag ich morgen nach. Schnell geht’s weiter mit Lenz, der literarischen Sternfahrt durch eine Szene in verschiedenen Blickwinkeln und den Einkaufstaschen. Der rast durch menschlichen Abfall. „Die Gasse war der Katzen und der Nagetiere verlustiert gegangen“, kein Druckfehler, sondern eine dieser lustigen Fehlsprechdoppeldeutigkeiten. Lenz treibt weiter, stolpert über eine komplett verdrehte Schmutzgestalt, einen „endfertig-abgekackten Vollflopper“. Flieg ich, wenn ich das nächste Woche anwende? Wahrscheinlich.<br />
Hüpfhüpf zur nächsten Ebene, wobei sich die Flapsigkeit verbietet, wir hüpfen zu Marathe. Der rollt durch die Entzugskliniken, verschleiert und auf der Suche nach unserer Lieblingsmedusa. Sitzt zwischen vollfloppig Durchgeknallten. Einer versucht ihm einzureden, die Menschen seien gar keine Menschen. Alles Maschinen mit Hautüberzug. Ich bin Schweizer, sagt Marathe, als ob das irgendwas ändern würde. Platos Höhlengleichnis in der Verschwörungstheorieversion. Die Welt ist ein Raum, der Rest ist Projektion, Schattenspiele von 26 Menschen, denn mehr als 26 gibt’s nicht. Sagt der Kranke. Und ein Süchtiger taumelt vorbei, „attraktiv gemäß dem blonden Stereotyp der US-amerikanischen Bildkultur“. Tolle Szene wieder. Der Roman ist eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man kriegt. Im Moment haben wir Glück. Joelle auch. Die ist noch weit von Marathe und den technischen Vernehmungen weg. Und putzt. Die mutmaßlich schönste Putzfrau aller Zeiten. Jede Wollmaus verfällt vor Ehrfurcht in Katatonie.<br />
Hab ich da eben Marquis Poser alias Lothar Matthäus alias BVM tatsächlich beim Truppenbesuch im Anzug am Hindukusch gesehen? Dinge gibt es!</p>
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		<title>12. November</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 22:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[9.45. Morbus Gompert wohin man schaut. Gestern fragten sie noch nach Texten über Sport und Gefühl. Heute wissen sie schon eher, worüber wir reden, wenn wir von Depression reden. Immerhin. Aber keiner weiß, wie sichs wirklich anfühlt. Nicht verzagen, Spaß lesen. Wer den Gompert-Monolog durchlitten hat, ahnt wenigstens, wie weh das tut in jeder Zelle, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>9.45. Morbus Gompert wohin man schaut. Gestern fragten sie noch nach Texten über Sport und Gefühl. Heute wissen sie schon eher, worüber wir reden, wenn wir von Depression reden. Immerhin. Aber keiner weiß, wie sichs wirklich anfühlt. Nicht verzagen, Spaß lesen. Wer den Gompert-Monolog durchlitten hat, ahnt wenigstens, wie weh das tut in jeder Zelle, wie es die Welt verstellt, die Wirklichkeit vergiftet. Warum hab ich die Ahnung, dass bald jeder vor die Kameras tritt und behauptet ganz furchtbar depressiv gewesen zu sein. Depri a la Mode.<br />
Kate Gompert jedenfalls liegt jetzt auch am Boden. Die Sternfahrt um Matty Pemulis und Poor Tony Krause geht weiter. Kate sieht die „ganze Szene violett tingiert“. Auch hübsch. Ruth van Cleeve rast hinter Poor Tony her. Noch eine gnomige Gestalt taucht allmählich aus dem zusammenprallgestörten Wirklichkeitsnebel der Kate Gompert auf: eine lilafarbene Gestalt eines Bärtigen im Soldatenmantel, Speichelspuren im Bart. Eklig, mit Pilzbefall auf der Hand, die olfaktorische Katastrophe von einem Augenzeugen. Kate erinnert sich an den Überfall, als die hässlichste Frau des Universums (unser Poor Tony) zwischen ihnen hindurchsprang und Ruth van Cleeve ihn als Fickfehler einer Kirmeshure bezeichnete.<br />
Blickwechsel. Lenz. Folgt zwei Chinesinnen, wen immer er damit meinen will. Kate und Ruth? Lenz, der Tiertöter, sieht gefährlich bunt aus, ein Papageno der Gosse: „Lenz trug eine neongelbe Skihose, einen leicht glänzenden Frackmantel mit langen Schößen, einen Sombrero mit Holzkügelchen, die an der Krempe baumelten, eine überdimensionierte Schildpattbrille, die sich bei hellem Licht von selbst verdunkelte, und einen glänzenden schwarzen Schnurrbart, den er von der Oberlippe einer Schaufensterpuppe bei Lechmere’s in Cambridgeside abgestaubt hatte“. Lenz ist bewaffnet. Kommt an der Kackenden vorbei. Und an einem Mann, der mit Spielzeugpfeilen um sich schießt. Hatten wir den schon?<br />
Nicht ganz nachvollziehbar, um es vorsichtig zu formulieren, reden jetzt die Assassins des Fauteuils Rollants in ihrem brüllanten Deutsch. Die sitzen immer noch in Antitois’ Laden. Und irgendwie läuft alles auf den Laden der verendeten Brüder zu.<br />
Jetzt rennen wir mit Poor Tony auf seinen Pömps herum. Er hatte ein Ding im Nacken. Bei dem es sich, das weiß er aber nicht, um Ruth van Cleeve handelt. Er rennt und rennt und rennt auf die Antitois zu. Das Ding kommt immer näher.<br />
Wir hüpfen auf unseren Siebenmeilepömps in den Antitoisladen. Da sitzen die Rollis und gehen der lebensgefährlichen Arbeit des Videoguckens nach. Was sie mit der tödlichen Patrone wollen? Der Schwachstelle der US-amerikanischen Partikularinteressen eine Hoden-frappe beizubringen, nach welcher Kanada keine Lust mehr auf Vergeltungsmaßnahmen seitens der USA hätten. So ganz genau weiß ichs immer noch nicht. Aber ich bin ja auch blöd. Joelle macht sich derweil Sorgen um ihre Zähne. Die werden – wie alles ums Gehege der Zähne herum – nämlich vom Crackrauchen ziemlich ruiniert. Und ihr Zahnarzt ist Don Gately. Jedenfalls in ihrem Alptraum. Wenn ich alpträume, träum ich auch von Zahnärzten. Und die sind auch nicht schöner als die von Joelle.<br />
Hannover trägt Trauer. Bierhoff weint bei der Pressekonferenz. Alle wollen jetzt wieder viel. Vor allem mehr reden. Und ganz lieb auf einander aufpassen. Hoffentlich hält das länger, als eine Zeitung zum Verfaulen braucht. Und es wird mal geredet über ein paar dunkle Flecken auf der persilweißen Weste des Sports und dem Mutantenstadl seiner Fans. Über Doping. Über Drogen. Über Rassismus. Über Schwulsein. Über Depression.</p>
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		<title>11. November</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 09:20:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[8.15. Immer noch in der Matratzengruft. Zauberberg-Bewerbungshusten. Robert Enke hat sich vor den Zug geworfen. Kam gestern abend schon. Sieht alles nach dem großen Dunkel aus. Nach dem Morbus Gompert. Müsste man jetzt zusammenstellen, den ganzen Katalog der Depressionen, den DFW im Spaß versteckt hat. Ich nicht. Ich bin krank.
