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	<title>Unendlicher Spass &#187; Svealena Kutschke</title>
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		<title>Anyone out there?</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 12:51:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Steeply schüttet sein Herz aus. Wie sein Dad von einer Putzigkeit, einer rührenden Vorliebe für eine terrestrische TVUnterhaltungsserie, ins gemüseartige mutierte. Steeplys Dad scheint der Prototyp zu sein, wirkungstechnisch, für die tödliche Patrone von IHM SELBST.
Steeply spricht also vom mutierten Dad, der im Arbeitszimmer hockte, MASH schaute, Briefe an die Protagonisten schrieb (nicht an die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Steeply schüttet sein Herz aus. Wie sein Dad von einer Putzigkeit, einer rührenden Vorliebe für eine terrestrische TVUnterhaltungsserie, ins gemüseartige mutierte. Steeplys Dad scheint der Prototyp zu sein, wirkungstechnisch, für die tödliche Patrone von IHM SELBST.<br />
Steeply spricht also vom mutierten Dad, der im Arbeitszimmer hockte, MASH schaute, Briefe an die Protagonisten schrieb (nicht an die Schauspieler), noch nicht mal mehr das Badezimmer aufsuchte, und dies alles ertrug Steeplys Mumkinski ohne Klage.<br />
Vorher erzählt Stice von seiner Mutter „der Braut“ und seinem Vater, die in guten Phasen das Bett nicht mehr verließen und die körperliche Instandhaltung der Brut, die mit vollgerotzten Windeln durch die Räume geisterten, klinikgroßen Chipspackungen überließen.<br />
Ich kauere über dem Spass, auf Klopfen und Rufen antworte ich nicht, durch die Tür durchgeschobenen Zettel übersehe ich, das Bad benutze ich noch, das ist auch alles, ich glaube ich fiebere leicht, und eben musste ich mir einen Sabberfaden aus dem Mundwinkel wischen. Mein Lächeln im Spiegel scheint leicht verblödete Züge anzunehmen.<br />
Außerdem schwant mir langsam, dass das hier kein Ende finden wird. Vergeblich hoffe ich auf abgeschlossene Erzählstränge, ich denke, der Spass wird einfach mittendrin aufhören, und mich zurücklassen, sabbernd auf Seite eins zurückblätternd. Vielleicht mag dann jemand den Arzt rufen? </p>
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		<title>Fight Club</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 08:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist denn hier los? Wird der Spass plötzlich narrativ? Da spinnen sich doch tatsächlich Fäden durch die sonst so voneinander abgelösten Szenen. Lenz lockt die &#8220;Nucks&#8221; zum Ennet House und bei Gately rastet das CowboyGen zurück in die Schiene. Zudem wird nun dramaturgisch zugespitzt, so massiv, dass ganz jäh tatsächlich ein echter Pageturner aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist denn hier los? Wird der Spass plötzlich narrativ? Da spinnen sich doch tatsächlich Fäden durch die sonst so voneinander abgelösten Szenen. Lenz lockt die &#8220;Nucks&#8221; zum Ennet House und bei Gately rastet das CowboyGen zurück in die Schiene. Zudem wird nun dramaturgisch zugespitzt, so massiv, dass ganz jäh tatsächlich ein echter Pageturner aus dem US wird. Mit Cliffhanger!!! Es könnte jetzt durchs Dach regnen, ich würde weiterlesen. Tatsächlich aber, im Zuge der erlesensten Prügelszene, dich ich je gelesen und bei der Fight Club Lektüre vergeblich gesucht habe, verpasse ich meine Haltestelle und komme zu spät zur Arbeit. Erst beim Cliffhanger (der angeschossene Gately muss ins Haus, kann aber nicht, weil angeschossen) tauche ich wieder auf, da bin ich schon am Savignyplatz.<br />
Außerdem wird der Spass persönlicher. Aus der Vielzahl der Stimmen schält sich ein Ton, der gleichzeitig Bass und Falsett ist. Als lägen Pergamente zwischen den Seiten, auf denen ein ganz ungefilterter Furor tobt.<br />
Es ist alles nicht mehr so mikroskopisch und der Humor, der sich vorher als massives Plateau über den Abgrund gespannt hat, wird brüchiger. </p>
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		<title>Vielleicht doch lieber Wes Anderson?</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 20:47:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach fast 400 Seiten Spaß am Stück, starre ich den Videothekar mit leerem Blick an und kehre unverrichteter Dinge wieder zum Sofa zurück. MUSS. WEITER. LESEN.
