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	<title>Unendlicher Spass &#187; Hans Wedler</title>
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		<title>Im Rückspiegel</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 11:51:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Wedler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit einigen Tagen schon lebe ich ohne den US. Und es fehlt mir eigentlich nichts. Bis auf  eine Antwort auf die Frage: Wie war’s denn nun so? Die will ich hier versuchen.
Was mir gefallen hat:
	US ist ein unterhaltsames Buch. Gelangweilt hat es mich nie. Das lag an der scheinbar unerschöpflichen Sprachakrobatik und der unendlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einigen Tagen schon lebe ich ohne den US. Und es fehlt mir eigentlich nichts. Bis auf  eine Antwort auf die Frage: Wie war’s denn nun so? Die will ich hier versuchen.</p>
<p>Was mir gefallen hat:</p>
<p>	US ist ein unterhaltsames Buch. Gelangweilt hat es mich nie. Das lag an der scheinbar unerschöpflichen Sprachakrobatik und der unendlichen Fülle der verschachtelten, teilweise auch nebeneinander her laufenden Geschichtchen und Geschichten.<br />
	An einigen (wenigen) Stellen verdichtet sich der Text zu einer faszinierenden Intensität, Größe und Wahrhaftigkeit, insbesondere zwischen den Seiten 800 und 1100, wenn die vom Autor aufgebaute innere Distanz schwindet, so als habe er sie da gar nicht mehr nötig.<br />
	US hat im Vater J.O. Incandenza einen beeindruckenden Charakter, einen hoch intelligenten, weit über den Tellerrand hinaus blickenden, kreativen Menschen, der allerdings an sich selber scheitert: Er ist unfähig zur Mittelmäßigkeit, zur Selbstbescheidung, unfähig auch zu ertragbaren zwischenmenschlichen Beziehungen. Ein in gewissem Maße „heroischer“ Charakter.<br />
	Gately ist der Gegencharakter. Er ist fähig zur Menschlichkeit, stets auf der Suche nach Wärme und Geborgenheit, jedoch aufgrund seiner Herkunft mit so extrem schlechten Voraussetzungen zum Leben ausgestattet, dass er sehr früh in die Kriminalität abgleitet und da auch nicht mehr herauskommt. So ist auch er zum Mittelmaß nicht fähig – wenn auch von einer anderen Seite her als J.O.I.<br />
	US ist auch eine bestürzende Reportage über die Realitäten im Leistungssport, über den damit verbundenen Stress, die nicht enden wollenden Entbehrungen und die Deformierungen, die angehende Athleten schon in jungen Jahren erleiden und zum großen Teil nicht unbeschadet aushalten. Ein Thema mithin, das in diesen Tagen  ganz Deutschland bewegt.<br />
	US ist eine immense, substantielle Kritik an einer sinnentleerten Gesellschaft, die ihren Individuen scheinbar nur noch die Flucht in die Selbstbetäubung erlaubt, während die maßgebenden politischen Lenker unter einer Glocke sarkastischer Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit agieren. Profit und Erfolgsgier haben die Götter ersetzt und zerstören die Menschen und ihre Umwelt. Statt einer Lösung, die in Form eines großen Knalls eine Befreiung aus diesem selbst gezimmerten Käfig hätte sein können, endet der Roman – leider realistisch – als individualisierter alptraumhafter Tagtraum. </p>
<p>Was mir nicht so gefallen hat:</p>
<p>	US ist nicht der vielleicht erwartete epochale Roman, vor allem weil er PARS PRO TOTO nimmt. Eine letztlich kleine gesellschaftliche Randgruppe wird als repräsentativ für das Ganze dargestellt. Andere gesellschaftliche Strömungen und Kräfte – als die in der Sucht Gescheiterten, die Erfolgsjunkies und die terroristischen Antipoden – treten fast überhaupt nicht in Erscheinung. Die Dialektik gesellschaftlicher Mechanismen, die immer eine Vielfalt individueller Erscheinungen kreiert, wird ignoriert.<br />
	Die bisweilen bis ins Zwanghafte reichende Technik des Romans führt überraschenderweise auf Dauer zur Beliebigkeit: Man kann weiter lesen, kann es aber ebenso gut auch lassen. (In diesem Blog war zu lesen, dass man offenbar sogar mehrere Hundert Seiten schadlos überspringen kann!) Falls DFW diese Beliebigkeit als Grundthese in seinem Roman vermitteln wollte, als Grundgefühl für den Leser, so ist er dem eigenen PARS PRO TOTO-Nehmen aufgesessen.<br />
