23. September

24. September 2009 |

Auf heim zum SCH.M.A.Z. 18.30. Noch eine Minute länger in diesem Telefongewitter, in diesem Idiotenschlagwetter, und ich wäre zum Punter meines Laptops geworden. Und das Ding wäre garantiert weiter geflogen, als Orin sein Lederei jemals hätte treten können. Belle bloß noch in den Hörer. Je näher die Messe, desto mehr Explosivstoffe lagern sich an. Ist jedes Jahr dasselbe. Nach der Messe implodiert das dann und führt zu einem Wachkoma von nicht unter einer Woche.
Um mich noch ein bisschen mehr zu reizen, zum Ausrasten fehlt es in der S-Bahn zwar nicht an Gründen (hab ich schon ein einziges Mal erwähnt, dass der öffentliche Nahverkehr in Berlin kriminell…? In der Tat) – die zweite Lieferung von Fußnoten. Eben mal ein Sprung um 1000 Seiten (das ging bei dem Dreck von Jonathan Littell nicht von Seite 400 aus). Wir erfahren: Dass Quebec von den USA besetzt ist (was könnten die da bloß gewollt haben). Neues über Drogen und ihre Wirkweise. Dass die apresgardistische Bewegung aus als Kino der chaotischen Stasis firmiert und sich durch die „absichtlich irritierende Abstinenz von verschiedenen, in ein Bedeutungsganzes mündenden Erzählsträngen auszeichnet“. Dass Samuel Johnson der Prototyp des grammatikolexikopädagogischen Piesepampels (sic!!!) ist. Neues über Drogen und ihre Wirkweise. Den Satz: „Man kann eine Glocke nicht entläuten.“ Dass es eine gigantische Verlagskonzentration gegeben haben muss: Ein Taschenbuch erscheint bei Bantam-Doubleday-Dell-Little-Brown. Dass Gately bei seinen Betreuungsstunden in Ennet House nicht immer nur spannede Sachen erlebt. Dass 99,9 Prozent dessen, was einem im Leben widerfährt, einen eigentlich nichts angeht. Was ein unabweisbare Weisheit ist, was einem jeden Tag aufs Neue im Verlagswesen vorgeführt wird. Dass es eine Dworkinistische Hartlederorganisation gibt und Pizzitola-Auschreitungen, die Mitglieder der P.P. P.F.V. diskreditierten, worauf diese Splittergruppe zerfiel. Könnte P. P. P. F. V. eine späte Nachfolgeorganisation der Volksfront von Judäa sein oder der Judäischen Volksfront? Hat DFW Patronen von Python zu sich genommen. Irgendeine Doktorarbeit wird das irgendwann bestimmt herauskriegen. Noch ist es nur lustig.

3 Kommentare zu 23. September

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Stephan Bender

25. September, 2009 um 13:38

[… Dass 99,9 Prozent dessen, was einem im Leben widerfährt, einen eigentlich nichts angeht. …]

Das genau ist nicht wahr, aber 99,9 Prozent der Menschen glauben es.

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Roadrunner

25. September, 2009 um 21:46

So, wie es Elmar Krekeler hier wiedergibt, stimmt es ja auch nicht. Im Roman steht nämlich (und darauf bezieht sich seine Bemerkung offenbar): „fast nicht Wichtiges, das einem je widerfährt, widerfährt einem, weil man es eingefädelt hat“ (420).
Um den obigen Sprachgebrauch aufzunehmen: 99% dessen, was einen im Leben angeht, geht einen Weg, den man anfangs gar nicht einschlagen wollte.

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Stephan Bender

25. September, 2009 um 23:47

@ Roadrunner:

“fast nicht Wichtiges, das einem je widerfährt, widerfährt einem, weil man es eingefädelt hat” (420).

Schon besser, doch immer noch nicht ganz richtig… :-)
Je erfahrener und intelligenter man wird, ( und dazu gehört tatsächlich auch eine gewisse Drogenabstinenz, auch wenn man den Freuden des Lebens zugewandt sein sollte), desteo eher erfährt man das Gegenteil: 99% haben mit einem zu tun, nur man weiß nicht ,warum und wieso…

Am Ende ist es so, dass man Fehler macht und wieder Fehler macht, bis man das ganze Erfahrung nennt. Man erneuert sich immer wieder, bis man am Ende weiß, wie man leben soll. Dann ist es kein blödes Schicksal mehr, sondern Bestimmung … – und wenn man ganz großes Glück hat – … sogar Selbstbestimmung!

Wie DFW sonst einen solchen Roman hinlegen können?

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Über das Buch

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