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	<title>Unendlicher Spass &#187; Kolja Mensing</title>
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		<title>24 genres</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 20:43:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kolja Mensing</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Genre folgt auf das nächste. Der Teenager Hal könnte der Protagonist eines Bildungsromans sein, der Abschnitt im Umkleideraum der Enfield Tennis Academy erinnert an einen klassischen Internatsroman, gleichzeitig gibt es auf den ersten zweihundert Seiten einige Stellen, die einen Familienroman andeuten. Man findet essayistische Absätze, Lehrbuchprosa und kleine enzyklopädische Abhandlungen, und dann ist da [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Genre folgt auf das nächste. Der Teenager Hal könnte der Protagonist eines Bildungsromans sein, der Abschnitt im Umkleideraum der Enfield Tennis Academy erinnert an einen klassischen Internatsroman, gleichzeitig gibt es auf den ersten zweihundert Seiten einige Stellen, die einen Familienroman andeuten. Man findet essayistische Absätze, Lehrbuchprosa und kleine enzyklopädische Abhandlungen, und dann ist da natürlich der Science-Fiction-Rahmen, über den in diesem Blog schon einiges geschrieben wurde. </p>
<p>Richtig gut gefällt mir die doch recht beliebte Spiel mit den Genres in der Literatur allerdings nicht, und auch David Foster Wallace hat mich noch nicht ganz überzeugt. Zunächst einmal liegt der Verdacht nahe, dass ein Autor, der immer wieder von einem Genre ins nächste wechselt, unbedingt Könnerschaft ausstellen möchte. Das wirkt dann doch eitel. Darüber hinaus verleitet dieses Verfahren zur Parodie, und das hinterlässt bei mir dann jedes Mal ein schales Gefühl. Ich mag zum Beispiel Agententhriller, und wenn ich in diesem Roman jetzt die Passagen mit Steeply und Marathe lese, die mit ihren taktisch bis zur Unverständlichkeit reduzierten Dialogen und ihrer Jack-Bauer-meets-Bill-Hegel-Philosophie genau dieses Genre auf groteske Art imitieren, fühle ich mich irgendwie um meinen Spaß gebracht. Auf den ersten Blick deutet alles auf gute Unterhaltung hin, aber dann ist gar nicht so gemeint. Und ich soll dann auch noch darüber nachdenken, wie toll das gemacht ist?</p>
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		<title>&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 16:05:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kolja Mensing</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;An solchen Tagen braucht man eine komplett neue Syntax für Erschöpfung.&#8221;
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;An solchen Tagen braucht man eine komplett neue Syntax für Erschöpfung.&#8221;</p>
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		<title>Liebe mein Symptom, nicht mich selbst</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 19:53:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kolja Mensing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Kates Geschichte ist die erste, an der ich länger hängen geblieben bin. Seite 99ff.: Katharina A. Gompert, genannt Kate, ist 21 Jahre alt, stammt aus Newton, Massachusetts und arbeitet  als &#8220;Datenbankangestellte&#8221; in einer Immobilienfirma. Sie leidet an unipolaren Depressionen und hat bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich. Diesmal hat sie es mit einer Überdosis Tabletten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kates Geschichte ist die erste, an der ich länger hängen geblieben bin. Seite 99ff.: Katharina A. Gompert, genannt Kate, ist 21 Jahre alt, stammt aus Newton, Massachusetts und arbeitet  als &#8220;Datenbankangestellte&#8221; in einer Immobilienfirma. Sie leidet an unipolaren Depressionen und hat bereits zwei Selbstmordversuche hinter sich. Diesmal hat sie es mit einer Überdosis Tabletten probiert. </p>
