S. 99 – am Tag der Manner Schnitte
als Belohnung für das fristgerechte Absolvieren des Wochenpensums. Was ich an Erfahrungen mitnehme? Der kommende Abschnitt wird in mir einen veränderten Leser vorfinden. Soviel steht fest. Die ersten paar Seiten trafen mich spröde an, die darauf folgenden als jemanden, der hin und wieder ein Schmunzeln hinbekommt, bis mich der Text dort hatte, wo ich vorübergehend glaubte, er wolle jeden und jede haben (ich begann mir Notizen zu machen, Namen, komische Worte herauszuschreiben, ich habe mich bei dem Gedanken ertappt, einen Überblick hinsichtlich der wechselnden Jahre zu erstellen). Zuletzt bin ich einmal eingenickt, was unzweifelhaft an mir lag.
Die kommenden Seiten werden in mir mit einem anderen Leser vorliebnehmen. Sämtliche Zusatzbemerkungen wurden ausradiert, Listen zerrissen und außertourliche Gedächtnisleistungen dem Vergessen überantwortet. Was davon übrig ist, möge während des Wochenendes verpuffen. Durch die verbleibenden 1.446 Seiten (Anmerkungen inkl.) werde ich driften; ohne Zusatzversicherung, ohne Netz, bestenfalls werfe ich mein eigenes aus, um es einzuholen, wann immer mir danach ist. Was sich darin verfangen hat, wird hängen geblieben sein. Früher oder später würde mich die geballte, miteinander verknüpfte Zusammenhanglosigkeit ohnedies vom Weg abbringen, warum mich dann nicht aus eigenem Antrieb in unvorhergesehenen Nischen verlieren.

2 Kommentare zu Ja, ich bin paranoid – aber bin ich paranoid genug?

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palamede

28. August, 2009 um 17:23

Ist denn die Lektüre des Romans, werter Herr Millesi, für Sie eine Buße, Pflichtveranstaltung o.ä., da Sie von Pensum und anschließender Belohnung sprechen? Zugegeben, als Kind hatte ich mich auch zentnerweise mit Manner-Schnitten vollgestopft, allerdings schon während der Lektüre. Analytisch geschult ließe dies auf frustrierende Leseerfahrungen schließen, stimmt aber nicht. Oder – wir wollen nicht indiskret sein – liegt ein Erdedy-Syndrom vor (Amost-Home-Kekse, Schokoladenglasur in Dosen)?
Wie auch immer: weiterhin guten Appett!

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Hanno Millesi

4. September, 2009 um 18:06

Für mich ist alles Buße, Pflichtveranstaltung, von zwanghaftem Ausmaß und ohne die geringste Aussicht auf Belohnung. Schließlich stamme ich aus Wien. Während der Lektüre nehme ich nichts zu mir. Frust- und analysegeeicht bereitet mir das Lesen nichtsdestotrotz nach wie vor Vergnügen. Ich denke, ich wäre auch ohne die Herausforderung hier rundherum immer noch dabei.
Bitte zu Tisch!

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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