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	<title>Unendlicher Spass &#187; Stefan Beuse</title>
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		<title>Staubsauger</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 10:09:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Beuse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwar finde ich mich in fast jeder der hier auftauchenden Lesarten wieder. Zwar bin auch ich täglich hin- und hergerissen zwischen „Ich tu mir das keine Zeile länger an“ und tiefer (aber oft kalter) Verehrung für das, was Wallace da macht und versucht. Am Ende aber steht immer eine absurde Art von Dankbarkeit – dafür, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwar finde ich mich in fast jeder der hier auftauchenden Lesarten wieder. Zwar bin auch ich täglich hin- und hergerissen zwischen „Ich tu mir das keine Zeile länger an“ und tiefer (aber oft kalter) Verehrung für das, was Wallace da macht und versucht. Am Ende aber steht immer eine absurde Art von Dankbarkeit – dafür, dass er das alles aufgeschrieben, benannt, gesammelt hat, was einem im Zuge normaler Welt-Wahrnehmung maximal diffuses Unbehagen verursacht. Leichtes Unbehagen kann sich häufen, irgendwann zu viel werden. Ist der Müll erst voll, kommen die Fliegen. Und sobald Ungeziefer da ist, ist sowieso alles zu spät. Dann wird man träge, weil man ja sowieso nichts mehr ändern kann. War halt keiner da, der aufgepasst hat. Der täglich Staub gewischt und zugesehen hat, dass nicht alles verdreckt.</p>
<p>Für mich ist David Foster Wallace so ein Staubsauger. Einer, der sagt: Das ist nicht gut, da ist was faul. Glaub das nicht, denen geht es nur um das-und-das. Ein Moralist, vielleicht. In jedem Fall einer, der es gut mit einem meint.</p>
<p>Anders als Herr Wenrich glaube ich nicht, dass es in der hier schon zu Recht viel zitierten Kenyon Speech darum geht, eine gewisse Freiheit „zurückzuerobern“ oder sich gegen eine feindliche Umgebung zu „wehren“. Ich glaube eher, dass DFW in dieser (Schlüssel-)Rede ein Gefühl, eine Einsicht zu vermitteln versucht, die ihm selbst die meiste Zeit verwehrt geblieben ist, nämlich das Wissen um die Verbundenheit aller Dinge, die Einheit von allem, was bitte nicht gleichbedeutend ist mit der Aufgabe von Individualität.</p>
<p>Was er hier beschreibt, ist eine fast religiöse Erfahrung, also etwas, das ihm eigentlich vollkommen fremd sein müsste, eine Sicht, in der er, könnte er sie konservieren, einen Schlüssel gesehen haben muss. Für mich keine „Erziehung zur Kritik des Alltags“, Herr Wenrich; ich würde noch viel schwülstiger sein und Sätze bilden wollen, in denen die Worte „Rettung“ und „Erlösung“ vorkommen.</p>
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		<title>Das Wasser, in dem wir schwimmen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Aug 2009 11:31:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Beuse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass momentan dieselben Leute, die Foster Wallaces erste Publikation in Deutschland in dieser dummdreist-hämischen SZ-Feuilletonart abgekanzelt haben, ihn nun im Nachhinein zum Messias hochjubeln, kann man natürlich ebenso ekelerregend finden wie die Art, in der dieses Buch und die Aufmerksamkeit drumherum gerade missbraucht werden, um sich eitel in diversen Abstrahleffekten zu sonnen.
Andererseits ist das Buch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass momentan dieselben Leute, die Foster Wallaces erste Publikation in Deutschland in dieser dummdreist-hämischen SZ-Feuilletonart abgekanzelt haben, ihn nun im Nachhinein zum Messias hochjubeln, kann man natürlich ebenso ekelerregend finden wie die Art, in der dieses Buch und die Aufmerksamkeit drumherum gerade missbraucht werden, um sich eitel in diversen Abstrahleffekten zu sonnen.<br />
Andererseits ist das Buch in jeder Hinsicht groß genug, um sich auch diese Formen der Rezeption im besten Sinn einzuverleiben; das alles ist im Wallace-Kosmos ja längst zu Ende gedacht, und ich will eigentlich sagen: kaputtgedacht, weil ich vermute, dass es ihm genau darum geht: Um die Zerschlagung des Unerträglichen in und mit der Sprache.<br />
Diese manische, durchdrehende Akribie, mit der Foster Wallace seine Gegenstände umkreist, mit der er sich immer tiefer hineinschraubt in die Dinge, in Gedanken und Strukturen, ist für mich befeuert von dem Wunsch, zu durchdringen, zu verstehen, den ganzen Ballast wegzuräumen und den Blick freizubekommen auf das Wesentliche dahinter. In dieser grundsätzlichen Mechanik unterscheidet sich Infinite Jest nicht von seinen anderen Texten, Polyphonie und stilistische Bandbreite hin oder her, der Impuls im Zentrum ist derselbe, und um den zu begreifen, reicht schon eine beliebige Geschichte aus dem unglaublich guten „Oblivion“-Band.<br />
Am Ende geht es immer um die Durchdringung der (medialen) Matrix, um das im Wortsinn Elementare dahinter: Also um die Frage der beiden jungen Fische in der dankenswerterweise weiter unten verlinkten Rede, die David Foster Wallace 2005 am Kenyon College gehalten hat.</p>
<p>„Morning boys, how’s the water?“, begrüßt sie ein entgegenkommender älterer Fisch. Die beiden sehen sich an und fragen verwirrt: „What the hell is water?“</p>
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		<title>Danke,</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 14:19:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Beuse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Kiepenheuer &#38; Witsch, das ging jetzt aber ratzfatz! Beeindruckend auch das eigene Kiepenheuer-&#38;-Witsch-Paketklebeband, das irgendwie an amerikanisches „scene-of-crime“-Absperrband erinnert, aber vielleicht passt das ja zum Buch. Zumindest über Bande.