Und wenn das mit der taffen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>8.15. Immer noch in der Matratzengruft. Zauberberg-Bewerbungshusten. Robert Enke hat sich vor den Zug geworfen. Kam gestern abend schon. Sieht alles nach dem großen Dunkel aus. Nach dem Morbus Gompert. Müsste man jetzt zusammenstellen, den ganzen Katalog der Depressionen, den DFW im Spaß versteckt hat. Ich nicht. Ich bin krank.<br />
Und wenn das mit der taffen Nonnen hier nicht gleich aufhört, dann werd ich noch kränker. Immerhin wird’s jetzt antiklerikal. Der große Storch erzählt von der Ersetzung der chemischen Krücke Drogensucht zur Überlebenshilfe durch die spirituelle Krücke Katholizismus. Interessant. Gerade für einen Amerikaner. Wir hören allerdings gleich, was für ein schönes Wort, das „Röhren der Allgemeinplatzhirsche“, das sind die unter uns, die morgens, wie es der große Kollege K. ausdrückt, schon in ein Dünkelbrötchen beißen. Wir faseln durch anonyme Zellen von Drogensüchtigen oder Zellen anonymer Drogensüchtiger. Bis wir an Gately hängen bleiben, der in der Klinik liegt und augenscheinlich nicht medikamentiert werden darf, weil er ja sonst rückfällig werden könnte. Grausam. Im Fieber, der „ins Delir und wieder herausfällt, innerlich zerrissen, überzeugt, dass gewisse Männer mit Hut ihm Böses wollen“. Es tritt auf eine „Gruppe Realität ist für Leute, die nicht mit Drogen umgehen können“. Und ein großer, gelblicher Farbiger erzählt seine Geschichte. Darf man von sowas abgestumpft sein? Hatten wir doch alles schon. Das Entsetzen über den Zustand der Abschaumwelt wird nicht größer, wenn mir immer neue Bilder davon auf die Stirn gehämmert werden. Ist leider so. Immerhin führt es dazu, dass Joelle van Dyne zum ersten Mal sicher ist, dass sie clean werden möchte. Ich war schon vorher sicher, dass ich niemals nicht abhängig werden möchte.<br />
Komisch übrigens. Dass beinahe sämtliche Familien im Spaß krankmachende Zusammenrottungen psychisch unverträglicher Menschen ist, die sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen und ihre Seelen ruinieren, dass andererseits aber die einzige Hoffnung, das einzige Licht am Ende des Tunnels der Abhängigkeit ausgerechnet genau das ist – die Familie, die Kinder.<br />
Der Nonnen-Pulp geht munter weiter. Die Äbtissin wird ermordet. In Akt III „entfaltet sich dann eine veritable Vergeltungsorgie, nachdem die ganze schmutzige Wahrheit ans Licht gekommen ist: Anscheinend ist die taffe alte Vizeäbtissin, also die Nonne, die Blutschwestser aufgehoben hatte, in Wirklichkeit nicht aufgehoben worden, sondern hat in Wahrheit in über 20 Jahren des beispielhaften Novenensprechens und Hostienbackens an einer verborgenen degenerativen rezidivierenden Seelenfäulnis gelitten…“ Noch Fragen? Der Satz geht noch eine halbe Seite weiter. Wenn mal jemand ein Beispiel für einen absurden Plot sucht – Bitte.<br />
Die taffe Nonne reitet in den Sonnenuntergang auf einem scharfen Hobel. Der Film ist aus. Im Rheinland machen jetzt die Narren mobil. Wenn ich bei KiWi in Köln jemanden noch nüchtern erreichen will, der mir die Gompert-Passage freigibt, muss ich jetzt schleunigst anrufen. Ein dreifach donnerndes Olau!*<br />
*Koblenzer Karnevalsruf.</p>
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		<title>10. November</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 08:12:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[9.30. Am Wasser. Fencheltee. Entspannungsmusik. Das mit dem zu Tode amüsieren von gestern nehm ich zurück. Lag fiebrös auf dem Sofa, als Deutschland den Mauerfall feierte, total zerlegt, Durchlauferhitzer. und mit dem Zweiten wurds nicht besser. Ein musikalisch-intellektuelles Aushängeschild, ein Kessel besonders Buntes, zum Zutodeamüsieren. Der Extremintellektuelle Guido Knopp! Der Extremextremintellektuelle Thomas Gottschalk! Jon Bon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>9.30. Am Wasser. Fencheltee. Entspannungsmusik. Das mit dem zu Tode amüsieren von gestern nehm ich zurück. Lag fiebrös auf dem Sofa, als Deutschland den Mauerfall feierte, total zerlegt, Durchlauferhitzer. und mit dem Zweiten wurds nicht besser. Ein musikalisch-intellektuelles Aushängeschild, ein Kessel besonders Buntes, zum Zutodeamüsieren. Der Extremintellektuelle Guido Knopp! Der Extremextremintellektuelle Thomas Gottschalk! Jon Bon Jovi singt, weil er auch an der Mauer herum gepickelt hat! Fünf knödelige Tenöre singen Marius Müller-Westernhagen! Ein Schüler aus Düsseldorf bringt die Mauer zum Einsturz! Jetzt wissen wir endlich, wers war: Alles Westler. Wenn ich Ostler wäre, hätte ich nicht soviel fressen können, wie ich kotzen mochte. Wiedervereinigung auf „Wetten, dass…-Niveau“. Wäre ein gefundenes Fressen gewesen für DFW.<br />
Poor Tony Krause immerhin geht’s wieder besser. Der Genderdysphoriker entlässt sich selbst aus dem Krankenwagen und glaubt sich pumperlgsund. „Bloß gut, dass man nicht sehen kann, wie man aussieht.“ Wohl wahr. Noch wahrer allerdings im Zusammenhang mit Poor Tony. Der sieht sich aber schon einer grandiosen Zukunft entgegentänzeln. Die Szene kennen wir doch. DFW betreibt ein Kabinettstück des Elends. Eine Szene aus etlichen Blickwinkeln. PTK tänzelt nämlich an Matty Pemulis vorbei. PTK war auch bei einer Aktion der „Front-Contre-O.N.A.N.isme“, eine Art Müll-Flash-Mob, an denen auch die Brüder Antitois beteiligt waren.<br />
Wir müssen weiter. Hetzen durch den Hosenlatz von Ennet House. Eine kleine Liste der Namen fürs Gemächt der Häusler. Bam-Bam, Der grässliche Eber, Der polnische Fluch.<br />
Und mit Kate Gompert diversifizieren wir die Depression aus. Von der Anhedonie oder einfacher Melancholie, in die wir mehr oder weniger gegenwärtig alle driften, angefangen. Interessant wird es, als DFW sich aufmacht ins Innere des Hal Incandenza. Und da nichts findet. Nur Leere.  Kein intensives Innenlebengefühl, keine Lebensfreude, keine Wertschätzung seit Winzlingstagen. Ähnlich wie Orin. Vollkommen verkannt von Die Moms. Er ist einsam. Aber – so will es die Popkultur – er ist hip und cool, weil Anhedonie im millenialen Amerika hip und cool ist. DFW essayiert über die amerikanische Verfasstheit, über spirituelle Pubertät und was mit Kindern in der Phase geschehen kann. Wir „bekommen gezeigt, wie man Masken der Ernüchterung und der resignierten Ironie formt“. Hal, der leere Held, sagt, „dass das was sich als hippe zynische Transzendenz des Gefühls ausgibt, in Wahrheit Furcht vor dem echten Menschsein ist, denn ein echter Mensch ist wahrscheinlich unvermeidlich sentimental, naiv, schmalzanfällig und ganz allgemein erbärmlich“, „ein irgendwie nicht ganz richtig aussehendes Kleinkind“.<br />
Wir schreiten weiter runter in der Skala der Depression. Die klinische Depression, Involutionsdepression, unipolare Dysphorie. Das kennen wir nun alles schon, vgl. Kate Gompert g.g.g.o. Noch einmal erklärt am Beispiel eines schwerdepressiven Modelleisenbahner. Das ist doch alles eher ein Essay hier.<br />
Hat er wohl gemerkt. Es geht weiter mit dem Blickwinkelspiel. Ruth van Cleeve und Kate Gompert stöckeln die Straße an Matty Pemulis und PTK vorbei, durch die „Kegel epileptischen Lichts flackernder Straßenlaternen“. Die Erzählung zersplintert in Szenen gleichzeitig an unterschiedlichen Orten. Hält an bei Hal, der die taffe Nonne guckt und immer mehr Tenniselevinnen gucken mit. Wär lieber bei PTK geblieben. Das hier geht jetzt in die Beschreibung des Films über. Und den möchte ich schon gar nicht sehen.<br />
Gottschalk allerdings ist schlimmer. Und die knödelnden Tenöre. Und Jon Bon Jovi. Wie soll man dabei gesund werden. Vor lauter Eigenschämen.</p>
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		<title>9. November</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 13:59:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[13.00. Ordentlicher Tablettenkaffee. Loungejazz. Grützwurstwetter. Graupelsuppenhimmel. Sackundaschepanorama. Salzundpfefferatmo. Janztiefhängendes Wolkenjefetze. Was sollen bloß an diesem Mauerfallfeiertag die Gäste von dieser Stadt denken. 3,5 Millionen Bewohner einer ganzganz freudlosen Gasse.
