28. September

30. September 2009 |

6.30 Uhr. Auf dem Weg zum Hamburger Bahnhof. Schlecht geschlafen. Vom Dicken geträumt, dass der wieder da wäre. Saumäßig auf den Magen geschlagen. Scheine immer noch zu schlafen. Hier sind alle Plakate weg. Keine Merkel mehr, kein Netto-Brutto-Guido. Alles, als wäre nie was gewesen, was nie wirklich war, Wahlkampf. In Berlin werden die noch an Weihnachten hängen. Aber wir wollen ja nicht wieder über die Hauptstadt schimpfen.
Muss mich korrigieren. DFWs eschatologisches E. T. A.-Spiel ist selbstverständlich nicht Risiko-, sondern eine Völkerballvariation. So richtig kapiert man zwar nicht, wie es vonstatten geht. Da geht’s einem fast so wie mit Quidditch. Oder besser: So muss sich ein des Deutschen mächtiger Pygmäe fühlen, wenn er das erste Mal in seinem Leben die Bundesligakonferenz hört. Es stimmt nur halt, was DFW selbst schreibt: „Eschaton ist verbal nur schwer in Schwung zu bringen, auch für den Stimulierten. Es ist einfach zu langsam und zu verkopft.“ Stimmt. Aber er gibt sich alle Mühe. Vielen Dank.
Selbst mir erschließen sich auch allmählich ein paar Abkürzungen. Hinter AMNAT könnte so etwas wie eine Jahr-der-Inkontinenz-Unterwäsche-Nato stecken. Hinter IRLIBSYR IranLibyenSyrien und ROTCHIN erschließt sich sogar Menschen mit noch geringerem Verstand wie mir. Um was es allerdings geht, außer dass hier der Dritte Weltkrieg auf Tennisplatzniveau vorgespielt wird, und das die Computer da zu suchen haben, weiß man nicht. Das führt dann zu solch herrlich bekloppten Sätzen wie „IRLIBSYRs Leithammel Evan Ingersoll, ganze 1,30 m groß, gewärmt von Babyspeck und hochkalorischen Denkanstrengungen, hockt wie ein Catcher westlich von Damaskus, dreht untätig seinen Rossignol-Raketenwerfer in der Hand und folgt dem monolateralen Wortwechsel“ usw. usf.
Lustig, dass Otis P. Lord die Rolle Gottes auf dem Eschatonplan geben muss, eine Art Oberschiedsrichter. Aber selbst der Lord, besser: gerade der Lord kann nicht verhindern, dass Eschaton an diesem 8. November in eine gigantische Steinigungsszene mündet, bei der die toten Tennisbälle die Steine ersetzen.
In Enfield fällt übrigens der erste Schnee. Davon sind wir hier noch weit entfernt. Aber es ist kälter geworden in Deutschland. Das erwähnt ich schon mal. Glaube ich.

1 Kommentar zu 28. September

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Alfred Vail

30. September, 2009 um 15:23

Na Gott sei Dank,
ich dachte wirklich schon Sie haben das Buch aufgegeben.

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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