Eben noch geschlafen. Da steht die Feuerwehr bei uns im Flur. Drei Mann jeweils gefühlte drei Meter groß (macht neun Meter in summa, mit Helmen, die sie niedriger Flurdecke wg. abgenommen haben, und wie kondolierend vor sich halten). Sie lugen in den Topf, wo noch vor zwei Stunden, etwa um halb fünf in der Frühe, Linsen angesetzt wurden; das, bevor ich den angestellten Herd vergessen hatte und wieder ins Bett² gegangen war.
Jetzt: Kraterlandschaft (kohläschern) im verschmolznen Topf. Rauch all over the place. Anti-Spaß. Das Jahr meiner Linsbrunst.

SPOTTREDE DER FEUERWEHRLEUTE
Einer: „Da hat wohl jemand zu kochen versucht!“
Zweiter: „Das hätte Sie auch töten können!“

Sie ist das übermüdete Ich. Auch mich hätte es also töten können. So wie alles hätte töten können. Alles tötet, so redet Wallace. Kämpfen Helden (John Wayne) auch gegen die tötungsgeile Umwelt an – Doktor House bspw. ist sogar alles Feind, was eine Membran hat und in der Milzebene nachts die weißen Zellsiedlungen überfällt – wird zuletzt doch jeder und jedes, man errät es, getötet. Das ist doch ein schönes Strukturprinzip!

Ansonsten:

[…] aus dem Prinzen spreche bloß die Hefe (S.52)

Sobald die Hefe aus einem spricht, ist man eigentlich schon im dämonologischen Weltbild angelangt. Sei es in der pharmazeutischen oder intelligenzdämonischen Abteilung. Einen Normalzustand, also dass ein Mensch mal nicht als besessen, getrieben, enthemmt beschrieben wird, habe ich bisher selten ausmachen können. Bin ja auch erst bei etwa 5% des Lesepensums Stand: S. 78. Dämonische Automaten. Das „Dämonat“ wird dabei wie so eine Patrone den Figuren auf den Kopf gelegt, damit die ihren hysterischen Film fahren können. Ich rätsele: Woher kommt denn Hals zuweilen aufblitzende Normalität?

Außerdem:
Wo sind eigentlich die richtigen Frauen? Kommen die noch oder bleibt das so herrenlastig?

Nochmal Riesen:
Nach dem Abzug der Feuerwehr und inmitten der Karzinogene die Erweiterung des „Rheingold“-Personals: Neben Fasolt und Fafner hieß der dritte und dümmste und wasserköpfigste Riese Hirnold. Beim Deal mit Wotan war er unterwegs. Schlechte Zeitplanung. Abends hat er zwar die beiden Geniebrüder noch genervt, aber nix half: Er durfte nicht mitbauen! Noch vor dem Vorspiel machte sich Hirnold aus dem Staub.

¹ Rückkehr der Tradition: Sollte die katholische Kirche jemals auf ihr Erfolgsmodell Inquisition zurückgreifen, werde ich mein Patent „Linsenhaufen“ gerne der heiligen Sache überschreiben.
² Schlafanrufung im Philoktet:

Schlaf, der Schmerzen vergaß,
Schlaf, der Leiden nicht weiß,
Nahe mit sanftem Hauch,
Labe, labe ihn, Mächtiger!
Banne des Tages Glanz,
Der sein Auge umfängt,
Komm, o komme zu heilen!