Der versprengte Essay über die Kunst ein Tennisspieler zu werden. Als Star auf- und nicht gleich wieder unterzugehen. Hals Problem hockt direkt unter den Haaren. Der Mann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>13.00. Ordentlicher Tablettenkaffee. Loungejazz. Grützwurstwetter. Graupelsuppenhimmel. Sackundaschepanorama. Salzundpfefferatmo. Janztiefhängendes Wolkenjefetze. Was sollen bloß an diesem Mauerfallfeiertag die Gäste von dieser Stadt denken. 3,5 Millionen Bewohner einer ganzganz freudlosen Gasse.<br />
Der versprengte Essay über die Kunst ein Tennisspieler zu werden. Als Star auf- und nicht gleich wieder unterzugehen. Hals Problem hockt direkt unter den Haaren. Der Mann denkt. Und er hat Gefühle. Beides schlecht. Weils einen aus der Kurve tragen kann, wenn mans im rechten Augenblick nicht abstellt.<br />
Wir springen auf heute in gut einer Woche. Matty Pemulis, Bruder von meinem Lieblingspeinsack Michael, sitzt beim Portugiesen und inhaliert Suppe. Strichjunge. Bestimmt unter Drogen. Draußen zieht der Abschaum seine schleimige, übelriechende Bahn. Eine Frau kackt aufs Trottoir. Poor Tony Krause schwuchtelt vorbei, der bleiche Tod in schrillen Tüchern. Und Matty erinnert sich an seine nächtlichen Abenteuer mit Papa. Und was haben wir denn da? Wieder einen barbarischen Erzeuger, eine schreckliche Familie. Papa entlädt sich Nacht für Nacht in den Allerwertesten seines Ältesten, im Beisein seines Jüngsten. Leiste Abbitte bei Pemulis, da kann man ja nicht heile herauskommen. Das dauerhafte Ausleuchten immer der selben Finsternis hat allerdings eine ähnlich ermüdende Wirkung wie Hals gleich darauf folgender Nachmittag mit den Unterhaltungspatronen seines auch kinderseelenruinierenden Vaters, den Orin in herzzerreißender und Papa Wallace wahrscheinlich beruhigender Weise vor nicht allzu langer Zeit ja sogar verteidigt hat. Matty prostet dem blutigen Dahinscheiden seines arschfickenden Vaters zu. Hal schaut sich (jetzt sind wir aus unerfindlichen Gründen beim 11. November) „Winke, Winke, Advokat“ an, des Storchen mäßig unterhaltsamen Kurzfilm über das Schicksal einer ständig verspäteten fleischgewordenen Büroklammer, die auf dem Bahnsteig zum letzten rettenden Zug mit einem Jungen zusammenprallt, der ihn für Jesus hält. Sehr spezieller Fall für die Hermeneutiker unter uns.  Hal will sich darob bestrafen „Spaß mit Zähnen“ gucken, „Babyfotos berühmter Diktatoren“ oder „Blutschwester: Eine taffe Nonne“.<br />
So schlecht kann er gar nicht gespielt haben. Obwohl die taffe Nonne? Da könnte ich jetzt schwach werden. Der Ausblick von hier oben ist nicht zu ertragen. Da amüsier ich mich lieber zu Tode.</p>
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		<title>6./7. November</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 14:34:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[6. November
12.30. Am Wasser. Der Gnom hustet. Ich huste. Vitamin-C-Brausetablette. Graumausiges Wetter. Das Emerson Quartet spielt sich durch die Kunst der Fuge. Wenn das Wetter noch schlimmer wird, pack ich die Matthäus-Passion aus.