Das Subjekt hat Kaffeeflecken und Asche zwischen den Seiten, wir haben uns aneinander gewöhnt. Ich frage mich, wie Wallace es schafft, eine Stille herzustellen, wo eigentlich Getöse sein müsste. Feiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach fast 400 Seiten Spaß am Stück, starre ich den Videothekar mit leerem Blick an und kehre unverrichteter Dinge wieder zum Sofa zurück. MUSS. WEITER. LESEN.<br />
Das Subjekt hat Kaffeeflecken und Asche zwischen den Seiten, wir haben uns aneinander gewöhnt. Ich frage mich, wie Wallace es schafft, eine Stille herzustellen, wo eigentlich Getöse sein müsste. Feiner kann man emotionale Schräglagen nicht beschreiben, der US bohrt sich wie ein Holzwurm ins Gehirn.</p>
<p>Der Großvater Incandenzia erbricht sich über dem staubigen Skellett des Ehebettes, Hal tänzelt solange hungrig in einer Höflichkeitschoreographie mit der Moms herum, bis er ihren vom Mund abgesparten Apfel, der zudem nach ihrem Parfum riecht, essen muss. Dabei wird er Zeuge, wie nebenan ein tennisschlägergroßes Mädchen psychisch fachgerecht zerlegt wird.<br />
Überhaupt wird es immer gewalttätiger im US. Vom Besenstiel möchte ich hier gar nicht sprechen, aber wenn brennende, rasende Katzen ihren flüchtenden Mörder Lenz beleuchten, wenn erstickende Katzen „Geräusche“ machen, wenn sie in ihren Plastiksäcken gegen Laternenpfähle geschlagen werden, dann bin ich fast froh, wenn Hunden mit einem guten alten Messer einfach die Kehle durchgeschnitten wird.<br />
Aber dann spricht Lenz mit Green und Green schweigt und hört zu. Man glaubt fast, Lenz können das Katzentöten gegen das mitGreensprechen eintauschen. Aber während Lenz vom grotesken Mästungstod seiner Mutter berichtet, hat Green eigentlich mehr zu sagen. Man hätte schon misstrauisch werden können, wie angemessen und ausgeglichen der schweigt. Green hat nicht nur seine Mutter auf dem Gewissen, die sein, vom Vater untergejubeltes Scherzartikelgeschenk nicht überlebt, der Vater wird zudem hinterher zu einer selbstzerfleischenden Fratze und versetzt Scherzartikel seiner Firma mit Sprengstoff, wird also bald nach dem Tod der Mutter hingerichtet. Uff. Jetzt vielleicht doch noch mal zum Videothekar?</p>
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		<title>Attest</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 22:03:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Mitbewohner backt Kuchen und ich lege meinen Kopf auf die Küchenwaage. ERROR, liest der Mitbewohner ab. Das wundert mich nicht. Mir war doch so.
Nicht dass das am unendlichen Spaß läge, den ich in der Tristesse meiner persönlichen Quadratmeter hätte. Aber es ergänzt sich ganz gut.
