Glyphengeschenk

28. August 2009 |

zum Garnieren, Unterteilen oder Darin-Verschwinden:

1 Kommentar zu Glyphengeschenk

Avatar

Stephan Bender

28. August, 2009 um 18:40

Da wäre noch die Anspielung auf „Einer flog über das Kucksnest“ auf Seite 114 Mitte.

„…Ich weiß, alle glauben, das wäre so fürchterlich. Diese alte Patrone. Nichols und der große Indianer. Verzerrung. Man kriegt hier doch eine Vollnarkose, oder? …“ – wobei diese alte Patrone Mildred Ratched, Nochols Jack Nicholson und der große Indianer vermutlich der große Indianer sein dürften.

Der Titel basiert auf einem englischen Kinderreim:
Vintery, mintery, cutery, corn,
Apple seed and apple thorn;
Wire, briar, limber lock,
Three geese in a flock.
One flew east,
And one flew west,
And one flew over the cuckoo’s nest.

Und die Wikipedia merkt an: „cuckoo“ bedeutet in amerikanischer Umgangssprache „verrückt“. Der Titel könnte in freier Übersetzung lauten: „Einer wurde verrückt.“ (Aber das wollen wir mal Ulrich Blumenbach überlassen.)

Kernszene des Films (auf ihn wird von Wallace Bezug genommen und nicht auf das Buch oder das Theaterstück) ist die, als Ratched Billy in den Tod treibt, als dieser von einer neurotischen Mutter verstörte Junge seine Sexualität entdeckt.

Ich werde die ganze Zeit das Gefühl nicht los, das DFW eine problematische Beziehung zu seiner verunsicherten Mutter hatte, worauf auch der kürzlich erschienene SPIEGEl-Artikel bezug nahm. Es gibt nämlich in Wirklichkeit zwei Arten von Intellektuellen: Erstens die Neurotiker, die ein persönliches Problem in wunderbare Kunst umwandeln können, und dann gibt es zweitens die Philosophen, die gottgleich alles von oben herab betrachten.

DFW gehörte ersterer Sorte an, Jonathan Franzen der zweiten. Ich selbst, wenn mir das in einem sanften, fast unmerkbaren narzistischen Überschwang gestattet wird, wäre gern etwas drittes…

Jetzt kommentieren

Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
Mehr zum Buch »
Termine zum Buch »

April 2020
M D M D F S S
« Mrz    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  
  • TRIO 24: Ach du dickes Ding! | Sätze&Schätze: [...] Kapituliere ich ausnahmsweise vorzeitig, plagt mich noch lange, lange Zeit ein schlechtes Gewi [...]
  • Christian: Gibt es auch günstiger: http://www.amazon.de/gp/offer-listing/B005NE5TA4/ref=dp_olp_used?ie=UTF8 [...]
  • Steffen: Ja tatsächlich tolle Idee und schön umgesetzt. Das ist ein ziemlich vertrackte Stelle im Buch der [...]
  • (ohne Titel) « VOCES INTIMAE: [...] aus Berlin zu sein, ist wohl nur für Berliner eine relevante Information. Like this:LikeS [...]
  • VOCES INTIMAE: [...] aus Berlin zu sein, ist wohl nur für Berliner eine relevante Information. Like this:LikeS [...]