Höchste Zeit für einen Aufenthalt auf der Felsnase nordwestlich von Tuscon, Arizona, USA. Wir schreiben den 1. Mai im Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche, also [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>6. November</p>
<p>12.30. Am Wasser. Der Gnom hustet. Ich huste. Vitamin-C-Brausetablette. Graumausiges Wetter. Das Emerson Quartet spielt sich durch die Kunst der Fuge. Wenn das Wetter noch schlimmer wird, pack ich die Matthäus-Passion aus.<br />
Höchste Zeit für einen Aufenthalt auf der Felsnase nordwestlich von Tuscon, Arizona, USA. Wir schreiben den 1. Mai im Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche, also umgerechnet im Jahr 2009. Das Wetter ist schön. Und was jetzt kommt, hab ich leider doch schon gehört. Damals (damals! Ist gerade mal ein Monat her) in Köln. Da hörte es sich ungefähr so falb an wie diese Leberwurst von Dunst da draußen. Steeply erzählt, wie sein Vater abhängig wurde von einer Militärsatireserie namens „M*A*S*H*“, die ich auch mal für fünf Minuten gesehen hab später. „Catch 22“ fand ich besser. Aber M*A*S*H* war Kult. Jedenfalls gewährt uns die Diskussion mit dem bemerkenswert zurückhaltenden Marathe einen Einblick in die, wie könnte es anders sein, dysfunktionale Familie Steeply. Vater Steeply wird immer irrer, zitiert M*A*S*H*, erklärt alles in Bezug auf M*A*S*H*. Vater Steeply erfindet das M*A*S*H*-zentrierte Weltbild und notiert wie ein Wilder in ein paulaustereskes Notizbuch.<br />
Einschub: „Im Gegensatz zur Gewalt und transpercanten Punktierung des Sonnenuntergangs schien di Morgensonne von den runderen Vorsprüngen der Rincon-Hügelkette langsam ausgeatmet zu werden, ihre Wärme war eine tauigere Wärme und ihr Licht das vage Rot einer zärtlichen Empfindung.“<br />
Auch so eine Suchtgeschichte. Vater Steeply entwickelt Verschwörungstheorien. Vater Steeply ist auf dem Weg in die saloppe Katatonie ganz ohne Patrone, vor der Patrone. Und Mummykins (Mutter) Steeply hält sich als Fels in der M*A*S*H*-Brandung nur mit Unterstützung von Medikamenten. Vater Steeply glotzt M*A*S*H*, wo immer ers herkriegen kann und bekommt denn auch sein Lebenslicht bei einer Wiederholung ausgepustet. Ein zähes Geschäft ist das für eine Felsnadelgeschichte. Nimmt erst am Ende wieder Fahrt auf. Marathe und Steeply trennen sich, versuchen zu fassen, was in den Augen der von Unterhaltung-Getöten zu sehen ist: „Stecken geblieben. Fixiert. Festgehalten. Gefangen. Wie in einer Art Mitte gefangen. Zwischen zwei Dingen. In verschiedene Richtungen gezogen.“ Marathe: „Zwischen verschiedenen Begierden von großer Intensität bedeutet das.“ – „Gar nicht mal so sehr Begierden. Leerer als das. Als wäre er beim Wundern stecken geblieben. Als gäbe es da etwas, das er vergessen hätte.“ – „Verlegt. Verloren.“ – „Verlegt.“ – „Verloren.“ – „Verlegt.“ – „Meinetwegen.“ – Groß.<br />
Der Gnom. Der Husten. Muss jetzt Schluss machen.</p>
<p>7. November</p>
<p>15.30. Es ist kalt. Es riecht sanft nach Fäulnis. Mein Gingko espt hinter mir die letzten Blätter ab. Ein paar Blesshühner tunken sich vorbei. Zauberbergdecke über den Beinen, Mütze auf. Tee an der frischen Luft. Der Husten ist mir egal. Gleich muss ich weiterharken. Das beruhigt die Nerven wahnsinnig. Hätte ich auch nicht gedacht. Ejal.<br />
Kommts mir nur so vor oder komm ich dem Spaß immer näher? Wir schreiben jetzt den 13. November. Es ist Nacht in Ennet House. Day erzählt von der Geburt seiner Depression aus dem eisigen Hauch eines Ventilationsgeräts.  Aus der Resonanz eines Ventilators bauscht sich eine dementorenhafte große, dunkle Form auf und umfängt seine Seele. Formlos. Er ist zehn. Er wird’s nicht wieder los. Und er versteht, was Hölle meint. Das ist eine Variation dieses schrecklich erhellenden Depri-Text von Kate Gompert. „Es gibt nichts, was sich schlimmer anfühlen könnte.“ Es mag ja despektierlich sein, aber warum versucht sich DFW hier in einer Wiederholung. Gompert war unschlagbar. Das hier ist eine düstere Flatulenz dagegen.<br />
Schauplatzwechsel. Wir sind wieder auf dem Court. Hal und Ortho „Der Schatten“ Stice sollen sich duellieren. Aubrey deLint (dessen Lächeln berüchtigt ist, „sein Gesicht zerfiel in Sicheln und Scherben und zeigte keine Spur von Heiterkeit“) und Steeply als mammutige Homestory-Verfasserin für „Moment“ schauen zu. Und wir. DFWs literarische Analyse eines Aufschlags ist hinreißend. Aber wer mag schon literarische Analysen eines Aufschlags. Deswegen wird noch mehr hineingeschnitten jetzt. DeLints Debatte mit Mammut-Steeply, der vollkommen unübersichtliche Spielverlauf, Gately schnarchend weiter unten den Hang hinunter in Ennet House, Poor Tony Krause in seinem Klo, Pemulis beim Lernen, Orin beim sonnenumfluteten Sex mit seinem Handmodell. DFWs Kameraauge schweift weit aus. Und wieder zurück auf das harte Feld der Ehre. Hals Aufschlag und Spiel (wie Schach im Laufschritt!) wird analysiert. Und Aubrey deLint versucht Steeply (und uns) zu erklären, was die Academy mit ihren Schülern tut. Sie in Killer verwandeln. „Diese Jugendlichen, von denen sind die besten hier, um sehen zu lernen. Schtitts Devise lautet Selbsttranszendenz durch Schmerz. Diese Jugendlichen hier, sind hier um in etwas Größerem als ihnen selbst aufzugehen.“ Und das Wichtigste: „Den Besten von denen das Gefühl einzuschärfen, dass es nie darum geht, gesehen zu werden. Niemals. Wenn man ihnen das einschärfen kann, dann macht die Show sie nicht kaputt.“<br />
So macht selbst Tennislesen Spaß. Aber wenn ich jetzt nicht gleich die Harke wieder aufnehme, seh ich kein Blatt mehr. Morgen wird weiter gespielt.</p>
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		<title>4. November</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 22:48:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[14.30. Großraum. Hat schon mal jemand in einer Leberwurst gearbeitet? Oder in Hirnmasse? Wir sitzen hier mitten drin. Zwölf Stockwerk hoch in Hirnmasse. Und bis April wird das so bleiben. Müller-Milch Schoko. Eine Aktion DER Zeitung. Eine ganze Tüte Hüftgold in Dosen. Vollfettmilch, in der man braune Buntstifte aufgelöst hat. Müsste eigentlich auf der Felsnase [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>14.30. Großraum. Hat schon mal jemand in einer Leberwurst gearbeitet? Oder in Hirnmasse? Wir sitzen hier mitten drin. Zwölf Stockwerk hoch in Hirnmasse. Und bis April wird das so bleiben. Müller-Milch Schoko. Eine Aktion DER Zeitung. Eine ganze Tüte Hüftgold in Dosen. Vollfettmilch, in der man braune Buntstifte aufgelöst hat. Müsste eigentlich auf der Felsnase weiter machen. Hab aber enormen Rückstand bei den Fußnoten. Anlauf nehmen also und 500 Seiten überspringen.<br />
Orin telefoniert immer noch mit Hal. Und sie tauschen sich über die politischen Hintergründe der janzen Gechichte aus. Zitat gefällig? Habts nicht anders gewollt: „Was ist, wenn die separatistischen Nucks ganz genau wissen, dass, wenn die O. N. A. N.-Regierung Kanada als eine ausreichend große Schabe in der  Suppe einschätzt, Gentle und die Jungs in Weiß von den Unspezifizierten Diensten sich mit Mexikos vichyfiziertem Marionettenstaat zusammentun und Ottawa so richtig die Daumenschrauben anlegen können?“ etc. pp. usf. usf. Ein Text wie Leberwurst. Und dann wieder ein Satz, den wir demnächst regelmäßig auf Texte anwenden: „Du hattest schon immer große Angst vor Tiefenprüfung.“<br />
Mitten im Telefonat bricht die Verbindung ab und die Fußnoten in den Fußnoten fangen an. a bis l. Von „Fragen Sie nicht“ bis „Die Pro-kanadische Phalanx Calgary“. Was das soll? a!<br />