	Gestört hat mich hier und da die ins Monströse gesteigerte Lust der Schilderung  von an Grausamkeit kaum noch überbietbarer Sadismen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass dadurch die Intensität des Geschehens gesteigert, sondern dass sie eher gemindert wurde. Diese Passagen waren beispielhaft für das Zuviel, das die Distanz (manchmal bis zur Gleichgültigkeit) vergrößert und das, so hatte ich schon nach 800 Seiten vermutet, vor allem dem Autor dazu dient, durch eine Übersteigerung in die Groteske die (fiktive) Wirklichkeit besser ertragen zu können.<br />
	Eine Entwicklung von Personen, von Charakteren, wie sie gewöhnlich einer Romanhandlung ihren Drive gibt, findet nicht statt. Der Leser erfährt zwar die Vorgeschichten vieler auftauchender Protagonisten, diese wirken aber durchgehend wie klinische Anamnesen, d. h. sie sind auf den Ist-Status zugeschnitten. Eine Ausnahme sind ansatzweise Entwicklungen bei J.O.I., Gately und bei Orin, die aber eher Nebenerscheinungen bleiben, den Duktus des Geschehens nicht bestimmen. US wirkt dadurch erstaunlich statisch.<br />
	DFW stellt (aus meiner Sicht) im US verallgemeinernd sein eigenes Drama dar: das Drama eines Hochbegabten in einer Welt, die zwar unbegrenzte Möglichkeiten, ihm aber keinen Sinn bietet; dem Mittelmäßigkeit versagt ist; der (auch aus diesem Grunde) dem Zugriff der ihn einklemmenden Zange nicht entkommt, deren eine Klaue die depressive Verzweiflung ist, die andere Klaue die die Depression mildernden Substanzen (Drogen, Psychopharmaka).<br />
	Dieser – im US auf viele Köpfe verteilte – „Opfer-Held“ erinnert in gewissem Sinne an Goethes Werther, der sich auch nicht im Mittelmaß bescheiden mochte. US bekommt dadurch geradezu einen idealistischen Zug. </p>
<p>Um es am Ende kurz zu sagen: In den (später publizierten) Erzählungen wie in „Oblivion“ und in den „Brief Interviews with Hideous Men“ hat mir DFW als Schriftsteller um Längen besser gefallen – und mehr mitgeteilt. </p>
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		<title>Das Grauen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 18:46:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Wedler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[„Technisch großartig, dieses Werk, die Ausleuchtung und die Winkel bis in die Details der Einzelbilder geplant. Aber seltsam hohl und leer, ohne Gespür für ein dramatisches Telos – keine narrative Entwicklung auf eine richtige Geschichte hin; keine emotionale Entwicklung auf ein Publikum hin &#8230; Für Joelle waren diese Filme eher die Selbstgespräche eines hochintelligenten Menschen.“
Joelles [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Technisch großartig, dieses Werk, die Ausleuchtung und die Winkel bis in die Details der Einzelbilder geplant. Aber seltsam hohl und leer, ohne Gespür für ein dramatisches Telos – keine narrative Entwicklung auf eine richtige Geschichte hin; keine emotionale Entwicklung auf ein Publikum hin &#8230; Für Joelle waren diese Filme eher die Selbstgespräche eines hochintelligenten Menschen.“</p>
<p>Joelles Beschreibung ihrer ersten Eindrücke von den frühen Filmen des J.O. Incandenza (S. 1063) klingt so, als charakterisiere DFW seinen eigenen Roman. Und wie zur Bestätigung meiner Anmerkungen vom 17.10. („Nach 800 Seiten &#8230;“), dass das im ganzen Buch spürbare, Distanz schaffende Zuviel vor allem für den Autor notwendig sei, um die Realität besser zu ertragen, heißt es kurz darauf über Hals verstorbenen Vater: Es sei so, als habe „er nicht anders gekonnt, als aufblitzende Menschlichkeit zu zeigen, nur um sie dann so kurz und unanalysierbar wie möglich zu halten, weil sie ihn sonst irgendwie kompromittiert hätte“.</p>
