29. Oktober

31. Oktober 2009 |

17.30. Badenweiler. Nieselregen. Nix zu sehen. Hochnebel hängt über Hang. Kein Hochmut gegenüber den Daheimgebliebenen. Eigentlich müsste man jetzt in die Sauna. Oder irgendwas anzünden. Das einzige, was ich habe ist der Spaß. Den geb ich nicht her. Hab ihn sogar hier im Fenster liegen sehen. „Unendlicher Spaß“ in Badenweiler – Kursangebot im Kurhaus „Gut vorbereitet stirbt sichs leichter“. Seltsam. Gerade Brutto-Netto-Guido im Fernsehen gesehen bei der Amtsübergabe. Sah aus wie Hanno Buddenbrook bei der Abiturfeier, wenn er sie erlebt hätte.
Orin hat so was ähnliches wie Sex. Die Hormone spielen verrückt im „Spaß“. Er hat in sen sexten Gang geschaltet (steht da wirklich, kein Kalauer von mir). Ein Sexgesicht schaut in ein anderes Sexgesicht. Es geht nicht um Hormone, Instinkte, steht da, es geht um Hoffnung, „die unermessliche Hoffnung, weit wie der Himmel, unter den flatternden Lidern eines jeden Subjekts etwas zu finden, das die Hoffnung günstig stimmen, ihr irgendwie Tribut zollen möge“. Schön. Aber Orin hat Angst vor der „alles auslöschenen Dreifaltigkeit von Dir und Mir zum Uns“.
Jetzt wird’s allmählich total finster hier. Und kalt. Fühlt sich an wie Hamburg. Was statistisch gesehen ziemlich gemein ist, weils in Hamburg auch nicht schlechter ist als in Berlin.
In der E. T. A. prallt eine augenbindoide Dame (wenn Idris ein weiblicher Vorname ist) namens Idris Arslanian auf Ted Schacht. Und der Kollege Blumenbach muss wieder mal ein kleines Kunstwerk vollbringen: eine verunfallende Sprache neu erfinden. Frau Arslanian radebrecht, dass es eine Art hat, ein armenischdeutscharabisches Wortmischmasch. Sie quatschen über einen weiteren behinderten Tennisspieler, der es geschafft hat, als Blinder in die Charts zu kommen – was um Himmels willen kommt noch, einen mit einem Tropf hatten wir schon, jetzt einen Blinden. Schaunwermal. Idris Arslanian: „Ich gebühre ihm mein Mitleid in toto“. Toll.
Es geht wieder um Müllentsorgung, um Kontamination. Und Idris nimmt mir die Worte aus dem Hirn: „Mein Kopf dreht sich auf seiner Achse.“ Atomarer Abfall. Ein Kapitel für Herrn Röttgen. Den hab ich heute auf der „Zeit“ gesehen. Mit Loddar und dem neuen Schweinegrippenbeauftragten. Wo war da Herr Niebel? Der Ich-mache-mein-Amt-überflüssig-Minister für Abwi…, pardon Entwicklungshilfe. Deutschland wird dunkel und kalt. Ich geh kochen. Die Kontamination kann warten.

1 Kommentar zu 29. Oktober

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Hendrik Henke

31. Oktober, 2009 um 15:50

Idris ist ein männlicher Vorname.

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Über das Buch

1996 erschien »Infinite Jest« in den USA und machte David Foster Wallace über Nacht zum Superstar der Literaturszene. Vor einem Jahr nahm sich David Foster Wallace das Leben. Sechs Jahre lang hat Ulrich Blumenbach an der Übersetzung von Wallaces Opus magnum gearbeitet, dem größten Übersetzungsprojekt in der Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch.
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