Es blubbert weiter. Man lernt was über die Volkmann-Kontraktur, die mit Marios Deformation zu tun hat, lernt, dass Mario (das im Text zu erwähnen, hätte den Rahmen gesprengt, sagt DFW) auch noch hyperauxetisch ist „und die zwei- bis dreifache Größe von Kopf- und Gesichtszügen normaler Kobold-bis-hockey-großer Menschen mitbringt“ und ein Homodont ist er auch.<br />
DFW breitet auch eine merkwürdige Theorie des Eschaton-Spiels aus, die „echt interessant ist, wenn man das Interesse dafür mitbringt und was weiß ich“. Bring ich nicht. Dauert gut drei Seiten. Mit Graphik. Dann kommen Wäschekörbe aus geflochtenem Plastik, die Charakteristik von Pemulis als kompromissloser Rache-ist-ein-Kaltgericht-Gourmet“ und die Erfindung eines Fachartikels über den Verrückten Storch: Ursula Emrich-Levine (University of California-Irvine), „Dem Gras beim Wachsen zusehen, während einem mehrmals ein stumpfer Gegenstand über den Schädel gezogen wird: Fragmentierung und Stasis in James O. Incandenzas Witwer, Spaß mit Zähnen, Teezeremonie in der Schwerelosigkeit und Der Ehevertrag von Himmel und Hölle“, Art Cartidge Quarterly Bd. III, Nr. 1-3, Jahr des Perdue-Wunderhuhns“. Das muss einen Höllenspaß gemacht haben, das erfinden. Stasis. Hab das schon mal nachgeschlagen. Müsste man wohl auch drüber dissertieren. Hab ich Alzheimer?<br />
Orin plaudert den ganzen Kunschtmumpitz aus, mit dem El Storko, Er Selbst, die Filmtheoretiker aller Efeuligen dieser Erde aufs Kreuz gelegt hat. Die plemplemoide Erfindung des Drame trouvé. „Die haben ein Telefonbuch von Metro-Boston geholt, aufs Geratewohl eine Seite rausgerissen und an die Wand gepinnt, und dann hat der Storch die von der anderen Seite des Zimmers aus mit einem Darts-Pfeil beworfen. Und der Name, den der Pfeil traf, gab das Thema vom Drame trouvé vor. Und was dem vom Pfeil getroffenen Protagonisten in den nächsten anderthalb Stunden gerade passiert, das ist das Drama.“ Danach wird mit Filmkritikern gefressen, über Neorealismus gelacht. Überflüssig zu sagen, dass keiner sich für das interessiert, was der Protagonist tatsächlicht tut in den neunzig Minuten. Zu sehen ist nüscht. Das aber mit Schmackes.<br />
Ist das schon wieder Schnee da draußen? Wird ja wohl keine gigantische Bulldogge sein, die sich oben auf der Springerei stehend gewaltig schüttelt und frauhollemäßig Schleimflocken rieseln lässt. Igitt. Will wieder nach Schalsingen.  </p>
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		<title>3. November</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 11:46:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[22.30. Wieder am Wasser. Schuberts letztes Streichquartett. Durchschnittlicher deutscher Rotwein von der Farbe blutunterlaufener Alkoholikeraugen. Traurig hält draußen eine rote Kinderkarre im Laub seine schniefende Nase Richtung Sonnenaufgang. Hoffentlich kommt jetzt was Lustiges. Wenn weiter geprügelt wird, mach ich die Tür auf und geh eine tödliche Runde schwimmen dahinten.
Eine Liste.  Technisches Zeug, das DFW [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>22.30. Wieder am Wasser. Schuberts letztes Streichquartett. Durchschnittlicher deutscher Rotwein von der Farbe blutunterlaufener Alkoholikeraugen. Traurig hält draußen eine rote Kinderkarre im Laub seine schniefende Nase Richtung Sonnenaufgang. Hoffentlich kommt jetzt was Lustiges. Wenn weiter geprügelt wird, mach ich die Tür auf und geh eine tödliche Runde schwimmen dahinten.<br />
Eine Liste.  Technisches Zeug, das DFW nur erfunden hat, um Ulrich Blumenbach zu quälen. Die Arbeit der Zukunft, die halt leider einen leichten Bart hat. Ein Essay über das Fernsehen der Zukunft, das maßgeschneiderte, private. „Eine haltlose, raumlose Welt privaten Schauens. Ein neues tausendjähriges Reich unter Gentle und Lace-Forché.“ Alle wollen alles sehen überall jederzeit, alle können auch überall und jederzeit dabei sein. Da sind wir tatsächlich. Und es regt keinen mehr auf. Insofern tut DFWs gar nicht so unterschwellige Entrüstung ganz gut. So nostalgisch sie einem fast vorkommt. Es kommt zum Metro-Bostoner Teichleeren. Was ein ganz seltsames Schauspiel sein muss. Madame Psychosis wird wieder vermisst. Und es gibt einen fiesen Angriff eines maskierten Rollstuhlfahrers, der wie eine Pistensau auf Skiern einen Hang hinunterstocht und einen Techniker auf die – naja – Hörner nimmt, alles überrollend, was ihm im Weg liegt.<br />
Ein eher traumatesques Teil, das. Nicht lustig. Jetzt wird’s konkreter. Jetzt geht’s ums Essen. 133 Jungs und Mädels in DFWs Hogwarts. So ist es halt in Internaten. Wer pubertäres Großraumessen noch nie mitmachen durfte, der muss das lesen. So isses. Wer schon, wird sich leicht langweilen. Eine Reportasche aus dem Innern der E. T. A. Zauberschule nur ohne Gespenster. Bisher jedenfalls. Mastikationen, wohin man liest (M.: vulgo Kauen). Held des großen Fressens ist Ortho „Der Schatten“ Stice. Weswegen ein neues Kapitel dieses Katalogs der familiären Dysfunktionalitäten aufgeschlagen wird. Schwarzbuch Familie. Nachschlagewerk für alle angehenden Jugendamtsbeamten. Nebenbei entspinnt sich eine Diskussion über Milchprodukte (bei uns wurde immer befürchtet, sie täten uns Hormonabschweller ins Brot). Die Milch kommt aus „ovaloiden Mammärbeuteln“. Bei uns wurde sie in Minitretapaks zu schwindelnden Ablösesummen verhökert. Die lezithinhaltige Schokoladenmagermilch kenn ich aber auch. Schmeckt wie Magermilch, in der man brauen Buntstifte aufgelöst hat. Die E. T. A. ist doch eine Aussenstelle von Hogwarts, Dinge verschwinden in der E. T. A., noch schlimmer: Dinge tauchen auf einmal auf, wie eine kanonenartige Ballmaschine mitten in der Damensauna. Wo sie nun wirklich nicht hingehört. Troeltsch ist, sagt jemand, so blöd, dass er glaubt „Fellatio“ sei eine italienische Oper. Da ist er nicht allein mit seiner Blödheit. Das glauben auch Zweidrittel der bundesrepublikanischen Bevölkerung, wohlmeinend geschätzt. Kyle Colyle fängt einen kurzen Witz an, dessen Pointe drei Seiten weiter geliefert wird. Das Kapitel schnellt in den sexten Gang und ergeht sich über die kaum vorhandene Sexualität der Academiker. Und dann erzählt DFW wie Ortho „Der Schatten“ Stice aussieht und wir versinken wieder ein bisschen tiefer ins Sofa: „Stice gehört zu den Sportlern, deren Körper eine unverdiente Gottesgabe ist, weil er überhaupt nicht zum Gesicht passt. Er ähnelt einem schlecht zusammengeklebten Foto, einer übermenschlichen Pappfigur mit einem Loch für das menschliche Gesicht. Ein herrlicher Sportlerkörper, geschmeidig, konisch, glatt und von muskulöser Eleganz &#8211; … -, auf dessen anmutigem Hals das Gesicht eines verwüsteten Winston Churchill sitzt, eine breite Schwartenvisage, dunkel, fleischig, grobporig, mit einer fleckigen Stirn unter dem V-förmigen Haaransatz des Bürstenschnitts, Tränensäcken und Hängebacken, die bei plötzlichen oder schnellen Bewegungen das fleischige Stakkato ines Hundes produzieren, der sich trocken schüttelt“. Bulldogge. Nur schütteln die sich nie trocken. Für die braucht man einen Regenschirm. Weiße Schaumflocken fliegen dann. Wie da gerade da… Ist das Schnee? Ogottogott.</p>
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		<title>2. November</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 14:27:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[18.00. Basel Euroairport. Teuerkaffee. Novembriger Nieselregen vor den Fenstern. Kein Flugzeug weit und breit. Vor anderthalb Stunden hätte es losgehen sollen. Jetzt geht noch eine halbe Stunde nix mehr. Zuviele kranke Piloten, heißt es. Der Zwölfkilomann hat Spaß. Immerhin.