<p>Dass DFW letztlich doch eine moralische Wirkung des US intendierte, zeigt eine anschließend kurz beschriebene Filmsequenz des J.O.I., eine vierminütige „reglose Aufnahme“ von Gian Lorenzo Berninis „Verzückung der heiligen Theresa“. Die „Stasis der klimaktischen Statue“ präsentiere „in einer verborgenen Geste, die geradezu etwas Moralisches hatte, &#8230; die Selbstvergessenheit im Alkohol als der in Religion/Kunst untergeordnet“. Satire hingegen wird eine klare Absage erteilt. Satire stamme in der Regel von Menschen, „die selber nichts Neues zu sagen hatten“.</p>
<p>Was DFW Neues zu sagen hat, findet sich (vor allem) zwischen den Seiten 800 und 1100, die ich als bisherige „Klimax“ des Buches erlebt habe, Seiten, in denen über weite Passagen hin dieses Zuviel wie weggeblasen und die Distanz nahezu aufgehoben ist. Es geht um eine Beschreibung der in allen ihren Winkeln ausgeleuchteten Depression. Das so viele Buchseiten einnehmende Suchtproblem und die sadistischen Grausamkeiten erscheinen hier nur als deren Teilaspekte. </p>
<p>Nach einer Darlegung des stumpfen bis verzweifelten Erlebens der „Anhedonie“ als depressives Symptom (S. 994 ff.), das Wallace auch als Folge der indoktrinierten Fehlerwartung beschreibt, persönliche Leistung und „Erfolg“ stabilisiere das Selbstwertgefühl, kulminiert sein Bericht in der absoluten Einsamkeit, die ein Mensch in den schwersten Phasen der Depression erleidet, eine Einsamkeit, die sich am schmerzhaftesten im Zusammensein mit den Nächststehenden zeigt. Hals Mutter, heißt es, „hört ihr eigenes Echo aus ihm heraus, glaubt aber, ihn zu hören, und das gibt Hal das einzige Gefühl, das er seit einiger Zeit bis Oberkante Unterlippe fühlt: Er ist einsam“. </p>
<p>Es ist die gleiche abgrundtiefe Einsamkeit, wie sie von DFW in den letzten Monaten vor seinem Suizid – und übrigens auch von Heinrich von Kleist – dokumentiert ist. Wallace´ Schilderung der Depressionsstadien würde jedem medizinischen Lehrbuch zur Ehre gereichen. </p>
<p>Ausdrücklich stellt DFW das depressive Erleben des Individuums in einen gesellschaftlichen Rahmen. „Anhedonie und innere Leere“ würden in der amerikanischen (man könnte auch sagen: in der westlichen) Gesellschaft als „hip und cool“ behandelt. Der daraus resultierende „missmutige Zynismus“ sei nach der Pubertät, die dafür besonders anfällig sei, „nicht mehr wegzukriegen“. Gefühl sei in Amerika gleichbedeutend mit Naivität. Und Naivität sei „in der Theologie des millenialen Amerika die letzte wahrhaft schreckliche Sünde“. </p>
<p>Wallace stellt auch die Frage, warum untadelige, liebevolle und geduldige Eltern so viele „emotional zurückgebliebene“, „egozentrische“, „chronisch depressive“ und „von narzisstischem Selbsthass verzehrte“ Kinder aufziehen. Sie findet sich in dem Bericht des einst engsten Freundes von Orin, Marlon K. Bain, gegenüber einer gewissen „Ms. Helen Steeply“ (in der Endnote 269) und ist auf Avril Incandenza gemünzt, Hals Mutter. Das gleiche Thema hat DFW in fast identischer Form in der späteren Erzählung „Suicide as a Sort of Present“ verarbeitet. </p>
<p>Am eindrücklichsten aber stellt DFW das Erleben der Depression in einer nächtlichen Beichte (S. 934 ff.) des Ennet-House-Insassen Geoffrey Day dar: als das absolute Grauen. „Es stieg auf  und wuchs und verschlang alles und war grauenvoller, als ich es je ausdrücken könnte&#8230; Seit jenem Tag verstehe ich intuitiv, warum Menschen sich umbringen.“ Ein Suizid erfolge nicht etwa aus nüchtern bilanzierendem Abwägen oder „weil der Tod plötzlich reizvoll erscheint“, sondern weil er „der etwas kleinere Schrecken zweier Schrecken“ sei. Deshalb auch seien die bei Therapeuten so beliebten „Nicht-Suizid-Verträge“ schlicht „grotesk“ – sie verstärkten nur die Einsamkeit des Depressiven. </p>
<p>Knapp 200 Seiten bleiben mir noch zum Lesen bis zum Ende des Buches. Mehr an Kulmination abgründiger Verzweiflung aber bedarf es eigentlich nicht. </p>
