20. September

21. September 2009 |

20. September

Großraum. 15.30 Uhr. Gehtsokaffeemitmilch. Und ein natürliches Vitalgetränk, das den Energiehaushalt stabilisieren und nach Mangograpefruit schmecken soll. Mein Energiehaushalt ist nicht mehr zu stabilisieren. Höchstens noch durch so was: Wieder so ein Fall in DER Zeitung, bei dem man sich an den Kopf fasst und sich die wenigen Haare sortiert bei der Frage, in welcher der vielen Realitäten man gerade herum liest. Und wenn man DFW liest, dieses Mehrweltenbuch, passiert einem das häufiger, als einem lieb sein kann. Was da im lauschigen Zweifamilienhaus am Hang passiert ist, klingt doch nach stark nach apokryphem DFW. Ein Psychotherapeut verabreicht zwölf Patienten einen Cocktail aus LSD und Pilzen und noch ein paar anderen merkwürdigen Drogen, die sich wahrscheinlich alle im nicht vorhandenen Inhaltsstoffverzeichnis des US fänden. Zum Zwecke der Bewusstseinserweiterung. Therapieerfolg: Zwei Tote Der Mann arbeitete mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, psycholytischer Psychotherapie, Körper- und Gestalttherapie und half bei spirituellen Krisen. Spirituelle Krise? Hat die nicht jeder, egal.
Die Leute, die sich da im Zeichen der Kirschblüte behandeln ließen, die kennen wir inzwischen auch alle, die bis hierher US erprobt sind. Und schwuppdiwupp kaum hat mans haarsortierend in DER Zeitung gelesen, sitzt, oder besser: liegt man mit Gately (dem Bockzumgärtnerbetreuer und Genialeinbrecher) auf der Couch von Ennet House und um einen herum sitzenliegen und sticken und reden genau die Typen, die, denken wir uns, auch in Hermsdorf herumsaßen und -lagen. Wieder ein grandioser Höhepunkt. Ein neuer Plotplanet ist zu besichtigen. Geoffrey Day heißt er hat mal „Killefitt wie soziale Historizität oder historische Sozialität“ gelehrt (wollen wir wissen, was das ist? Nee. Hab übrigens gerade ein Interview mit Slavoj Zizek eingerichtet, soviele Socken kann er gar nicht haben, wie er Schüsse hat. Unglaublich, der Mann, furchtbar). Dann hat er zuviel eingeworfen, kann sich nicht mehr an alles erinnern und glaubt nun in Ennet House seine Bestimmung gefunden zu haben. „Mit 46 Jahren habe ich es hier dann also gelernt, nach Klischees zu leben.“ Weil das einfacher ist als das Leben in langen Sätzen, lebt er nach „Nimm’s leicht. Reif oder Kneif, Mut ist Angst, die beten gelernt hat.“ Was mach ich eigentlich, wenn dieses Buch zu Ende ist. Doch von vorne anfangen. Denn dieser Typen werden nicht alle. Entweder hat DFW eine geradezu halluzinogene Figurenfantasie oder diese Typen wie Gately oder Day oder die große Charlotte Treat oder der handundfußlose Burt F. Smith, einem ehemaligen Katholiken, dessen Frau die Ehe annullieren ließ, weswegen er zum Fremdenheimsäufer herunterkam, als welcher er – zusammengeschlagen und im Schnee liegen gelassen – dann Hände und Füße an die Kälte verlor.
Eigentlich müsste man, in Krimis sieht man das ja immer, eine Wand zu Hause frei räumen, die Figuren und ihre Geschichten aufschreiben und sie zu einem großen Diagramm aufhängen. Andererseits: KiWi könnte das auch machen. Ein Plakat zum runterladen mit der gesamten Personage.

6 Kommentare zu 20. September

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spaddl

21. September, 2009 um 14:30

Darf ich fragen, bei welcher Seite Sie sich derzeit befinden?? ;-)

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Stefan Alscher

21. September, 2009 um 17:57

Die Idee mit dem Plakat, welches uns die doch recht unübersichtlichen Personenbeziehungen erklären könnte, finde ich super! Mit wem muss man sich in Verbindung setzen, damit das in die Wege geleitet werden kann?

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Guido Graf

21. September, 2009 um 19:27

erst einmal könnte man das doch auch als pdf anlegen, das dann hier im Blog zum Download zur Verfügung gestellt werden kann

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Guido Graf

21. September, 2009 um 21:17

hier findet sich für die Anlage eines solchen Posters ein hilfreicher Startpunkt

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JesusJerkoff

21. September, 2009 um 21:21

Die Idee ist ja wirklich nicht schlecht, aber wie bekommt man das ohne unter DIN-A-riesengroß hin, wer kann das drucken und werden dann auch Pfeilchen reingemacht, die die Beziehungen erklären, also wer wessen großer Kumpel ist, wie die Verwandschaftverhältnisse zueinander sind (z. B. C.T. und M.I.) , wann wer wo wen weshalb und wieumständlich kennengelernt hat, was die Pfeilchenlänge drastisch verlängern würde und die Schriftgröße wahrscheinlich unter die der Endnoten zwingt.

Reizvolle Aufgabe

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Ehrhardt Heinold

24. September, 2009 um 16:08

So ein Übersichtsdiagramm vermisse ich in vielen Büchern – mein Gedächtnis ist bei viel personal einfach nicht gut genug – und dann immer dieses Blättern. Einen wirklich guten Ansatz hat das Tellkamps Turm geboten: Eine (vermutlich sogar vom Autor) angefertigte Skizze des Dresdner Stadtbezirks mit Anmerkungen zu Personen, und ein (leider nicht vollständiges) Personenverzeichnis auf einem Lesezeichen. Vorbildlich und und zur Nachahmung empfohlen!

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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