Er sitzt in einem Auto. Da ist er immer glücklich. Muss der Genpool sein. Es sieht tatsächlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>18.00. Basel Euroairport. Teuerkaffee. Novembriger Nieselregen vor den Fenstern. Kein Flugzeug weit und breit. Vor anderthalb Stunden hätte es losgehen sollen. Jetzt geht noch eine halbe Stunde nix mehr. Zuviele kranke Piloten, heißt es. Der Zwölfkilomann hat Spaß. Immerhin.<br />
Er sitzt in einem Auto. Da ist er immer glücklich. Muss der Genpool sein. Es sieht tatsächlich ein bisschen so aus, wie Gatelys Halbsinner beim Umparken. Draußen in Basel ist es auch mindestens so duster wie drinnen im Buch in Boston. Und irgendwas läuft ganz gewaltig schief vor Ennet House. Lenz entwickelt sich in seiner Bedröhntheit zur olfaktorischen Katastrophe, sein Auge eiert in der Höhle. Den kann man doch nicht mehr an Steuer lassen, der führe wie ein Zwölfkilomann. Gately bleibt nichts übrig. Und ob man Glynns ausgeweideten Käfer auf die andere Straßenseite bekommt, bevor ihn der Abschleppwagen einfängt wie Ernst Jünger seine Krabbler… Alles, was ich je losgelassen habe, hat Krallenspuren. Steht auf Glynns Tür. Sowas kauf ich mir auch. Glaubt mir zwar keiner, hilft aber vielleicht. Doony R. Glynn, mit Divertikulitis im Bett liegend, entspinnt einen voll verpeilten Dialog mit Gately, der bloß die Schlüssel für die Karre, den „Raserati“, „den Kugelporsche, des Doonulators fahrbaren Untersatz“. Da schreits und draußen ist die Hölle los. Die Autos parken wild und ein paar ausländerigen Typen halten die Insassen mit einer Wumme in Schacht. Sie wollen Rache für den geschächteten Köter, den Lenz auf dem Gewissen hat. Wie in Zeitlupe gleitet jetzt alles ins tödlich Chaos. Lenz redeschwallt sich in Gatelys Rücken. Gately weiß nicht, was er tun soll. „Immer beschleunigt und verlangsamt sich alles zugleich.“ Gately bricht mehrere Knochen, wird halb aufgeschlitzt. Der will uns doch nicht von der Fahne gehen, den brauchen wir doch noch. Echt, sehr echt diese PrügeleiMesserstechereiSchießerei. Ein einschlägiges Ballett. Eine Schlägerei alle gegen alle. Es wird gekotzt. Schädel werden gespalten. Der Blutverlust ist nicht gering. So schön hat noch kaum einer übers Zufügen massiver Verletzungen geschrieben. Es wird alles immer noch schlimmer. Früher endete der Tag mit einer Schusswunde. Keiner will die Pullizei rufen, weil sie irgendwie alle Bewährung haben. Ein Wachmann hilft, der ist aber hackedicht. „Ich befehl der gansen Sitatschon sofodd Halt und Cheine Beweung.“ Das hätte Erich Honecker nicht schöner sagn können.<br />
Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll. Eher weinen. Ist alles so traurig. November. Ich will nach Hause.</p>
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		<title>1. November</title>
		<link>http://www.unendlicherspass.de/2009/11/03/1-november/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 13:52:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[13.30. Über Schalsingen. Der Sommer endet hier. Picknick in den Obstgärten mit Blick auf die Vogesen. Blauer Himmel. Duft von sanft faulenden Birnen. 20, in Worten: Zwanzig Grad in der Sonne. Leiser Wind aus der Provence. Ein leichter Gut… Jetzt hör ich aber auf. In Berlin blasen schließlich alle Trübsal, die ich kenne. Falls jemand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>13.30. Über Schalsingen. Der Sommer endet hier. Picknick in den Obstgärten mit Blick auf die Vogesen. Blauer Himmel. Duft von sanft faulenden Birnen. 20, in Worten: Zwanzig Grad in der Sonne. Leiser Wind aus der Provence. Ein leichter Gut… Jetzt hör ich aber auf. In Berlin blasen schließlich alle Trübsal, die ich kenne. Falls jemand übrigens wandern will mit dem Spaß: Er passt auch ins Fach eines Kindertragerucksack. Führt allerdings im Zusammenwirken mit einem kleinen Zwölfkilomann zu üblen roten Streifen auf den Schultern.<br />
Wie komm ich von diesem bukolischen Mittag in die emotionale Kälte von Orin Incandenza? Am besten ansatzlos. Orin liegt mit dem halbschweizer Handmodell, einer fremdgängigen Mutter, im Hotelbett und quält sich maschinell durch die postkoitale Phase. Eigentlich ist der Mann frigide, wenn das Männer sein können. Lustempfangsgestörter Lustspender.  „Es verschaffte ihm echte Lust, in dieser Phase den Eindruck von Zuwendung und Intimität zu vermitteln“, nur falsch halt. Echt ist da auch nix. Es klopft und Orin grinst sich eins über die Panik seines „Subjekts“. Ihm ist das wurscht. „Schweizer Hahnreie, heimlichtuerische Gesundheitsattachés aus dem Nahen Osten, mollige Zeitungsjournalistinnen: Er war auf alels gefasst.“ Wie kommt der auf den Gesundheitsattaché? Das ist unter DFWs normalem Niveau. Das Gespräch, das Orin dann mit dem Rollstuhlfahrer hat, der vor der Tür steht und eine Umfrage zu machen vorgibt, während sein Schweizsubjekt versteckt unter der Bettdecke um Luft ringt, ist allerdings nobelpreisverdächtig. Abgefahren (ist das jetzt schon minderheitenophob?).<br />
Hätte ruhig länger sein können. DFW sperrt uns schnell wieder in Ennet House ein. Zu Gately. Wir sehen ihn beim allnächtlichen Beschließen zu. Die Frage, warum das so elend lang dauert, bis die Nacht tatsächlich über das Drogistenseelensilo hereinfällt, muss noch, habs gerade nachgeschlagen, dreißig Seiten auf Beantwortung warten. Irgendwas Finsteres bereitet sich vor. Im Moment allerdings erzählt DFW von einer finsteren Abzocke, auf die auch das Berliner Ordnungsamt hätte kommen können. Vielleicht sollte ich das nicht zu laut schreiben. In Boston, selbst in der Sponsorenzeit noch arm und nicht sehr sexy, dürfen Autos nur auf jeweils einer Straßenseite parken. Und die Straßenseite wechselt punkt 0.00 Uhr. Und punktum 0.01 fallen Streifenwagen und Abschleppdienste über ihre Beute her. Was für Gately bedeutet, dass er die motorisierten seiner sackflöhigen Insassen auf die Straße scheuchen muss.<br />
Viel Spaß. Muss jetzt Schluss machen. Der Zwölfkilomann stolpert, blutigrot vor Marmelade um den Mund, auf meinen Spaß zu, bewaffnet mit Wachsmalstift. „Maln! MAHLN!“ In Bücher malen, darf aber nur ich. Quod licet jovy, non licet… Jetzt red ich schon wie Vatern, furchtbar.</p>
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		<title>31. Oktober</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 13:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[23.30. Cabernet mitos, anscheinend noch so ein önologischer Testbetrieb, dunkelschwarz, knapp unterhalb der Schnapsgrenze, ein verschladererter Wein sozusagen. Aber großartig. Noch ein bisschen Zelenka, der war auch ein bisschen verschladerert, aber noch großartiger als der Wein. Familie schläft. Draußen bellt ein Hund gegens Blätterrauschen an. Es ist nachtschwarze Nacht. Schritte. Ein Mann im Mantel.