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		<title>Nach 800 Seiten &#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Oct 2009 14:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Wedler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach mehr als 800 Seiten US ist es mir jetzt gleich zweimal passiert, mitten in der Nacht trotz überquellender Müdigkeit mit dem Lesen nicht aufhören zu können. Zuvor war es problemlos gewesen, an beinahe jeder beliebigen Stelle, nicht ohne das schwarze Trauerband positioniert zu haben, die Schwarte zuzuklappen und bei nächster Gelegenheit irritationslos den Faden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach mehr als 800 Seiten US ist es mir jetzt gleich zweimal passiert, mitten in der Nacht trotz überquellender Müdigkeit mit dem Lesen nicht aufhören zu können. Zuvor war es problemlos gewesen, an beinahe jeder beliebigen Stelle, nicht ohne das schwarze Trauerband positioniert zu haben, die Schwarte zuzuklappen und bei nächster Gelegenheit irritationslos den Faden an gleicher Stelle wieder aufzunehmen. Langweilig war das Lesen ja nie – dafür sorgten die Überfülle der Bilder und Ereignisse, die immer wieder staunenswerte Virtuosität der Sprache, die Übersteigerungen und Kuriositäten, bunt wie auf dem Jahrmarkt. </p>
<p>Jetzt aber plötzlich war mit eisernem Griff Krimi pur. Zunächst die so harmlos intonierte Wanderung der Herren Lenz und Green durchs nächtliche Boston, bis der smarte Sadist seine Selbstentlastungsaktionen um einen Tick überzieht. Und dann die mitternächtliche Straßenschlacht als böse Folge der Grenzüberschreitung mit einem Totschläger als napoleonischem Helden im Getümmel. Hat es irgendjemand geschafft, da mittendrin das Lesen einzustellen und sanft zu entschlummern? </p>
<p>Und das, obwohl auch in dieser lang hingezogenen Szene immer ein Portiönchen des Zuviel spürbar ist, zu viel der splitternden Knochen, der blitzenden Messer, der Augenhöhlen perforierenden Pfennigabsätze. Das Zuviel, das den ganzen Roman durchzieht und immer etwas Distanz schafft zur fiktiven Realität, als ließe sich diese, vielleicht vor allem für den Autor, so besser ertragen: als Groteske, als ein Lächeln bei aller Betroffenheit. </p>
<p>Nur ganz selten verzichtet Wallace in seinem Text auf dieses Distanz schaffende Zuviel – und erreicht dann urplötzlich Dimensionen, wie man sie aus einigen der – später entstandenen – Erzählungen (aus „Interviews“ und „Oblivion“) kennt. Zum Beispiel wenn in einer Schilderung des schnellen Sex die Sehnsucht anklingt, „dass sie ihn eine Sekunde lang mehr liebt, als sich ertragen lässt“ (S. 816). Oder wenn, quasi zur Erklärung, ein paar Zeilen später eine verschämte Klammer Auskunft gibt, weshalb Orin ständig wechselnder Sex-Partnerinnen bedarf: „Denn gäbe es für ihn jetzt nur die eine spezielle, dann wäre der Einzige nicht er oder sie, sondern das, was zwischen ihnen wäre, die alles auslöschende Dreifaltigkeit von Dir und Mir und Uns. Orin hat das einmal empfunden, sich nie davon erholt und wird sich auch nie erholen.“</p>
<p>Für den, der dieses urmenschliche Thema, Quelle aller Melancholie und Poesie, nichts als verquast romantisch oder kitschig findet, fügt DFW gut 30 Seiten später eine Klage Marios an, dass „echt echte Sachen“ heutzutage als „unangenehm“ empfunden werden, deren man sich „genieren“ müsse: „Als gäbe es eine Vorschrift, dass echte Sachen nur erwähnt werden dürfen, wenn man gleichzeitig die Augen verdreht oder auf nicht glückliche Weise lacht.“</p>
<p>Aber es sind immer nur Augenblicke, in denen DFW sich aus der Schutz gebenden Deckung des Distanz schaffenden Zuviels herauswagt, schon der Balance zuliebe. </p>
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		<title>DFW &#8211; life!</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 13:59:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Wedler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Durch allerlei Reisen und damit verbundene Abhaltungen bedingte Lesepausen, zweimal sogar von mehr als einer Woche, haben zwar nicht zum Zeitrückstand (das Ding liest sich ja auffallend leicht), aber zu einer gewichtigen Erkenntnis geführt: Keinerlei Entzugserscheinungen! Man kann den US also lesen, und man kann es ebenso gut auch lassen. (Das gilt jedenfalls für mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Durch allerlei Reisen und damit verbundene Abhaltungen bedingte Lesepausen, zweimal sogar von mehr als einer Woche, haben zwar nicht zum Zeitrückstand (das Ding liest sich ja auffallend leicht), aber zu einer gewichtigen Erkenntnis geführt: Keinerlei Entzugserscheinungen! Man kann den US also lesen, und man kann es ebenso gut auch lassen. (Das gilt jedenfalls für mich und ist auch ein bisschen enttäuschend.)</p>