Marathe und Steeply gehen mir immens auf den Keks. Auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mitbewohner backt Kuchen und ich lege meinen Kopf auf die Küchenwaage. ERROR, liest der Mitbewohner ab. Das wundert mich nicht. Mir war doch so.<br />
Nicht dass das am unendlichen Spaß läge, den ich in der Tristesse meiner persönlichen Quadratmeter hätte. Aber es ergänzt sich ganz gut.<br />
Marathe und Steeply gehen mir immens auf den Keks. Auch nach 700 sitzen die beiden noch auf dieser Felsnase, pflanzenartig, und nesteln entweder an der Decke über den Beinen oder der Perücke rum. Mittlerweile streiten sie sich um eine Dosensuppe, die ein politisches Gleichnis sein soll.<br />
Aber Gately und die anderen tristschönen Gestalten in EnnetHouse machen es mir leicht, 300 Seiten aufzuholen, nachdem ich während der Buchmesse das Lesen verlernt habe, wie es sich gehört. Und wenn Gately „nervös wie eine junge Braut“ seinen klitschigen Hackbraten mit Reibekäse und Cornflakes „wegen der Knusprigkeit“ serviert, gibt es mal wieder diesen Fall: manche Szenen sind so schön, dass es ein echter Jammer ist, dass sie nicht real sind. Denn für ein Abendessen mit Gately würde ich jetzt sofort meinen Kokon aufbeißen, die Zähne putzen und furchtlos in diese seltsame Welt außerhalb meiner Wohnung reiten.</p>
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		<title>Eine Klage</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Oct 2009 12:02:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Essen beim Thai gegenüber total versalzen. Auch den Teller in den ungemein trostlosen Nieselregen zu halten, hilft da nicht weiter. Der Kaffee ist alle und ein Blick ins Portemonnaie legt einen Gang zur Bank nahe. Die letzten Münzen waren für das indiskutable Mahl bestimmt. Aber ich mag das Haus nicht mehr verlassen. Irgendwie scheint [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Essen beim Thai gegenüber total versalzen. Auch den Teller in den ungemein trostlosen Nieselregen zu halten, hilft da nicht weiter. Der Kaffee ist alle und ein Blick ins Portemonnaie legt einen Gang zur Bank nahe. Die letzten Münzen waren für das indiskutable Mahl bestimmt. Aber ich mag das Haus nicht mehr verlassen. Irgendwie scheint sogar der Regen jetzt versalzen zu sein. Zudem müsste ich stehlen, da die Bank in schier undenkbarer Entfernung liegt.<br />
Zudem liegt das eigene Schreibprojekt brach, völlig festgefahren zwischen ursprünglicher Idee und einer beherzten Revolte der Figuren. L schreibt: “Stuck sounds good, means you&#8217;ll come out the other side more muscular.” Die rührende Unbeschwertheit der Angelsachsen!<br />
Auf dem Küchentisch türmen sich ungelesene Zeitungen, unter meinem Schreibtisch ungelesene Manuskripte. Aber die wirkliche Tristesse manifestiert sich an den Himbeeren, die ich vor kurzem noch in sommerlicher Unerschrockenheit gefroren in meinen Joghurt rührte und die jetzt erhitzt werden müssen. In der Mikrowelle. In der Mikrowelle, die ich nach der Lektüre des Todes von IHM SELBST eigentlich mit einem Absperrband versehen möchte. Und das alle mein Siechtum für Raucherhusten halten.<br />
Der Mitbewohner schlägt einen Ausflug ins Schwimmbad vor: Sind denn alle verrückt geworden?<br />
Und nein: Ich möchte mich heute nicht auch noch mit DFW beschäftigen. NEIN!</p>
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		<title>outofoffice</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 11:47:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Poor Tony steht auf dem Bahnsteig, nachdem er sich tagelang in der Bibliothekstoilette seinen Ausscheidungen gewidmet hat, der Heroinentzug geht nun dem völligen Auslöschen jeder Würde entgegen, um den Hut hat er einen Schal aus Papiertaschentüchern gewunden und als dann doch weitere Ausscheidungen seine Elefantenhosen hinunterrinnen, stößt er „einen lautlosen inneren Schrei seelverbrühten Wehs aus“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Poor Tony steht auf dem Bahnsteig, nachdem er sich tagelang in der Bibliothekstoilette seinen Ausscheidungen gewidmet hat, der Heroinentzug geht nun dem völligen Auslöschen jeder Würde entgegen, um den Hut hat er einen Schal aus Papiertaschentüchern gewunden und als dann doch weitere Ausscheidungen seine Elefantenhosen hinunterrinnen, stößt er „einen lautlosen inneren Schrei seelverbrühten Wehs aus“ und flüchtet in die U-Bahn. Warum um alles in der Welt gerade in die U-Bahn? In diesem Schnellkochtopf aller Beklemmungen, während alle Passanten von ihm abrücken, weint er „leise vor Scham und Schmerz beim Vergehen jeder hell erleuchteten öffentlichen Sekundenkante„ und spürt „wie jede einzelne Sekunde ihm einen Schnitt zufügte“ Da fragt man sich doch, ob man bisher überhaupt eine ungefähre Vorstellung davon hatte, was Scham wirklich bedeutet. Nur die Scharfkantigkeit von Sekunden in öffentlichen Verkehrsmitteln, ja die kennt man wohl genau. Und daher würde man sich in höchster Not ja eben nicht in die U-Bahn begeben. Das ist ja, als würde man nach einem Ausbruch von Schuppenflechte im Gesicht, nur noch mit einem Vergrößerungsglas durch die Straßen laufen, damit es auch niemand übersieht.<br />