Natürlich musste ich sofort die erste Seite lesen. Ich lese immer sofort die erste Seite, das ist wie ein Zwang und vollkommen unabhängig davon, wie viel Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kiepenheuer &amp; Witsch, das ging jetzt aber ratzfatz! Beeindruckend auch das eigene Kiepenheuer-&amp;-Witsch-Paketklebeband, das irgendwie an amerikanisches „scene-of-crime“-Absperrband erinnert, aber vielleicht passt das ja zum Buch. Zumindest über Bande.</p>
<p>Natürlich musste ich sofort die erste Seite lesen. Ich lese immer sofort die erste Seite, das ist wie ein Zwang und vollkommen unabhängig davon, wie viel Zeit ich gerade habe. Wenn die ersten Sätze mich nicht kriegen, kriegt mich auch der Rest nicht. Das ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen empirischen Studie.<br />
Klar klingt das vermessen. Aber ich habe das mit Klassikern der Weltliteratur probiert, die Sorte, die man gelesen haben MUSS; ich habe mich bis zur letzten Seite gequält, um zu begreifen, warum dies ein Werk der Weltliteratur ist, und es ist mir nicht gelungen, weil auf den restlichen Seiten genauso viel Mist stand wie auf den ersten, und natürlich kommen dann immer Leute, die einem erklären, WARUM das ein wichtiges Werk der Weltliteratur ist, und ich verstehe das auch immer, aber ich spüre es nicht, weil es nicht knallt, und ich glaube, darum geht es am Ende: Dass das Buch (der Film, die Musik, das Theaterstück, das Bild &#8230;) etwas mit einem macht, das einen jenseits rationaler Bewunderung mitnimmt.</p>
<p>Die erste Seite dieses Buches ist wie ein Kind, das einem unbedingt etwas zeigen möchte. Es nimmt deine Hand und zerrt an dir, weil es etwas zu sagen hat, das keinen Aufschub duldet. Ich mag dieses Kind.</p>
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		<title>All the things we are</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 10:55:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Beuse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzten Wochen habe ich damit verbracht, die Dinge meines Lebens zu ordnen, einen großen Teil davon verteilt auf Recyclinghöfe, Altpapiercontainer und Annahmestellen für gefährliche Güter sortenrein zu entsorgen und den anderen Teil in Koffern und Umzugskisten durch die Gegend zu tragen, in eine frisch gestrichene, abgeschliffene und versiegelte Umgebung, die nun frei von jeglicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzten Wochen habe ich damit verbracht, die Dinge meines Lebens zu ordnen, einen großen Teil davon verteilt auf Recyclinghöfe, Altpapiercontainer und Annahmestellen für gefährliche Güter sortenrein zu entsorgen und den anderen Teil in Koffern und Umzugskisten durch die Gegend zu tragen, in eine frisch gestrichene, abgeschliffene und versiegelte Umgebung, die nun frei von jeglicher DNA der Vorbesitzer ist.</p>
<p>Vermutlich fließen die Energien in einem derart entrümpelten Leben wieder frei und ungehindert, der Preis jedoch ist hoch: Setzen die Kinder ihr Glas zu heftig auf die neue Tischplatte, müssen sie drakonische Strafen befürchten; jeden Tag wird soviel gewischt, gesaugt und geputzt wie in den letzten zehn Jahren zusammen nicht, und warum? Um den Neuanfang zu konservieren? Um alles immer klar, sauber und aufgeräumt zu halten, in der Hoffnung, dass die Ordnung der Dinge automatisch ihre Entsprechung in der feinstofflichen Welt finden möge?</p>
<p>Kurz davor, zum Schuhe-ausziehen-Hysteriker zu werden, war ich jedenfalls froh, knapp vor Toreschluss (= Erscheinungstermin) doch noch die Einladung hierzu angenommen zu haben. Weil in solcher Situation niemand besser geeignet ist, einem den Kopf wieder zurechtzurücken als David Foster Wallace. Weil ich nach wochenlangem Umzugskistentraining das Buch nun nächtelang locker am ausgestreckten Arm in die Höhe werde halten können, ohne zu ermüden. Und weil sich kaum eine bessere erste Post an die neue Adresse denken lässt. Abgesehen von Verlagsschecks vielleicht.</p>
<blockquote><p><strong>Stefan Beuse</strong>, am 31. Januar 1967 in Münster geboren, lebt mit seiner Familie in Hamburg. Er arbeitete u.a. als Texter, Fotograf und Journalist (für DIE ZEIT, die Welt, Frankfurter Rundschau, etc.); er schreibt Erzählungen, Romane, Drehbücher sowie gelegentlich Buch- und Filmkritiken. Stefan Beuse gewann zahlreiche Preise und Stipendien. Im Frühjahr 2005 war er Poet in Residence an der Cornell University in Ithaca, New York, und Gastdozent für deutschsprachige Gegenwartsliteratur. 2006 gewann er zusammen mit Till Endemann den Magnolia Award in Shanghai für das beste Drehbuch (Verfilmung des Romans »Kometen«). 2009 ist Stefan Beuses jüngster Roman »Alles was du siehst« (C.H. Beck) erschienen.</p></blockquote>
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