<p>Ohnehin ist nach dem Alban-Nikolai-Herbst-Beitrag vom 09. September, der sehr weitgehend mein eigenes Leseerleben wiedergibt, zu diesem Thema nicht mehr allzu viel zu sagen. (Wobei ich es noch immer als exzeptionellen Luxus empfinde, dass die abendliche Lektüre, wenn der Tag mit seinen Aufgeregtheiten praktisch vorbei ist, über den egozentrischen Mehr-oder-minder-Genuss hinaus einen besonderen zusätzlichen Sinn bekommt – dadurch, dass man sich in einer gemeinsam lesenden, reflektierenden, von einem Rahmen gehaltenen, wenn auch unsichtbaren, virtuellen Gruppe fühlt.)</p>
<p>Die in den Blog-Beiträgen (da längere Zeit offline, konnte ich sie sie nicht kontinuierlich lesen, sondern habe sie jetzt in toto konsumiert – wobei mich manche Beiträge an die von DFW ironisch zitierte „Mode“ erinnerten, „Kunst aus den Accessoires künstlerischer Inszenierung zu erschaffen“, S. 331), die in einigen Beiträgen also immer wieder auftauchende Frage, ob Erzählweise und Struktur im US wohl durchdachter Planung und kunstvollem Kalkül folgen oder einfach nur, einem Naturereignis gleich, „geschehen“, mag durch ein in der Zeitschrift „The Onion“ Anfang 2003 erschienenes Interview mit Claire Thompson spotlightartig beleuchtet werden. (Claire Thompson, jugendliche Professorin für politische Wissenschaften – und nicht zu verwechseln mit der Titelfigur aus DFWs bitterer Erzählung „The View from Mrs. Thompson´s“ aus dem gleichen Jahr –, war seit Anfang 2001 für zwei Jahre DFWs Partnerin, bevor er Karen Green heiratete.)</p>
<p>Das Interview ist vor allem deshalb aufschlussreich, weil es fünf Jahre vor seinem Tod und der danach folgenden nahezu sakralen Bewunderung und Glorifizierung publiziert wurde, und soll hier für jene, die es noch nicht kennen, zusammengefasst (und mit meinen eigenen Worten) erwähnt werden. </p>
<p>Bei Rückkehr von einer Reise hatte DFW Claire Thompson einen dicken, verschlossenen Briefumschlag mit den Worten überreicht, er habe unterwegs über einiges nachgedacht und wolle sein Leben auf ganz andere Weise neu beginnen. Der Inhalt des Briefes werde ihr alles erklären. Thompson berichtet, sie habe den Umschlag zunächst gar nicht geöffnet, da sie gedacht habe, es sei wieder einmal eine seiner ausgedehnten Abhandlungen – über die Gründe zum Beispiel („was weiß ich“), weshalb er künftig keinen industriell verarbeiteten Zucker mehr essen wolle oder weshalb er das Fernsehgerät hinausgeworfen habe. Oder so etwas wie die in 88 durchnummerierten Punkten gegebene Erläuterung, weshalb er keine Geburtstagsparty wünsche. Oder aber etwa wie der Brief, in dem er erklärt hatte, weshalb er künftig „Dave“ genannt werden wolle, mit einer über viele Seiten reichenden Aufzählung aller Personen namens Dave und David, denen er in seinem bisherigen Leben jemals begegnet war. </p>
<p>Erst als DFW sie zwei Tage später angerufen und nachgefragt hatte, was sie über den Brief denke, habe sie den Umschlag geöffnet, sich hingesetzt und die ersten 20 von insgesamt 67 Seiten mit dem Titel „Breakup Letter For Claire – Rough Draft“ gelesen.</p>
<p>An DFWs Texten habe sie es immer als ärgerlich empfunden, dass man sich bis zur Mitte durchlesen müsse, bis man verstehe, wovon auf der ersten Seite überhaupt die Rede ist. So sei in diesem Brief von einem „Der Schwätzer“ genannten Menschen die Rede gewesen, bis sie endlich auf Seite 11 verstanden habe, dass ihr Freund Renée damit gemeint gewesen sei, sodass sie alles noch einmal von vorn habe lesen müssen. Und dann die vielen Fußnoten, selbst in seinen Liebesbriefen! Ihrer Meinung habe er da übertrieben.</p>