<p>Kate hat zwei Tage auf der Intensivstation verbracht und ist anschließend in die Psychiatrie verlegt worden. Ein junger Arzt besucht die Patientin in ihrem Zimmer und wird angenehm überrascht. Alles ist wie in einem Lehrbuch. Bereits die Haltung, in der Kate auf ihrem Bett liegt, &#8220;die Knie an den Leib gezogen und die Hände um die Knie gefaltet&#8221;, gleicht einer Illustration auf dem Titelblatt eines psychiatrischen Standardwerkes. Der Arzt macht sich Notizen zu ihrer fehlenden Mimik, er stellt befriedigt  fest, dass die Zähne der Patientin &#8220;die von klinisch Depressiven traditionell vernachlässigte Dentalhygiene bekunden&#8221; und dass er ihr vom professionellen Standpunkt aus nur zustimmen kann, als sie über ihre Gefühle während ihrer letzten Krise spricht: &#8220;Angst macht einen Großteil der Panikattacken aus.&#8221; </p>
<p>Kate ist also eine Musterpatientin, und vielleicht kann man diesen Abschnitt als raffinierte, selbstbezügliche Parodie auf das Verhältnis der Kritik zur Literatur lesen. Ein Literaturkritiker ist ja genau wie der junge Arzt in diesem Kapitel stets entzückt darüber, wenn das Buch, mit dem er sich gerade beschäftigt, seine Erwartungshaltungen erfüllt.  &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; ist in diesem Sinne ein äußerst angenehmer Fall, da dieses Buch mit seiner fragmentierten Handlung, seiner Vielzahl von Stimmen und seinem pseudowissenschaftlichen Apparat  auf den ersten Blick vieles von dem zu bestätigen scheint, was ein postmodernes Werk ausmacht. </p>
<p>Gleichzeitig ist dieser Roman einem Berufsleser beziehungsweise einem &#8220;literarischen Gutachter&#8221; weit voraus. Gut möglich, dass dieser Text jede noch so gewagte literaturkritische Diagnose bestätigen wird, ohne dabei wirklich etwas von sich preiszugeben – genau wie Kate, die die Standardprozedur eines Erstgespräches auf der psychiatrischen Station gut genug kennt, um bei Bedarf die passenden Symptome zu jedem Krankheitsbild zu liefern:  &#8220;Ich mach das ja schließlich nicht zum ersten Mal.&#8221; </p>
<p>Zuletzt bekommt sie im Übrigen, was sie will, nämlich eine Elektrokrampftherapie: &#8220;Ich möchte Schocks.&#8221; Die Frage (die Georg Klein schon vor einigen Tagen angedeutet hat) ist die: Was wird dieses Buch irgendwann von uns verlangen?</p>
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		<title>The Jests</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 15:24:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kolja Mensing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern habe ich &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; zum ersten Mal verschenkt, an P., mit der ich mich zu einem Konzertbesuch verabredet hatte. Am liebsten wäre es mir gewesen, sie hätte gleich zu lesen angefangen, während wir im Hof der Kulturbrauerei saßen, einfach nur, damit wir schon an diesem Abend hätten anfangen können, uns über das Buch zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; zum ersten Mal verschenkt, an P., mit der ich mich zu einem Konzertbesuch verabredet hatte. Am liebsten wäre es mir gewesen, sie hätte gleich zu lesen angefangen, während wir im Hof der Kulturbrauerei saßen, einfach nur, damit wir schon an diesem Abend hätten anfangen können, uns über das Buch zu unterhalten. Die Band, wegen der wir gekommen gekommen waren, hieß &#8220;The Airborne Toxic Event&#8221;, nach einem Kapitel aus &#8220;White Noise&#8221;. Man versucht dann ja doch die ganze Zeit zu verstehen, was genau diese Musik jetzt mit dem Roman von Don DeLillo zu tun hat, und zuletzt fallen einem doch nur wieder die Achtziger ein. Ein paar Jahrzehnte, mehr hat man ja nicht.</p>
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		<title>Why Don&#8217;t We Do It in the Road?