1 Kommentar zu Autodafé¹

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Stephan Bender

29. August, 2009 um 04:08

Zitate Part 1, Version 1.0

* My posture is consciously congruent to the shape of my hard chair. / Meine Haltung kongruiert bewusst der Form des harten Stuhls. (S. 1)
* Die Sonne ist der Hammer. (S. 25)
* … eine bewusst unangenehme Wahnsinnsmenge… (S. 35)
* … noch nie hatte er die Ankunft einer Frau, die er nicht sehen wollte, so sehr herbeigesehnt. (S. 36)
* „Ich muss von der Kohlensäure vielleicht gleich ein bisschen rülpsen. Ich möchte sie nur darauf aufmerksam machen.“ (Hal, S. 43)
* „Ich kenne nur einen Menschen, der in der Alltagskonversation jemals ‚weidlich‘ verwenden würde.“ (Hal, S. 45)
* Dieser klopft dem Gesundheitsattaché auf die Schulter und gibt ihm den guten Rat, sich wegen des Furors keine Sorgen zu machen, aus dem Prinzen spreche bloß die Hefe, er solle einfach nach Hause fahren, entspannen und einen seltenen, doch wohlverdienten frühen Mittwochabend genießen. (S. 52)
* „Was bekommt man, wenn man einen Menschen, der an Schlaflosigkeit leidet, einen widerwilligen Agnostiker und einen Legastheniker kreuzt?“ – „Man bekommt jemanden, der sich die ganze Nacht die Frage um die Ohren schlägt, ob es einen Nebel nach dem Tod gibt.“ – „Der war gut“, sagt Mario. Pause. „Du, Hal, was ist ein Stegaleniker.“ (S. 61)
* Er macht sich Honigtoast, steht barfuß am Küchentresen, trägt Unterhose und ein altes Acedemy-Sweatshirt mit abgeschnittenen Ärmeln und drückt Honig aus dem Kopf eines Plastikbären. (S. 63)
* … und versucht dort in der Hitze zu frühstücken, wo der Kaffee weder dampft noch abkühlt. (S. 63)
* Der Vogel musste mitten im Flug einen Herzinfarkt, gestorben, aus dem leeren Himmel gefallen und tot direkt neben dem Bein im Whirlpool gelandet sein. … / … Der Vogel hatte nichts Besonderes. Kein Raubvogel. Ein Zaunkönig vielleicht. Das konnte einfach kein gutes Zeichen sein. (S. 65)
* Orin stellt die Dusche jetzt immer so heiß, das er es gerade noch aushalten kann. (S. 65)
* Blattarina implacablus oder so ähnlich. Echt gigantische Schaben. Panzerwagenschädlinge. …/… Wenn man bei diesen Kanalschaben im Südwesten das Licht anmacht, sehen sie bloß von den Kacheln hoch. „Is‘ was?“ …/… Orin wird davon fast schlecht. Deshalb sagt er sich, je heißer das Duschwasser, desto weniger Lust hat der kleine Panzerwagen, beim Duschen aus dem Abfluss zu kommen. (S. 66)
* Im gespenstischen Slummorgenlicht kamen die Eltern und fanden ihre blinden Säuglinge, letzten Sommer angeblich ein Dutzend erblindeter Säuglinge. (S. 67)
* … , das vorvorletzte Subjekt also war eine blässlich hübsche Studentin der Entwicklungspsychologie an der Arizona State University gewesen, mit zwei Kindern, horrenden Unterhaltszahlungen und einem Faible für scharfkantigen Schmuck, gekühlte Schokolade, InterLace-Lehrpatronen und Profisportler, die im Schlaf um sich schlugen. (S. 69)
* „ … auf dem Bildschirm sieht man eine riesige Maschine aus grauem Metall, die von James Cameron und Fritz Lang entworfen sein könnte. (S. 71)
* „Hal kifft gern heimlich, aber das größere Geheimnis ist, dass er die Heimlichtuerei ebenso schätzt wie das Kiffen.“ (S. 72)
* … aber sie haben immer dieses Mehrwegsiebchen wie ein Bong, und der uninhalierte Rauch wird über ein großes Gebiet verteilt. (S. 73)
* Ein Alkoholiker könne schulisch und sportlich unter keinen Umständen so gut abschneiden, versichert ihr Dr. Rusk, die Schulpsychologin der E.T.A., schon gar nicht im Leistungssport. Avril findet es auch wichtig, dass eine besorgte, aber nicht überbehütete Mutter weiß, dass sie lernen muss, loszulassen und die beiden hochbegabten ihrer drei Söhne eigene Fehler und eigene wertvolle Erfahrungen machen zu lassen, selbst wenn die heimlichen Sorgen ihr, der Mutter, den Magen in den Schleudergang versetzen. Und Charles unterstützt jedwede ihrer persönlichen Entscheidungen bezüglich der Kinder, die sie guten Gewissens trifft. (S. 74)
* Zum Großteil handelt es sich dabei um guten, sauberen und befristeten Spaß; eine traditionell kleinere und härtere Truppe neigt jedoch zu einer Individualchemie, … (S. 77)