<p>Nach 20 Seiten habe sie die Lektüre des Briefes schließlich unterbrochen, um das Abendessen zu machen, und jenen am anderen Morgen in einer Schublade verstaut – wo er (zum Zeitpunkt des Interviews) noch immer liege. Möglicherweise werde sie sich den Rest noch einmal vornehmen. In gewisser Weise sei sie schon neugierig, wie das Ganze ausgeht. Aber dann wieder – sie kenne ja ihren David – „it probably just leaves a whole bunch of loose ends untied“ (m.a.W.: möglicherweise bleibt ein ganzes Bündel loser Enden im Raum stehen). </p>
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		<title>Höhen und Tiefen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Aug 2009 13:45:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Wedler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit einiger Sorge bemerke ich den von Tag zu Tag spürbareren Suchtfaktor – eine Art Craving in den frühen Abendstunden, wenn nach Erledigung der Alltagsgeschäfte die Lesezeit naht, mittlerweile schon gegen Mittag. Noch nicht so stark wie bei Wallace´ Drogenhelden, „Meiner Wenigkeit“ zum Beispiel (S. 185 ff.), aber doch irritierend. Wird sich das ausweiten? Vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einiger Sorge bemerke ich den von Tag zu Tag spürbareren Suchtfaktor – eine Art Craving in den frühen Abendstunden, wenn nach Erledigung der Alltagsgeschäfte die Lesezeit naht, mittlerweile schon gegen Mittag. Noch nicht so stark wie bei Wallace´ Drogenhelden, „Meiner Wenigkeit“ zum Beispiel (S. 185 ff.), aber doch irritierend. Wird sich das ausweiten? Vor allem: was wird nach dem Ende, nach der letzten Seite sein? Kalter Entzug? Oder geht dann, wie Harald Staun vor einer Woche in der FAS schrieb, der Spaß erst richtig los und wir fangen noch einmal von vorne an. Das erinnert allerdings gefährlich an die tödliche Wirkung der Endlosschleife. Mit anderen Worten: Ist unser Schicksal damit bereits besiegelt? (Das ist es ohnehin.)</p>
<p>Dabei ist die Lektüre doch alles andere als ein Spaß, eher versuchte Aufheiterung eines zunehmend in abgrundtiefe Traurigkeit Verfallenen. „Damit sich der Leser gerade nicht unterhält“, schrieb Ulrich Blumenbach im Zusatz-Material, „erschwert der Autor ihm die Lektüre“. Am stärksten irritierte mich anfangs die zeitliche Desorientiertheit, Schwindel bis leichte Übelkeit erzeugend. Zu wissen, was wann wo passiert, einschließlich aller Vor- und Rückblenden, war bislang, scheint mir, eines der Axiome allen Erzählens, eine Art Klammer (extrem im „Ulysses“ und in den „Jahrestagen“). Offenbar hat Wallace (beinahe) ernst gemacht mit Neals Überlegung (in „Good Old Neon“), dass wir mit der Zeit zwar allerlei messen können, nicht jedoch den Ablauf der Zeit selber, sodass wir nicht wissen können, ob es überhaupt einen Ablauf gibt oder ob sich alles, was je gedacht und gesagt wurde, wie ein „Blitz“ entfaltet, den wir „Gegenwart nennen“. Inzwischen hat sich der Schwindel gelegt – dank Endnote 24, die wie inzwischen auch einige andere Zeitmarken des Autors eine gewisse Orientierung im Ablauf dieser albernen „Sponsoren-Jahre“ erlaubt. </p>
<p>Offenbar hat DFW das Prinzip zeitlicher Relativierung auch auf den Umgang mit der Realität übertragen. Sodass der Leser oft nicht weiß, ob das Geschriebene so oder anders gemeint ist und einen verborgenen Hintersinn birgt. Oder ob es sich einfach um ein Versehen, eine Flüchtigkeit handelt. Hat es eine Bedeutung, dass Hals Kollege Jim Struck auf Seite 74 plötzlich (und nur hier) den Vornamen James bekommt? Ist es dem Autor wirklich entgangen (S. 106), dass Kalzium-Injektionen auch in den 1990er Jahren schon längst nicht mehr das Mittel der Wahl gegen Hyperventilationssymptomatik waren (ersetzt durch die kausal und nicht nur symptomatisch wirksame Plastikbeutel-Rückatmung)? War es Absicht, dass (in Endnote 28) die gängige Wirkstoffbezeichnung SSRI um ein S verkürzt wurde?</p>