Ich flüchte in die Fußnote 110. Endlich 110. Das Antwortformular Orins, dieses beißend schöne Formblatt auf den so geschwätzigen, wie befangenen Brief von Avril möchte man sich doch direkt als outofofficereply kopieren.</p>
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		<title>zerrütet &amp; verknüpft</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 11:35:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Polizisten bewachen mit äußerster Hingabe eine Matratze und einen Haufen CD´s und Kassetten mit zerschmetterten Hüllen, offensichtlich aus dem Fenster geworfen. Einer von beiden reibt sich einen Fleck aus dem Hemd, ohne die Devotionalien einer (Liebes?)Geschichte, die neben Judas Priest erstaunlicherweise auch Klaus Nomi beherbergte, aus den Augen zu lassen. Ich muss an mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Polizisten bewachen mit äußerster Hingabe eine Matratze und einen Haufen CD´s und Kassetten mit zerschmetterten Hüllen, offensichtlich aus dem Fenster geworfen. Einer von beiden reibt sich einen Fleck aus dem Hemd, ohne die Devotionalien einer (Liebes?)Geschichte, die neben Judas Priest erstaunlicherweise auch Klaus Nomi beherbergte, aus den Augen zu lassen. Ich muss an mich halten, mich nicht dazuzugesellen und laut aus dem Subjekt zu lesen: „nein, du lässt das Buch nicht einfach fallen, mein Sohn, du lässt das gefälligst, lass das große Handbuch der Indizes nicht einfach auf den staubigen Garagenboden fallen, sodass eine vierseitige Staubblüte aufsteigt und unsere hübschen weißen Tennissocken ergrauen lässt, bevor wir den Court überhaupt erreicht haben, Junge, mein Gott…“ </p>
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		<title>Droge, Faust, Parsifal</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2009 09:07:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach einer längeren Wallace Abstinenz, hervorgerufen durch Wallace Ärger, (es ist ja ein wenig so wie mit Einar Schleef, es macht große Freude über ihn zu reden, nicht so große Freude macht es, sich von 14 Schauspielerinnen, die allesamt das Gretchen verkörpern, 20 Minuten lang anschreien zu lassen- on top of their loungs-), der in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einer längeren Wallace Abstinenz, hervorgerufen durch Wallace Ärger, (es ist ja ein wenig so wie mit Einar Schleef, es macht große Freude über ihn zu reden, nicht so große Freude macht es, sich von 14 Schauspielerinnen, die allesamt das Gretchen verkörpern, 20 Minuten lang anschreien zu lassen- on top of their loungs-), der in der Wallace Metamorphose im Traum mündete, heute also &#8220;das Subjekt&#8221; nicht nur aus der Ferne angeschaut. (Ja, Subjekt! Neben dem Ärger verwandelt sich auch schon vieles &#8220;gewissermaßen in Wässriges, Fernes und seltsam Gegittertes&#8221;)</p>
<p>Aber ich hadere mit dem Zugangscode zu diesem faserigen, knorpeligen, hyperreal schönen Kollos von einem Buch.<br />
Bei Einar Schleef ist es ja simpel: Wenn der Zuschauer ertragen muss, wie 40 Schauspieler in Sportdress fast eine Stunde lang fünf Zeilen wiederholt skandieren und dazu eine Sportchoreographie bis zum körperlichen Zusammenbruch durchziehen, dann geht es um die Versehrtheit des Körpers. Dann geht es darum, den Schauspieler hinter der Rolle durchbrechen zu sehen, die Illusion der Rolle als absurd zu entlarven. Und es geht darum, eine Unerträglichkeit aus der Rezeption herauszulösen. Sie tatsächlich herzustellen. Die Erschöpfung des Schauspielers wird zur Erschöpfung des Zuschauers. Nur haut das bei US irgendwie nicht hin.<br />
Aber vielleicht hilft Schleef trotzdem weiter: Der pre-schleefsche Chor verleiht dem persönlichen Schicksal eine erweiterte Dimension. Der Chor nutzt seinen Verkündungscharakter und holt die Tragödie aus ihrer Privatheit. Verfremdung statt Identifikation. Schleef geht einen Schritt weiter: Bei Schleef ist der Chor Opfer seiner selbst und führt so in die Individualität zurück.<br />
Ich bin geneigt, den Unendlichen Spass als chorisches Stück zu lesen. Vielleicht hilft das? (Hildesheim, give me a big bear hug!)</p>
<p>PS against confusion wegen des sehr berechtigten Kommentares: Das soll natürlich kein Vergleich Inszenierung/Buch sein, es geht mehr um diese seltsame Meta-Identifikation mit den Figuren. Die bei US wie bei Schleef über die Schleife der Verfremdung und Ablösung aus der Individualität wieder zurückfinden zu eben dieser Meta-Individualität. Als hätte US die Evolution des chorischen Prinzips von der Antike bis Schleef irgendwie in der DNS.</p>
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		<title>Geständnis</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 07:43:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Habe heute geträumt, dass der Unendliche Spass zu einer süffigen Narration wird, zu einem echten Pageturner. Meine schnöde Verzweiflung!