* Langen Schwafelns kurzer Sinn, manche E.T.A.s – und keineswegs nur Hal Incandenza – haben mit Freizeitdrogen zu tun. Wer hätte das nicht in irgendeiner Lebensphase, in den Vereinigten Staaten und den interdepententen Regionen, in diesen unruhigen Zeiten? (S.78)
* “Wie die meisten Nordamerikaner seiner Generation weiß er weit weniger über den Grund seiner Einstellung zu bestimmten Gegenständen und Neigungen als über diese Gegenstände und Neigungen selbst.” (S. 79)
* Das liegt ganz einfach daran, dass es weit leichter ist, einen Fehler zu beheben, den man sehen kann. (S. 80)
* “Ich verstehe langsam, dass das Gefühl der schlimmsten Albträume, ein Gefühl, das man im Schlafen wie im Wachen haben kann, dieselbe Form hat wie die Albträume selbst: die plötzliche Erkenntnis im Traum, dass das wahre Wesen und Zentrum des Albtraums einen die ganze Zeit begleitet hat, auch im Wachen: Es ist nur … übersehen worden; und dann diese entsetzliche Pause zwischen dem Begreifen des Übersehenen und dem Wenden des Kopfes, um sich umzusehen nach dem, was man immerzu vor der Nase gehabt hat, die ganze Zeit …” (S. 90)
* Er ließ sich nicht auf die Stulle furzen und war ein fröhlicher, aber unerbittlicher Anhänger der Rache-ist-Blutwurst-Schule. (S. 81)
* Der Stv.BStA beschwichtigte seine Frau, das Haus wäre weder geschändet, noch unrein. (S. 82)
* … weil Gateley & Partner einen Wandsafé suchten, den überraschender Weise 90% aller Menschen mit Wandsafés hinter Landschaftsgemälden oder Seestücken im Elternschlafzimmer verstecken. (S. 83)
* Die große Mehrheit aller Hausbesitzer bewahrt nämlich Trockentücher nämlich zwei Schubladen unter dem Alltagsbesteck auf, und Gott hat keine besseren Hilferuferstickknebel erfunden als ein gutes altes ölig riechendes Trockentuch aus Kunstleinen. (S. 84)
* Ich verstehe langsam, dass das Gefühl der schlimmsten Albträume, ein Gefühl, das man im Schlafen wie im wachen haben kann, dieselbe Form hat wie die Albträume selbst: die plötzliche Erkenntnis im Traum, dass das wahre Wesen und Zentrums des Albtraums einen die ganze Zeit begleitet hat., auch im Wachen: … (S. 90)
* … und das plötzliche Gefühl überkommt dich, das eine Verkörperung des Urbösen bei dir in diesem dunklen fremden Souterrainzimmer ist, dass die Quintessenz und der Mittelpunkt des Bösen genau hier ist, in diesem Raum genau jetzt. Und zwar nur für dich. (S. 90)
* Professor James O. Icandenza Jr.s unzeitiger Suizid mit vierundfünfzig wurde in mindestens drei Welten als ein unersetzlicher Verlust angesehen. (S. 94)
* Man kann sich nur schreiend verständigen. Über kurz oder lang hört es sich an, als brülle die Menschenmenge gegen das eigene Gebrüll an, ein Widerhall wie bei einer Explosion. (S. 96)
* „Ich bin Punter. Ich kriege mein Geld dafür, dass ich den Ball hoch, weit, gut und immer wegtrete! Dass ich in Interviews auch noch Fragen mit persönlichem Hintergrund beantworten soll, ist schon schlimm genug! Aber jetzt hab ich endgültig die Faxen dicke! Warum lassen wir uns das bieten? Ich bin Sportler und kein Darsteller in einem Monstrositätenkabinett! Bei den Ablöseverhandlungen hat keiner was von Fliegen gesagt. In New Orleans reichten Roben und Heiligenscheine plus einmal Harfen pro Spielzeit. Aber nur einmal. Das hier ist doch der letzte Scheiß!“ (S. 96)
* Zwei Jungen kneten Tennisbälle; zwei wiegen sich chassidisch hin und her, um nicht einzuschlafen, einer trägt einen Hut mit zwei Antennenattrappen aus eng gewundenen Sprungfedern. … Ein Junge prökelt neugierig in seinem Bauchnabel herum. Ein anderer simuliert umzufallen. (S. 97)
* Deswegen begegnet ein Krankenhausarzt – der gemeinhin wohlauf, rosenwangig und porenlos aussieht und so gut wie immer auffällig sauber und wohl riecht – einem ihm anvertrauten Psychiatriepatienten auch immer mit einem professionellen Auftreten irgendwo zwischen unverbindlicher und tiefer, distanzierter, aber ehrlicher Anteilnahme, die zu gleichen Teilen dem subjektiven Leiden des Patienten und den nackten Tatsachen des Falls gilt. (S. 99)

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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