<p>Manchmal aber enthalten diese winzigen, vordergründig ganz unbedeutenden Aberrationen kleine „unerzählte“ Geschichten. So wenn sich (in Endnote 24) der Name einer der an Incandenzas Produkten beteiligten Schauspielerinnen von Film zu Film um einen Bindestrichnamen verlängert – zuletzt um den ihres Partners im vorausgegangenen Streifen. Da darf sich der klatschsüchtige Leser allerlei denken. Und pure Freude bereitet natürlich (gleichfalls in der manisch-voluminösen Endnote 24) die Entdeckung, dass die letzten Filme Incandenzas einschließlich des finalen, Tod bringenden Machwerks von der Firma P.Y.E.U. produziert wurde („Poor Yorick Entertainment Unlimited“). </p>
<p>Der vor zwei Tagen von Kolja Mensing geäußerten Meinung, dass die psychiatrische Erstexploration einer suizidalen Patientin (ab S. 99) lehrbuchreif und dass Kate eine „Musterpatientin“ sei, kann ich mich allerdings nicht anschließen. Genau wie Neal seinen Psychoanalytiker (in „Good Old Neon“) gelingt es Kate nach kurzer Zeit, ihren Doktor „wie ein Hund seinen Spielknochen herumzuschubsen“, und DFW rührt dabei zugleich an eines der Grundprobleme moderner Krankenbehandlung, ob es denn ethisch vertretbar ist, dem Verlangen des Patienten nach einer bestimmten Therapieform nachzukommen, solange der Arzt von deren Indikation noch keinesfalls überzeugt ist. </p>
<p>Verschärft wird die Sache dadurch, dass im „Unendlichen Spaß“ wie schon in vielen DFW-Erzählungen immer wieder Hochbegabte auftauchen (Abbilder des Autors?). Wie Neal (in „Good Old Neon“) vergeudet Ingersoll seine „hohe Intelligenz &#8230; für das unstillbare Bedürfnis &#8230; Eindruck zu schinden“ (S. 164 f.). Weil Hal „Teile seiner selbst in ihm wieder erkenn(t)“, widert der ihn an. Erneut wird hier spürbar, dass Hochbegabung – wie ihr Gegenstück, die Debilität – ein Makel, eine Form der Behinderung ist. </p>
<p>Nachdem bisher (S. 182) nur die Möglichkeit angedeutet wurde, dass es einen die tödliche Wirkung von „Infinite Jest“ aufhebenden Anti-Film geben könnte, habe ich vorerst auf mein eigenes Antidot zurückgegriffen und bin zwei Tage lang im Südschwarzwald gewandert. (Sehr empfehlenswert der Halbhöhenweg zwischen Saig und Kappel und der Schluchtenstieg bei Ruhbühl!) Auch hier Höhen und Tiefen. Und nachher Blasen unter den Zehen. Aber Wallace entgeht man selbst dadurch nicht. Unter dem Stichwort „Verstiegenheit“ notiert er (in Endnote 36): „Einsames Wandern in verwüstetem, verwirrendem Gebiet jenseits aller kartierten Grenzen und Orientierungspunkte“. Nein, man entgeht ihm nicht. </p>
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		<title>Als Antidot: Wandern</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 12:12:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Wedler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon der Titel klingt ja nicht gerade einladend. Auch wenn die prodromalen Zeitungsberichte vor Erscheinen der deutschen Ausgabe von „Infinite Jest“ den startbereiten Leser über die zentralen Vorkommnisse im Buch bereits gut informiert hatten, denkt dieser doch zunächst unweigerlich an die von DFW in seiner Kreuzfahrt-Reportage beschriebenen drei klassischen Spielarten der Todesverdrängung in der modernen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon der Titel klingt ja nicht gerade einladend. Auch wenn die prodromalen Zeitungsberichte vor Erscheinen der deutschen Ausgabe von „Infinite Jest“ den startbereiten Leser über die zentralen Vorkommnisse im Buch bereits gut informiert hatten, denkt dieser doch zunächst unweigerlich an die von DFW in seiner Kreuzfahrt-Reportage beschriebenen drei klassischen Spielarten der Todesverdrängung in der modernen Gesellschaft: die „Ertüchtigung“ (zum Übertünchen des Verfalls), die „Entspannung“ (i. S. von Abschalten aller Wahrnehmung) und eben das „gnadenlose Vergnügen“. Dahinter aber lauern, heißt es dort, Traurigkeit, Verzweiflung und Todessehnsucht. </p>
<p>Immer wieder musste ich in diesen Tagen an die Ausstellung von Richard Long (derzeit in der Tate Britain) denken – als diametralen Gegenentwurf zu der Welt, wie Wallace sie uns vorführt. Long, der Wanderer auf vorher erdachten geometrischen Figuren, mal einige hundert Meilen schnurgeradeaus, mal in immer größer werdenden konzentrischen Kreisen um einen markanten Punkt herum, in Kanada, der Mongolei, in der Sahara oder in Mittelengland, Steine sammelnd, Wege markierend – er setzte sich schlicht der Natur, dem Kosmos aus und reflektierte dabei, was geschah: nichts weiter, als dass sein Wandern die Landschaft und die Landschaft zugleich ihn veränderte. Das Bewusstsein der Endlichkeit und die Todesnähe selbstredend inbegriffen. Alles andere als ein „unendlicher Spaß“, wenig Humor, auch keine Entspannung und erst recht keine Geschäftigkeit. </p>