Aber: Himmel, war das spannend!
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Habe heute geträumt, dass der Unendliche Spass zu einer süffigen Narration wird, zu einem echten Pageturner. Meine schnöde Verzweiflung!<br />
Aber: Himmel, war das spannend!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>62, 5 % meiner Aufmerksamkeit sind im Buch gegenüber</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 23:03:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Svealena Kutschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst einmal das physische Unbehagen. Das Buch liest sich im Liegen (auf dem Rücken) äußerst schlecht. In der rechten Hand: 1, 6 Kilo. In der linken: gerade mal 100 Gramm. Wenn ich einen Zug von der Zigarette nehmen will, muss ich das Buch ablegen, was dem Rauchen eine merkwürdige Überbetonung verleiht. Es ist, als würde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erst einmal das physische Unbehagen. Das Buch liest sich im Liegen (auf dem Rücken) äußerst schlecht. In der rechten Hand: 1, 6 Kilo. In der linken: gerade mal 100 Gramm. Wenn ich einen Zug von der Zigarette nehmen will, muss ich das Buch ablegen, was dem Rauchen eine merkwürdige Überbetonung verleiht. Es ist, als würde ich jemanden imitieren der raucht, und schlimmer noch: jemanden imitieren der liest.<br />
Also sitzend. Im Café. Nur ist es an diesem Augusttag, an dem die Sonne sich über der Stadt ausschüttet, als hätte man ein Ei auf dem Pfannenrand aufgeschlagen, unmöglich, ein stilles Café zu finden. Ein freier Tisch ist nicht zu haben, also suche ich mir einen Platz gegenüber einem anderen Leser. Er liest 8 ½ Millionen. Unsere Bücher berühren sich in der Mitte des Tisches.<br />
Da ich 8 ½ Millionen gerade zu Ende gelesen habe, ist es fast so, als würden unsere Köpfe sich an der Stirn berühren. 8 ½ Millionen legt sich wie eine Schablone über die ersten Seiten, die ich jetzt lese. Vor allem weil ich durch unser gemeinsames Lesepult gleich wieder in das Problem rutsche, dass ich seit der Lektüre von 8 ½ Millionen verschleppe. Die Überbetonung der Tätigkeit macht sie zum Fake. (als würden wir jemanden imitieren…ect)<br />
Mein Lesegegenüber liest so dermaßen konzentriert und ungehemmt, dass ich annehme, die mangelnde Irritation über eine Stirn an Stirn Lesende, muss gespielt sein.<br />
Kopfüber versuche ich mitzulesen. Mein Gegenüber scheint jetzt ungefähr dort zu sein, wo der Nachbau des Mietshauses abgeschlossen, die Nachspieler in der Endlosschleife Alltagssequenzen wiederholen und der Ich-Erzähler im obersten Stock über einem Modell des Ganzen hockt. Ich bin erst eine halbe Seite weit und denke mehr über McCarthy nach als über Wallace.<br />
Aber dann der erste schöne Fund:<br />
„Er sitzt auf dem Stuhl, so hoffe ich, gleich neben mir“. Also halte ich das Buch, so hoffe ich, in der Hand, während ich umblättere.</p>
<blockquote><p><strong>Svealena Kutschke</strong>, geb. 1977 in Lübeck, studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim und lebt heute in Berlin. Sie erhielt 2006/2007 das Werkstatt-Stipendium der Jürgen-Ponto-Stiftung und ist Preisträgerin des Open Mike der Berliner Literaturwerkstatt 2008. 2009 erschien ihr erster Roman <em>Etwas Kleines gut versiegeln</em> (Wallstein).</p></blockquote>
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