</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 06:30:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kolja Mensing</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Krankheitsbild ist bekannt: Rezensenten stellen zwanghaft  Bezüge her. Auch &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; wird jetzt in den Feuilletons in erster Linie literaturgeschichtlich verortet (&#8221;postmodern-komplex&#8221;), ästhetisch vermessen (&#8221;monströser Chor für emotional schwer beschädigte Stimmen&#8221;) und auf seine politisch-gesellschaftliche Relevanz überprüft (&#8221;ein moralisches, ja moralistisches Buch über den gegenwärtigen American way of life&#8221;). In Blogs, die sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Krankheitsbild ist bekannt: Rezensenten stellen zwanghaft  Bezüge her. Auch &#8220;Unendlicher Spaß&#8221; wird jetzt in den Feuilletons in erster Linie literaturgeschichtlich verortet (&#8221;postmodern-komplex&#8221;), ästhetisch vermessen (&#8221;monströser Chor für emotional schwer beschädigte Stimmen&#8221;) und auf seine politisch-gesellschaftliche Relevanz überprüft (&#8221;ein moralisches, ja moralistisches Buch über den gegenwärtigen American way of life&#8221;). In Blogs, die sich mit Literatur beschäftigen, herrscht dagegen ein anderer, ausgesprochen bekenntnishafter Tonfall, der auf die emotionalen Aspekte einer Lektüre zielt: Der einzige Bezugspunkt bin ich selbst, das allerdings in aller Öffentlichkeit. Die Möglichkeiten, die sich damit eröffnen, sind mir immer noch unheimlich. Ich bekenne, dass es ein, zwei Sätze auf den ersten hundert Seiten von &#8220;Unendlicher Spaß&#8221;, die mein&#8230; also, die direkt&#8230; und ohne die&#8230; Aber würde ich nicht genau diese Sätze lieber für mich behalten? </p>
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		<title>Am Hotspot</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 09:24:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kolja Mensing</dc:creator>
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		<description><![CDATA[M. betreibt seit einigen Jahren zwei Häuser weiter ein kleines Café. Er ist ein engagierter Kleinunternehmer, der ständig neue Programme zur Kundenbindung auflegt. Unter anderem ist er eine Kooperation mit einem Frühstücksflocken-Hersteller eingegangen, der individuell zusammengestellte Müsli-Mischungen vertreibt. Wer im Internet bestellt, kann seine Lieferung versandkostenfrei in einem der so genannten &#8220;Hotspots&#8221; abholen, zu denen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>M. betreibt seit einigen Jahren zwei Häuser weiter ein kleines Café. Er ist ein engagierter Kleinunternehmer, der ständig neue Programme zur Kundenbindung auflegt. Unter anderem ist er eine Kooperation mit einem Frühstücksflocken-Hersteller eingegangen, der individuell zusammengestellte Müsli-Mischungen vertreibt. Wer im Internet bestellt, kann seine Lieferung versandkostenfrei in einem der so genannten &#8220;Hotspots&#8221; abholen, zu denen  auch M.s&#8217; Café gehört.  Dort, so das Kalkül, nimmt man dann noch einen Espresso für den Weg und kommt im besten Fall gleich am nächsten Tag wieder, diesmal nur für den Kaffee. </p>
<p>Auch mich hat M. auf diesem Weg als Stammkunden rekrutiert. Ich hole allerdings kein Müsli bei ihm ab, sondern Bücher. Alles, was nicht durch meinen schmalen Briefkasten passt, landet in seinem Café, in einem kleinen Regal neben seinem Tresen. Ich verdiene mein Geld als Literaturkritiker, es kommen also verhältnismäßig viele Päckchen und Pakete. Inzwischen habe ich einfach meine Klingel abgestellt und hole bei M. einmal am Tag die Sendungen ab, die die notorisch unterbezahlten Zusteller von DHL, DPD, UPS, Hermes und GLS abgeliefert haben. </p>
<p>&#8220;Unendlicher Spaß&#8221; kam am Freitag. Müsste ich diesen doch recht umfangreichen Roman für eine Zeitung rezensieren, würde ich mit Sicherheit einen schlechten Schnitt machen. Aufgrund der progressiv fallenden Honorare für freie Journalisten reichen mittlerweile jedoch schon weitaus dünnere Bücher, um bei einem Stundenlohn zu landen, der deutlich unter dem eines Paketzustellers liegt. Ich sollte auch bald über eine Kooperation nachdenken. </p>
<blockquote><p><strong>Kolja Mensing</strong>, geboren 1971, in Oldenburg. Er arbeitet als freier Kritiker für Faz, Taz und Deutschlandradio. Er hat 2002 das Buch &#8220;Wie komme ich hier raus? Aufwachsen in der Provinz&#8221; (Kiepenheuer &#038; Witsch) veröffentlicht.  2007 erschien &#8220;Minibar. Kurze Erzählungen&#8221; (Verbrecher Verlag). Zusammen mit Florian Thalhofer die Dokumentarfilme &#8220;13ter Stock&#8221; (2005) und &#8220;13ter Shop&#8221; (2007).</p></blockquote>
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