Ach nee. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>23.30. Cabernet mitos, anscheinend noch so ein önologischer Testbetrieb, dunkelschwarz, knapp unterhalb der Schnapsgrenze, ein verschladererter Wein sozusagen. Aber großartig. Noch ein bisschen Zelenka, der war auch ein bisschen verschladerert, aber noch großartiger als der Wein. Familie schläft. Draußen bellt ein Hund gegens Blätterrauschen an. Es ist nachtschwarze Nacht. Schritte. Ein Mann im Mantel.<br />
Ach nee. Der ist im Buch und heißt Randy Lenz. Schon fast vergessen. Jetzt latscht er mit seinen Loafern durch vermülltes Suburbia. Es ist nachtschwarze Nacht. Bruce Green sieht ihn. Folgt ihm. Beobachtet ihn. Sie sind in einem heruntergekommenen Viertel, in dem Musik läuft, die Marsianer in die Flucht schlagen würde. Ukululelehawaiihemdmusik. Das ist noch großartiger als der Wein und der Zelenka. Wie DFW hier zwischen magischer Nachtbeschreibung, Bewegungsbeobachtung und neuem aus der Innenerinnerungwelt des Bruce Green hinundherrast, welchen Zug diese total simple Geschichte bekommt bis zum horrorfilmhaften Nichtaufblitzen des Messers, das Lenz dem gigantischen Hund durch die Kehle zieht. Die Verdichtung von Atmosphäre und Musik. Lenz sagt es etwas, das „wie ,Da hast du’s’ klingt, er stößt den Hund von sich in dne Vorgarten, die Gestalt oben am Fenster gibt einen schrillen Männerlaut von sich, der Hund geht zu Boden und prallt mit dem fleischigen Knirschen eines 32-Kilo-Sacks Mini-Eiswürfel auf die Seite“. Das ist alles nicht nett. Aber eine von diesen finsterbergmadigen Szenen, die einen durchhalten lassen.<br />
Noch 30 Tage.<br />
Randy Lenz läuft weg, verfolgt von einem Montego und berollschuhten Quebecoisnanern. Mario Incandenza eiert herein. Der nachtwandelt, hat seltsamerweise den Kontakt zu Hal verloren und fühlt sich wohl in Ennet House, weil das ganz echt ist. Echt ist auch so eine Kategorie im Spaß, über die man eine Doktorarbeit schreiben könnte. Was Mario in dieser Sequenz aber besonder offenbart, ist seine Begeisterung für Madame Psychosis und ihre Rundfunksendungen. Gerade die frühen, an denen noch was echt war, mit Sachen, die echt sind.  Pemulis erzählt, er hätte da eine Idee für einen telefonischen Gebetsservice für Atheisten, wo der Atheist die Nummer anruft und am anderen Ende klingelt es nur endlos. Aber keiner geht ran. Kann keiner lachen in der E. T. A.<br />
Das unendliche Geschehen dieses Tages setzt sich dann tatsächlich in Ennet House fort, wo Gately einen klitzekleinen Einblick in die bürokratischen Aufgaben eines Betreuers in Ennet House gibt, was beweist, dass es da auch nicht besser ist, als einem gottverlassenen kleinen Krankenhaus in Wanne-Eickel. Kate Gompert, erfahren wir immerhin, sitzt wieder tief in ihrem schwarzen Loch, zu dessen Aufhellung nicht unbedingt beiträgt, dass sie Sylvia Plate liest. Steht da so. Kennt Gately wohl nicht. Sonst hätte er der Suizidalen das Buch der Suizidistin weggenommen.<br />
Gately betritt die Frauenabteilung. „Mann im Anmarsch“ muss er rufen. Wenn ich das gleich mache, werde ich mit William Boyds „Einfache Gewitter“ beworfen. Ist zwar leichter als der Spaß, tut aber trotzdem weh. Am Kopf. </p>
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		<title>30. Oktober</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 13:46:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[16.30. Staufen. Viel Wasser, viel Alkohol. Pilgerstätte für St. Obstler. Welche Folgen C2H5OH-Abusus haben kann, sieht man im Angesicht des Rathauses. Sie wollten die Wärme der Erde nutzen, bohrten in wahrscheinlich angeschladerertem Zustand so für sich hin. Und jetzt muss alle naslang ein Statiker durchs Rathauscafé toben und erklären, ob man da noch Kuchen verkloppen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>16.30. Staufen. Viel Wasser, viel Alkohol. Pilgerstätte für St. Obstler. Welche Folgen C2H5OH-Abusus haben kann, sieht man im Angesicht des Rathauses. Sie wollten die Wärme der Erde nutzen, bohrten in wahrscheinlich angeschladerertem Zustand so für sich hin. Und jetzt muss alle naslang ein Statiker durchs Rathauscafé toben und erklären, ob man da noch Kuchen verkloppen kann oder nicht. Alles über 14.5 % ist Verbrechen.<br />
Zurück zu Herrn Röttgen. Sieht man mal von Blumenbachs Arslanian-Leistung ab, die wunderbar verknäueltes Deutsch aufs Papier bringt, ist der Dialog eher enden wollend, es wird modernmythischer Stoff durchgejagt. Was mit atomarer Müllverstrahlung in Flora und Fauna entstehen kann. Die gigantischen Hamster zum Beispiel. Seltsame Wälder. Ein Regenwald auf sterabolischen Anoiden, wie das dann da heißt.<br />
Pemulis findet in der Muslima immerhin eine neue Urinlieferantin, weil sie ja so rein herumlebt in der unreinen E. T. A. Welt. Orin sieht einen Rollstuhlfahrer (hat unser Finanzminister… nee, das verbitt ich mir). Und ist einem „skalpskrakelierenden Wind“ ausgesetzt.<br />
Es geht mal wieder wild durcheinander in diesem Abschnitt. Jetzt ist der Lenz wieder da. Und wieder eine der Geschichten aus der Geschichtenbaumschule des verunfallten, vertrottelten Baufacharbeiters. Lenzens Mutter, fett wie eine Tonne oder zwei, sitzt im Busklo. Das Fenster ist offen, weil – naja, wieso schon. Da holpert der Bus massiv über eine Baustelle und Frau Lenz hängt mit nackten vier Buchstaben an der frischen Luft. Sie bekommt eine ultrasatte Abfindung, an der sie sich final überfrisst. Toll, aber wahrscheinlich genauso aus dem Netz geklaut wie der Baufacharbeiter. Wg. Erbschaftsstreitigkeiten im Hause Lenz erfindet Herr Blumenbach erfindet die Winkelavocados. Das muss man sich einfach merken, wenn man wieder mal einen Anwalt beschimpfen will.<br />
Es stirbt noch eine Mutter. Unter gruseligen Umständen. An einem Scherzartikel. Wenn DFW keinen Mutterschaden hatte, weiß ichs nicht. Und Frau Mama fährt immer noch brav zu allen Gedächtnisveranstaltungen. Familien sind was Wunderbares.</p>
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		<title>26. Oktober</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 00:29:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[17.30. Burg Baden. Übers Rheintal fällt der Dunst herein wie eine der Ado-Gardinen von früher. Die Lichter der französischen Chemiefabrik direkt hinter Grenze beginnen orange zu flackern. Und am Horizont geht allmählich die Sonne unter, leuchtet wie Saurons böses Auge über die Berge.