<p>Vielleicht ist Richard Long so etwas wie ein Pionier und Wallace als Schriftsteller dann einer, der dem Pionier hinterher schaut.  </p>
<p>Nachdem der Postbote, pünktlich am 20. d. Monats, den Backstein mir ins Haus getragen hatte, fand ich mich sogleich wieder eingefangen. Zunächst mit starrer Miene an einem blanken Konferenztisch sitzend, dann auf den Fliesen einer öffentlichen Toilette am Boden liegend, stundenlang beschäftigungslos wartend in einer ziemlich eintönigen Wohnung. Als kleiner Lichtblick auf Seite 36 die erste der herbeigesehnten, bei DFW so markanten Fußnoten, die in diesem Buch Endnoten sind; diese erste noch ein bisschen unspektakulär. Eines der zwei zuvorkommenderweise vom Verlag eingelegten Trauerbänder markiert nun die Seite 1411.  </p>
<p>Erst jetzt wird mir deutlich, dass auch in DFW´s Erzählbänden von körperlicher Bewegung wenig die Rede ist, dass die Protagonisten meist in Statik verharren. Wenn überhaupt Bewegung, dann wird mit dem Auto gefahren, bis auch das (in The Suffering Channel) während eines Regengusses im Matsch stecken bleibt und versinkt. In der Tristan-Erzählung führt der einzige dokumentierte Gang den Mörder Reggie Ecko durch den Strandsand zu seinem Isolde-Opfer, und auch der gute alte Neon hat bei seinen Versuchen, das Heucheln zu verlernen, zwar Rennradtouren und Joggen erprobt, aber eben nicht das Wandern. Nur in Wallace´ erstem Roman, dem Besen im System, wurde noch veritabel gelaufen, mal auf dem Campus eines College, gegen Ende sogar bei einer ausgedehnten Exkursion durch eine Freizeit-Erholungs-Wüste.   </p>
<p>Vergeblich fahndete ich übrigens vorn und hinten im Unendlichen Spaß nach dem doch eigentlich obligatorischen Hinweis des Verlags auf mögliche gesundheitliche „Risiken und Nebenwirkungen“ der Lektüre von mehr als 1500 Seiten. Als (einziger?) Banause unter lauter Philologen und Literaten sehe ich mich, sozusagen professionell, veranlasst zu einer entsprechenden Info über lauernde Gefahren: Kopfschmerzen infolge Genickstarre, gestörter  Schlafrhythmus, Angstträume (die Warnung kommt leider bereits zu spät: siehe <a href="http://www.unendlicherspass.de/2009/08/18/zusatzmaterial/">Beitrag von Georg M. Oswald</a> von gestern!), Adipositas infolge Fehlernährung, Fettleber nach unkontrolliertem Alkoholkonsum, Inaktivitätsarthose aller vier Sprunggelenke, Unterschenkelthrombose, Ulnarisparese (bei einseitiger Buchhaltung), Obstipation mit nachfolgenden Hämorrhoiden, Depression (aus vielfältiger Ursache). </p>
<p>Was man dagegen tun kann? Bewegung, natürlich! Aber nun nicht gleich ins Fitnessstudio, denn das wäre – tiefenpsychologisch betrachtet – eine Form des Mitagierens, da die Welt des DFW ja leider mehr oder minder auch die unsrige ist und Mitagieren die Distanz aufhebt und den Blick fürs emotionale Ganze trübt. Es reicht auch, alle zehn Seiten mit straffem Gang dreimal durch alle Wohnräume zu laufen oder einmal ums Haus. Oder eben wandern. Zehn Kilometer geradeaus, wenn zufällig vor Ihrer Tür eine Wüste liegen sollte. Eine Steppe  tut’s auch. (Nur nicht in einem Moor!) Oder auf der Direttissima hinauf auf Ihren Hausberg und in weiten Spiralen wieder bergab. Á la Richard Long. Versuchen Sies mal! Viel Spaß dabei! </p>
<blockquote><p>Prof. Dr. med. <strong>Hans Wedler</strong>, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Ehem. Ärztlicher Direktor der 2. Medizinischen Klinik (Klinik für Internistische Psychosomatik) Bürgerhospital Stuttgart. In den Heilbronner Kleist-Blättern wird demnächst ein Aufsatz von ihm über Kleist und Wallace erscheinen.</p></blockquote>
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