Die Leukodermatiker. Die Xanthodontiker. Die maxillofazial Fehlgebildeten. Die mit verzerrten Augenhöhlen aller Art. Traut Euch hervor unter dem Deckenfluter der Sonne, heißt es hier. Kommt rein aus dem Spektralregen.

Wir sind gemeint. Wir sind allein. Wir sind allein mit dieser Stimme, dieser sparsamen und „seltsamen leeren“ Stimme. Sie kommt aus dem Radio, aus einem fast verlassenen, wie verwaisten Studio, sie schwebt und wir verstehen sie nicht. Wir sind gemeint:

All Ihr Peroniker und Teratoidalen. Ihr phrenologisch Fehlgebildeten. Ihr mit suppurativen Läsionen. Ihr endokrinologisch Übelriechenden aller Duftnoten. Schreitet nicht länger gedemütigt einher. Ihr mit den acervulinen Nasen. Ihr radikal Ektomierten. Ihr krankhaften Diaphoretiker mit Tempos in allen Taschen. Ihr chronisch Granulomatosen. Ihr, die grausame Menschen, wie es hier heißt, als Zweitüter bezeichnen – eine Tüte für Euren Kopf und eine für den des Betrachters, falls die auf Eurem Kopf mal abfallen sollte. Ihr Verhassten, Rendezvouslosen und Gemiedenen, die Ihr im Schatten bleibt. Ihr, die Ihr Euch nur vor Euren Haustieren auszieht. Ihr Zitat ästhetisch Geforderten. Verlasst Eure Lazarette und Oublietten, ich lese das, wie’s hier steht, Eure Klausen, Keller und TP-Tableaus und sucht Euch Hege, Unterstützung und die inneren Ressourcen, um Eurem Spiegelbild furchtlos ins Auge zu schauen, heißt es – etwas übertrieben vielleicht – hier weiter. Doch steht uns diese Bemerkung zu. Lieber per Du als Degout, steht hier. Kommt und legt ab das Deckmäntelchen von Genotyp und Phänotyp, steht hier. Lernt, eure verborgenen Seiten zu lieben. Schließt sie ins Herz. Ihr mit den fast unglaublich geschwollenen Knöcheln. Ihr Kyphotiker und Lordotiker. Ihr unheilbaren Zellulitiker. Fortschritt, nicht Vollkommenheit, steht hier. Niemals Vollkommenheit, steht hier. Ihr todbringend Schönen: Willkommen. Ihr Aktæonisierenden Seite an Seite mit den Medusoiden. Ihr Papulösen, Makularen und Albinos. Medusen und Odalisken: Hier findet Ihr Euresgleichen. Alle Versammlungsräume ohne Fenster.

Da sitzen wir. Mario hört ihr zu, wir vernehmen sie von fern her, diese Stimme Joelle van Dynes, die Stimme von Madame Psychosis, Don Gately hört sie dann. Und erst dann, wenn Joelle bei Don Gately am Bett sitzt und er hört, er dämmernd, fiebernd hört, auch wie von fern, und zwangsläufig zum Kind wird, in Familienabgründe stürzt, das eigene fremde traurige Leben, kommen wir allmählich an den Anfang, oder besser an das Ende eines Romans, das zum Anfang der Geschichte führt. Im Schatten: Wir sind gemeint.

1 Kommentar zu Psoriatiker, her mit Euch!

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JesusJerkoff

20. Oktober, 2009 um 20:42

Sehr geehrter Herr Graf,

es ist mir nicht klar, ob es Ihnen hilft, aber ich kann Sie verstehen. Oder eher nicht? Da ich Sie nicht kenne, reduziere ich es auf ein „ich verstehe Ihre Richtung“. Danke für die gute Seitenbetreung.

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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