Mr. Dooney R. Glynn erzählt gerade, dass er im Jahr des Herrn, pardon, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>17.30. Burg Baden. Übers Rheintal fällt der Dunst herein wie eine der Ado-Gardinen von früher. Die Lichter der französischen Chemiefabrik direkt hinter Grenze beginnen orange zu flackern. Und am Horizont geht allmählich die Sonne unter, leuchtet wie Saurons böses Auge über die Berge.<br />
Mr. Dooney R. Glynn erzählt gerade, dass er im Jahr des Herrn, pardon, im Jahr vor der Sponsorenzeit 1989 sich eine etwas übertriebene Menge einer Droge reingepfiffen habe, die er nur „die Madame“ nannte. Als Folge habe er, sagt er, mehrere Wochen lang unter einem Bostoner Himmel gelebt, der keine sanftgekümmte blaue Kuppel mit Schäfchenwolken, Sternen und Sonnen mehr war, sondern ein flaches, rechteckiges, kaltes euklidisches Raster mit schwarzen Achsen und eienm fadenfeinen Linienréseau“. Dafür zu wissen, was ein Linienréseau ist, bin ich wieder zu doof. Was mich aber viel mehr reizen würde, als die Lektüre der Doktorarbeit über das Blau im Spaß, wäre eine Arbeit über den Himmel im Wallace’schen Gesamtwerk. Meine Einstiegsdroge war jedenfalls die Formulierung „ein Himmel wie Hirnmasse“ am Anfang von „Kleines Mädchen mit komischen Haaren“ (dessen Setting mit den verlassenen Kindern auf der Kuhweide mich fatal an einen Shortlistroman dieses Jahres erinnert).<br />
Glynn, stellt sich übrigens raus, muss wohl der fatale Arbeiter gewesen sein, dem gleich am Anfang die Ladung Ziegel durch unglaubliche Blödheit seinerseits auf den Schädel geplumpst ist. Er soll, steht da, derart geschielt haben, „der konnte mitten in der Woche stehen und beide Sonntage sehen“. Herrlich.<br />
Bewiesen ist jetzt auch – schnell noch, bevors hier zu dunkel und zu kalt wird – dass der Kollege Blumenbach und Walter Moers geistesverwandt sind. Es geht wieder einmal um Drogentests und darum, wie man sie umgehen, fälschen kann. Es könne jeder einen E. M. I. T.-Urintest finkeln. Leitet sich wohl von fingieren ab. Finkeln kenn ich aber als Tunwort vor allem aus den Gimpelgesetzen. Die wiederum finden sich in den „13 ½  Leben des Kapitän Blaubär“, weswegen wir kurz das darin sich befindende „Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung“ von Professor Abdul Nachtigaller zitieren. Unter „Gimpelgesetze, die“ findet sich unter Punkt 9: „Du sollst nicht rückwärts finkeln!“ (und unter 10: Du sollst nicht vorwärts finkeln!). Kein Mensch weiß übrigens und auch kein Gimpel, was finkeln ist. Man muss es halt nur lassen.<br />
Punkt 12 heißt übrigens: Du sollst nach der Stadt mit dem Namen Anagrom Ataf gehen, und wenn du sie gefunden hast, sollst du sie fangen und zu deiner Heimstatt machen für immerdar! Da geh ich jetzt hin. Sieht mir inzwischen sowieso alles sehr nach Fata Morgana aus hier. </p>
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		<title>29. Oktober</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 13:20:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Krekeler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[17.30. Badenweiler. Nieselregen. Nix zu sehen. Hochnebel hängt über Hang. Kein Hochmut gegenüber den Daheimgebliebenen. Eigentlich müsste man jetzt in die Sauna. Oder irgendwas anzünden. Das einzige, was ich habe ist der Spaß. Den geb ich nicht her. Hab ihn sogar hier im Fenster liegen sehen. „Unendlicher Spaß“ in Badenweiler – Kursangebot im Kurhaus „Gut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>17.30. Badenweiler. Nieselregen. Nix zu sehen. Hochnebel hängt über Hang. Kein Hochmut gegenüber den Daheimgebliebenen. Eigentlich müsste man jetzt in die Sauna. Oder irgendwas anzünden. Das einzige, was ich habe ist der Spaß. Den geb ich nicht her. Hab ihn sogar hier im Fenster liegen sehen. „Unendlicher Spaß“ in Badenweiler – Kursangebot im Kurhaus „Gut vorbereitet stirbt sichs leichter“. Seltsam. Gerade Brutto-Netto-Guido im Fernsehen gesehen bei der Amtsübergabe. Sah aus wie Hanno Buddenbrook bei der Abiturfeier, wenn er sie erlebt hätte.<br />
Orin hat so was ähnliches wie Sex. Die Hormone spielen verrückt im „Spaß“. Er hat in sen sexten Gang geschaltet (steht da wirklich, kein Kalauer von mir). Ein Sexgesicht schaut in ein anderes Sexgesicht. Es geht nicht um Hormone, Instinkte, steht da, es geht um Hoffnung, „die unermessliche Hoffnung, weit wie der Himmel, unter den flatternden Lidern eines jeden Subjekts etwas zu finden, das die Hoffnung günstig stimmen, ihr irgendwie Tribut zollen möge“. Schön. Aber Orin hat Angst vor der „alles auslöschenen Dreifaltigkeit von Dir und Mir zum Uns“.<br />
Jetzt wird’s allmählich total finster hier. Und kalt. Fühlt sich an wie Hamburg. Was statistisch gesehen ziemlich gemein ist, weils in Hamburg auch nicht schlechter ist als in Berlin.<br />
In der E. T. A. prallt eine augenbindoide Dame (wenn Idris ein weiblicher Vorname ist) namens Idris Arslanian auf Ted Schacht. Und der Kollege Blumenbach muss wieder mal ein kleines Kunstwerk vollbringen: eine verunfallende Sprache neu erfinden. Frau Arslanian radebrecht, dass es eine Art hat, ein armenischdeutscharabisches Wortmischmasch. Sie quatschen über einen weiteren behinderten Tennisspieler, der es geschafft hat, als Blinder in die Charts zu kommen – was um Himmels willen kommt noch, einen mit einem Tropf hatten wir schon, jetzt einen Blinden. Schaunwermal. Idris Arslanian: „Ich gebühre ihm mein Mitleid in toto“. Toll.<br />
Es geht wieder um Müllentsorgung, um Kontamination. Und Idris nimmt mir die Worte aus dem Hirn: „Mein Kopf dreht sich auf seiner Achse.“ Atomarer Abfall. Ein Kapitel für Herrn Röttgen. Den hab ich heute auf der „Zeit“ gesehen. Mit Loddar und dem neuen Schweinegrippenbeauftragten. Wo war da Herr Niebel? Der Ich-mache-mein-Amt-überflüssig-Minister für Abwi…, pardon Entwicklungshilfe. Deutschland wird dunkel und kalt. Ich geh kochen. Die Kontamination kann warten.</p>
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