Auf S. 1052:
„Marathe war bereit, jederzeit eines gewaltsamen Todes zu sterben, wodurch er seine Emotionen frei wählen konnte. M Steeply vom US-amerikanischen B.S.S. hatte verifiziert, dass die USA das weder verstanden noch zu schätzen wussten; es war ihnen fremd.“

Ehrlich gesagt, ich verstehe das auch nicht ganz. Der Zusammenhang zwischen der Wählbarkeit seiner Empfindungen und der Bereitschaft zu sterben scheint mir auf eine geheimnisvolle Weise richtig und bedeutsam. Aber ein genaues Gefühl für den Inhalt des Satzes kann ich trotzdem nicht entwickeln.
Ich habe dem I-Ching die Frage gestellt: „Werde ich je Gelegenheit haben, diesen Satz zu verstehen?“ Den Orakelspruch habe ich mithilfe dreier Münzen hergestellt. Es war das Hexagramm Nr. 10, :
„Auftreten auf des Tigers Schwanz. Er beißt den Menschen nicht. Gelingen.“

Verwirrend.

5 Kommentare zu Eine erstaunliche Erkenntnis

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holio

16. Oktober, 2009 um 20:12

Im Original lautet es: „Marathe was prepared to die violently at any time, which rendered him free to choose among emotions. U.S.A.’s B.S.S.’s M. Steeply had verified that U.S.A.s did not comprehend this or appreciate it; it was foreign to them.“ (IJ 732)

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JesusJerkoff

16. Oktober, 2009 um 21:59

Das ist das Problem mit den quadrupelären Agenten (sollte er, Rémy, einer sein), diese Unvorhersehbarkeit.

Steeply will, daß er den Utilitarismus der USA/ONAN akzeptiert, aber denkenden Menschen fällt dies gelegentlich schwer.

Dann sucht man (R) in der Gegenfrage die Schwäche und diese nutzt man aus. Ich meine, Rollstuhlfahrer ohne Beine, die gerne in der USA/ONAN Bus fahren, weil da alles immer so mitleidig wegsieht, was kann unauffälliger sein, als das, was niemand sehen will.

Dann nehmen sie die Illusion einer Zielrichtung weg, weil besser kann man Amis einfach nicht auf den Sack gehen und schwupp, sind sie der perfekte Feind. In der Logik der USA/ONAN solange resourcenbindend bis alle Rollstuhlfahrer ohne Beine erschossen wurden und diese Gefahr gebannt ist.

Hart wird es erst, wenn man darüber nachdenkt, daß diese Gedanken vor 1996 entstanden sind und wo wir heute sind.

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mh

19. Oktober, 2009 um 23:38

@ Clemens Setz: nicht I-Ching sondern I choose

„… er war nicht beunruhigt. Marathe war darauf vorbereitet, jederzeit eines gewaltsamen Todes zu sterben, was ihm die Freiheit gab, seine Gefühle zu selektieren. M. Steeply vom US-amerikanischen B.S.S. hatte bestätigt, dass US-Amerikaner das weder verstanden noch zu schätzen wussten; es war ihnen fremd.“

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Peter Neuhaus

20. Oktober, 2009 um 08:36

siehe auch:
Jim Jarmusch: Ghost Dog: The Way of the Samurai (1999)
Nicht nur ist das ein großartiger Film, er listet ein paar wichtige Zitate aus dem Buch Hagakure (Japan, ca. 1710) auf, z.B. das hier relevant sein könnende:
„Bushido, der Weg des Samurai, so habe ich herausgefunden, liegt im Sterben“
Wer sich mit dem Tod abgefunden habe – besser: Wer wisse, dass er bereits tot sei – hat die Freiheit, sich angstfrei zu verhalten. Alles tun zu können. Eben auch: ohne Angst in den Tod zu gehen, für welchen Zweck auch immer.
Lauwarm tradierter Männerstolzkriegerquatsch. Findet man dann später bei Kamikaze-Fliegern, der Waffen-SS und in Managerratgebern wieder – und auch ein bissi bei James Bond (eine Art Marathe mit Beinen).

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Clemens Ottawa

1. November, 2009 um 21:06

Die eigentliche Essenz der Textstelle erfolgt meines Erachtens erst in weiterer Folge: (Infinite Jest, p 732) (…) The veil allowed allowed Marathe the liberty [der Gedanke bei mir, an den frz.Revolutionär Marat hier präsent] of staring calmly back at the addicted man without the man’s knowledge, which Marathe found he enjoyed. (…)
Die Ironie an der Person Remy Marathes generell: In weiterer Folge meint er: (p733) „I am Swiss“, Marathe experimentally said. It was the second of his lines of introduction. Der vermeintliche Vertreter eines der wenigen seit jeher immer autonom und neutral agierenden Landes, der Schweiz, stellt hier die Radikalität dar, welche die US-Amerikaner nicht nachzuvollziehen scheinen. Marathe ist ja auf seine Art und Weise schon der (fremde) Veteran.

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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